Nach acht Jahren Erfah­rung in der Pre­mier League bin ich sehr froh zu sehen, wie viele Teams Schritt für Schritt ihren Spiel­stil ändern. Aus­ge­nommen einiger gegen­tei­liger Mei­nungen hat die zuneh­mende Anzahl aus­län­di­scher Trainer dem eng­li­schen Fuß­ball sehr gut getan. Heut­zu­tage werden zum Bei­spiel die Zonen­de­ckung von Man­chester City bei Eck­bällen oder die Rota­tionen, um eng­li­sche Spieler im Hin­blick auf die Euro­pa­meis­ter­schaft zu schonen, kaum in Frage gestellt. Des Wei­teren kann fest­ge­stellt werden, dass bei der Ana­lyse immer mehr Wert auf das Mann­schafts­spiel und weniger auf die Leis­tungen ein­zelner Spieler gelegt wird.

Einer meiner Ex-Spieler vom FC Liver­pool, der in meh­reren Pre­mier-League-Teams gespielt hat und immer noch Eng­land aktiv ist, sagte mir über einen seiner Trainer: Er trai­niert sehr ähn­lich wie du, immer mit dem Ball“.

Das spa­ni­sche Model für den eng­li­schen Nach­wuchs?

Es scheint, als würde langsam eine Vision des Fuß­balls Einzug halten – es gibt sogar Über­le­gungen das spa­ni­sche Model für den Jugend­fuß­ball zu über­nehmen. Die FA hat sich bereits damit beschäf­tigt, auch wenn es wahr­schein­lich eine schwie­rige Ange­le­gen­heit wird. Immerhin ver­sucht der Eng­li­sche Fuß­ball­ver­band unter anderem auch die Struktur der Fuß­ball­aka­de­mien zu ver­än­dern. Aus meinen per­sön­li­chen Erfah­rungen als Spieler und Trainer in Eng­land heraus, würde ich sagen, dass zwei grund­sätz­liche Dinge helfen würden: Ers­tens die Instal­la­tion einer festen Dele­ga­tion von Jugend­trai­nern, zwei­tens eine U‑21-Meis­ter­schaft.

Nach der Ana­lyse von Sta­tis­tiken aus den ein­zelnen Ligen, bereit gestellt von Opta, sieht es so aus, als wäre Arsene Weg­ners Arsenal das Team, dass immer den Spiel­stil mit Ball­be­sitz bei­be­halten hat. Auch wenn diese Art zu spielen beginnt sich zu ver­än­dern.

Es ist inter­es­sant zu sehen, wie sich heut­zu­tage, nach den Erfolgen Bar­ce­lonas und des spa­ni­schen Natio­nal­teams, viele Mann­schaften in Ihrer Spiel­weise am kata­la­ni­schen Team ori­en­tieren. Sie beachten dabei aller­dings nicht, dass Bar­ce­lona auch des­halb ist was es ist, weil es viele Jahre damit ver­brachte, die gleiche Taktik zu spielen. Und natür­lich, weil Messi, Xavi, Iniesta, Bus­quets, Piqué, Dani Alves und die anderen Bar­ce­lona zu einem unver­wech­sel­baren Team gemacht haben – durch ihren beson­deren Stil und ihre indi­vi­du­elle Klasse.

Den­noch lie­fern die Sta­tis­tiken ein paar inter­es­sante Ergeb­nisse. Zum Bei­spiel wurden in der Pre­mier League ins­ge­samt 351.867 Pässe gespielt, im Gegen­satz zu 340.416 in La Liga“. Zudem gibt es in Eng­land sieben Mann­schaften, die die 20.000 Pässe über­schritten haben. Sie kommen zwar nicht an die 29.000 Pässe Bar­ce­lonas heran, den­noch haben weder Real Madrid noch Valencia diese Marke in der letzten Saison erreicht.

