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Olympische Winterspiele

Puls regu­lieren (Biathlon)

Man kennt das ja: Da hat die Wurst­truppe mal wieder ein Drei­vier­tel­jahr nur Müll gespielt und ist ohne nen­nens­werte Gegen­wehr Rich­tung Abstiegs­ränge abge­rutscht, wes­wegen man den faulen Fuß­ball­mil­lio­nären gemeinsam mit ein paar frag­wür­digen Kum­pels auf dem Trai­nings­platz mal eine amt­liche Ansage macht. Aber noch wäh­rend einem faust­schwin­gend die Worte „…dann jagen wir euch aus der Stadt“ wie von selbst über die Lippen rut­schen, denkt man: Mh, viel­leicht sollte ich mich nicht immer so auf­regen.“

Tjaja, der Blut­druck. Dass es nicht so gut ist, ständig auf 180 zu sein, sagt ja auch der Bewäh­rungs­helfer. Vom Biathlon lernen heißt in diesem Sinne siegen lernen. Biath­leten sind näm­lich in der Lage, ihren Puls für den Schuss auf die Ziel­scheibe auf Kom­mando run­ter­zu­re­gu­lieren. Wenn also das nächste Mal euer über­for­derter A‑Ju­gend-Innen­ver­tei­diger im Fünf­me­ter­raum über den Ball sto­chert, nur damit euer Ex-Stürmer zum späten Sieg­treffer abstaubt, was er bei euch natür­lich nie gemacht hat, atme tief durch, regu­liere den Puls runter und reg dich ab. Ein Kniff, der dir in allen Fuß­ball­le­bens­lagen helfen wird. Euer Präsi ver­scher­belt den ein­zigen Nicht-Blinden am Dead­line Day? Puls runter. Der VAR pfeift euch das 2:1 in der 94. ab, weil der Tor­schütze mit den Nasen­haaren im Abseits war? Puls runter. Der Blöd­mann in der Kneipe weist dich darauf hin, dass das Grün­dungs­jahr im Ver­eins­wappen deines Ober­arm­tat­toos nicht stimmt? Puls runter. Prak­tisch auch: Fort­ge­schrit­tene könnten mög­li­cher­weise auch lernen, den Puls gleich ganz her­un­ter­zu­fahren, wenn der Schmerz durch die Wurst­truppe irgend­wann viel­leicht wirk­lich unaus­haltbar wird.

Enforcer (Eis­ho­ckey)

Es ist schwer zu ertragen, wenn der schnö­se­lige Super­star des sehr viel erfolg­rei­cheren Lokal­ri­valen, finan­ziert aus der Por­to­kasse eines win­digen Mäzens, auch nach dem Tor zum 6:0 sein kleines Tänz­chen an der Eck­fahne auf­führt, wäh­rend man selbst inner­lich schon wieder im Zug nach Sand­hausen sitzt. Um selbst auf den Platz zu rennen und mal ein Zei­chen zu setzen, ist man aber auch zu feige, wes­wegen einem nur der ver­bit­terte Blick in den Bier­be­cher bleibt, wo ein paar letzte, lum­pige Koh­le­säu­reb­lasen platzen wie all die Träume von Erfolg, Freude und Spaß, die einem dieser miese Ver­rä­ter­sport einst in den Kopf pflanzte.

So viel Frust müsste nicht sein, gäbe es im Fuß­ball den soge­nannten Enforcer. Der Enforcer ist im Eis­ho­ckey ein Spieler, der den Gegner durch gezielte Schlä­ge­reien, sagen wir: aus dem Kon­zept bringt. Und so hätte er an diesem grauen, trau­rigen Fuß­balltag beim viel erfolg­rei­cheren Lokal­ri­valen viel­leicht auch nur zwei der sechs Tore ver­hin­dert, aber immerhin würde sich der geg­ne­ri­sche Super­star jetzt ent­geis­tert die blu­tende Nase halten und wacke­ligen Schrittes von zwei Phy­sios vom Platz geführt werden, wäh­rend euer Enforcer die fünf Minuten Zeit­strafe pro­fes­sio­nell annähme, auf einer kleinen Straf­bank genau vor deinen Sitz­plätzen, und ja, er würde dir schel­misch lächelnd zuzwin­kern, und du wür­dest noch deinen Enkeln davon erzählen. Und wenn dann in Unter­zahl das nächste Gegentor fällt, macht dir das gar nicht mehr so viel aus. Schließ­lich weißt du: Selbst wenn es wieder nach Sand­hausen geht, kann sich zumin­dest deren schnö­se­liger Star auf jeden Fall warm anziehen.

Die Sache mit den kleinen Besen (Cur­ling)

Frei­stoß, 20 Meter, halb­rechte Posi­tion, 90. Minute, 1:1. Euer selbst­er­nannter Stan­dard­spe­zia­list tritt an und du weißt, was gleich pas­siert. Er gockelt ein paar ein­stu­dierte Schritte nach hinten, stellt sich hin wie der Wes­ten­ta­schen-CR7, der er ist, pustet einmal kräftig durch und nagelt den Ball dann über das Sta­di­on­dach in Rich­tung Auto­bahn­zu­bringer. Schade, naja, nächstes Mal.