Erin­ne­rungen an Tiki-Taka werden wach

Wenn wir über den Ball­be­sitz spre­chen, müssen wir zusätz­lich beachten, in wel­chen Berei­chen des Spiel­feldes sich der Ball haupt­säch­lich befindet. Viele der Pre­mier League Teams mit hoher Ball­be­sitz­quote spielen viel in der eigenen Hälfte und über den Tor­wart – was in einigen Situa­tionen natür­lich auch eine gute Lösung sein kann. Ein wei­teres Pro­blem ist, dass die Pass­quote in der geg­ne­ri­schen Hälfte unter 80 Pro­zent liegt, weit ent­fernt von den 87 Pro­zent Bar­ce­lonas. Das erin­nert mich daran, was in Spa­nien vor 15 Jahren mit dem berühmten Tiki-Taka pas­sierte.

Der Ursprung des Begriffs hat, selt­sa­mer­weise, nega­tive Bedeu­tungen. Vor einigen Jahren war die öffent­liche Mei­nung über die Spiel­weise in der spa­ni­schen Liga gespalten. Die eine Hälfte ver­tei­digte das kurze Pas­spiel, der Rest bevor­zugte das direkte Spiel, in dem lange Pässe als sinn­voll ange­sehen wurden.

Trainer wie Magu­regui oder Javier Cle­mente kri­ti­sierten das Tki-Taka weil ihrer Mei­nung nach viele Teams gerne den Ball passten aber zu wenig Chancen kre­ierten. Es gehe nur darum den Ball zu halten und auf den rich­tigen Moment zu warten. Manchmal wurde die Art des Offen­siv­spiels schon Schei­ben­wi­scher-Spiel“ genannt, weil immer von einer zur anderen Seite gepasst wurde, ohne das geg­ne­ri­sche Tor zu errei­chen. Ein berühmter Spieler und Trainer ant­wor­tete einem Jour­na­listen auf die Frage, ob er lieber schlecht spielen und gewinnen oder schön spielen und ver­lieren würde, dass er letz­teres bevor­zuge. Ein paar Tage später wurde der Jour­na­list gebeten, die Aus­sage richtig zu stellen, doch die Debatte hatte bereits begonnen.

Schade, dass es nur einen Xavi gibt

Bei Bar­ce­lona haben Messi, Xavi, Bus­quets, Iniesta und Co. dem berühmten Tiki Taka einen Glanz ver­liehen. Und mit der Instal­la­tion von Luis Ara­gonés als Natio­nal­trainer begannen diese Gruppe von Spie­lern und ihre Art zu spielen die Welt zu fas­zi­nieren. Del Bosque und Guar­diola erreichten sogar noch grö­ßere Erfolge mit der glei­chen Spiel­weise und den Spie­lern. Jetzt möchten viele diesem in Mode gekommen Stil folgen – er ist schön und gewinnt Titel. Es ist eine Schande, dass es, bespiels­weise, nur einen Xavi Her­nandez gibt.

Wie geht es also weiter mit der Pre­mier League? Die Sta­tis­tiken von Opta“ zeigen uns, dass die Anzahl an Pässen pro Saison stei­gend ist. 320.000, 340.000 und 350.000 waren die Zahlen in den letzten drei Spiel­zeiten. Die Anzahl der Tore ist eben­falls schnell nach oben gegangen, trotz der sin­kenden Anzahl an Tor­schüssen in der letzten Saison. Was nach­denk­lich stimmen könnte, ist der Gedanke Wir sind wie Bar­ce­lona“, der zu Irr­tü­mern führen könnte, deren Aus­wir­kungen wir in Spa­nien erleben. Die Pro­zent­zahl der Pässe in der gene­ri­schen Hälfte ist von 65 Pro­zent in der Saison 09/10 auf 61 Pro­zent in der letzten Saison gesunken. Einen Stil und ein System zu kopieren garan­tiert keinen Erfolg. Viele von uns mögen die Art und Weise Bar­ce­lonas zu spielen, sie können es aber auch dank ihrer indi­vi­du­ellen Klasse und jah­re­langer harter Arbeit. Wir sollten nicht ver­gessen, dass es viele Wege gibt, schön zu spielen und zu gewinnen.