Nur: Auch nächstes Mal wird der Blinde nichts treffen, aller­höchs­tens mal einen Mit­spieler in der Mauer, der dar­aufhin mit einer Gehirn­er­schüt­te­rung aus­ge­wech­selt werden muss. Hier würde die Sache mit den kleinen Besen helfen, die man vom Cur­ling kennt. Auch beim Cur­ling, dem Schach des Eises“, wie Wiki­pedia maßlos über­treibt, geht es ja um Prä­zi­sion. Gerät der Wurf eines Spie­lers mit dem Cur­ling­stein zu schief und droht, die Ziel­marke zu ver­fehlen, polieren seine Mit­spieler die ent­spre­chenden Pas­sagen des Eises, damit der Stein wieder auf Kurs kommt. Und klar, ein Sport, in dem man einen Besen benutzt, kommt uns eher wie ein bil­liger Tom-Sawyer-Trick des Eis­hallen-Haus­meis­ters vor, um nicht immer alles selbst fegen zu müssen. Aber ein, zwei Mit­spieler, die einzig dazu da sind, den Quer­schläger des Stan­dard­spe­zia­listen doch noch irgendwie auf Kurs zu bringen, wären sicher Gold wert. Zuge­geben: Tech­nisch ist das im Fuß­ball viel­leicht schwierig umzu­setzen, einen Ver­such aber ist es wert. Schlimmer kann es schließ­lich nicht werden.

Die Über­tra­gung

Bitter: Die vielen Strea­ming-Abos, deren Preise auch noch unauf­hör­lich steigen, machen die finan­zi­elle Lage vieler Fuß­ball­fans immer pre­kärer. Mitt­ler­weile sind wir an einem Punkt ange­langt, an dem man sich als Fan wirt­schaft­lich ent­scheiden muss, ob man lieber seine Abos behält oder die Kinder eines Tages auf die Uni schi­cken kann, und naja, Luca-Noah, Pech gehabt, mach halt eine Aus­bil­dung, der Papa will Fürth gegen Hof­fen­heim gucken, wenn du erwachsen bist, wirst du das sicher ver­stehen.

Wie dem auch sei, wie es richtig geht, zeigt ein Blick in Rich­tung Win­ter­sport: Stun­den­lange Live­über­tra­gungen von mor­gens bis abends, ganze Sport­wo­chen­enden, kos­ten­frei im Free-TV emp­fangbar, unauf­ge­regt von onke­ligen öffent­lich-recht­li­chen Kom­men­ta­toren weg­mo­de­riert. Ein ent­schleu­nigter Strom aus Sport, Unter­hal­tung und Medi­ta­tion, kein Berufs­ju­gend­li­cher, der einem das nächste bemühte Wort­spiel ent­ge­gen­kom­men­tiert, keine Halb­zeitshows, die an eine RTL2-Abend­show erin­nern, ein­fach nur Sport, mehr als genug davon, zum Null­tarif, den ganzen Tag. Hach.

Après-Ski

Besieht man sich den ein oder anderen Bun­des­li­ga­standort, wo ein Sta­di­on­be­such sowieso schon eher an eine besof­fene Bus­tour mit dem Kegel­klub zum König-der-Löwen-Musical ähnelt, ein Worst-Of aus Klatsch­pappen, pein­li­cher Par­ty­mucke, kleinen Feig­lingen und 3,4‑Promill-Flirtversuchen mit Gabi aus dem Zumba-Kurs, bei dem irgendwo im erwei­terten Blick­feld auch Fuß­ball gespielt wird, was man glatt ver­gessen würde, wenn Tim Thoelke nicht so eine ätzende Stimme hätte, stellt sich die Frage, warum man an diesen Stand­orten nicht ein­fach all in geht und dem Fuß­ball das letzte biss­chen Ehr­lich­keit aus dem Leib even­ti­siert.

Man muss schließ­lich zu dem stehen, was man ist. Auch da kann der Win­ter­sport Vor­bild sein. Beim Win­ter­sport-Après-Ski macht sich nie­mand mehr was vor, die Leute gehen nicht wegen des Ski­sprin­gens zum Ski­springen, son­dern zum Saufen, weil um die Schanze herum ein kleiner Bal­ler­mann hoch­ge­zogen wird, wie ein grell blin­kender Wan­der­zirkus der Niveau­lo­sig­keit, und alle wissen das, es ist okay, man muss nie­mandem etwas vor­ma­chen, die Dinge sind, wie sie sind, eine gene­relle Anton-aus-Tirol-igkeit, die es okay erscheinen lässt, es nach acht­zehn heißen sauren Apfel mit Sahne nicht mehr recht­zeitig durch die Wil­linger Men­schen­massen hin­durch aufs Dixieklo zu schaffen und sich voll­zu­pissen. Egal, Gabi aus dem Zumba-Kurs hat das bestimmt gar nicht mit­be­kommen, außerdem wärmt der neun­zehnte heiße sauren Apfel mit Sahne ja auch von innen und die super Par­ty­mucke bringt einen schnell wieder nach vorne, Anton Anton Anton Anton Anton Anton, usw. usf.