Was der Arp-Transfer über den FC Bayern verrät

Die eigenen Talente sind in Spitzenklubs nichts mehr wert

Kimmich ist mittlerweile tatsächlich die Zukunft des deutschen Fußballs, Kurt hat vor wenigen Tagen bei der WSG Wattens in der zweiten österreichischen Liga unterschrieben. Arp scheint zwar nicht ganz das Potenzial und die Vielseitigkeit von Kimmich zu haben, genauso wenig wie einen ähnlich talentierten und engagierten Trainer wie Guardiola, der ihn entwickeln wird (egal, wer auf der Bank sitzen wird, wenn Arp nach München wechselt). Aber er hat sich, anders als Kurt, schon im Profibereich bewiesen, gezeigt, dass er sich gegen Bundesligaverteidiger durchsetzen kann, und scheint auch nicht die disziplinarischen Probleme und mangelnde Arbeitseinstellung zu haben, die Kurt immer wieder nachgesagt wurden.

Welchen Weg Arp auch einschlagen wird, ob Kimmich, Kurt, oder irgendetwas dazwischen, eines zeigen alle drei Transfers: Der FC Bayern hat noch immer ein riesiges Problem in seiner eigenen Jugend. Der letzte Spieler, der wirklich ein Produkt der FC Bayern Jugendakademie war und den Sprung geschafft hat, ist der mittlerweile 29-jährige Thomas Müller. David Alaba kam mit 16 Jahren von Austria Wien und selbst sein Debüt liegt ziemlich genau neun Jahre zurück.

Ein Problem, das der FC Bayern nicht exklusiv hat. Alle großen europäischen Mannschaften tun sich extrem schwer dabei, eigene Stammspieler oder gar Stars auszubilden. Juventus Turin hat keinen einzigen Stammspieler aus der eigenen Jugend, genauso wenig Manchester City. Real Madrid hat Dani Carvajal (27) und selbst der FC Barcelona hat seit Sergi Busquets (30) keinen echten Star mehr in La Masia geschmiedet - selbst das ewige Talent Sergi Roberto ist mittlerweile 27 Jahre alt.

Der FC Bayern spielt mit einem sehr hohen Einsatz

Transfers wie der von Jann-Fiete Arp sind einer der Gründe für diese Entwicklung. Denn die Vereine beginnen immer früher damit, bei der Konkurrenz zu wildern, anstatt ihre eigenen Spieler aufzubauen, zu fördern und schließlich in die Mannschaft zu integrieren. In diesem Jahr hat der FC Bayern mit Milos Pantovic, Franck Evina und Manuel Wintzheimer gleich drei Stürmer abgegeben, die eine ähnliche Position wie Arp spielen und auch nicht mit wenig Talent gesegnet sind.

Evina wurde im Winter zwar nur verliehen, doch einen jungen Stürmer hinter Lewandowski könnte der Bayern spätestens seit dem Wagner-Abgang ganz gut gebrauchen. Jetzt wäre der Zeitpunkt Evina - talentiert, Münchner, seit seinem 13. Lebensjahr im Verein - aufzubauen und in die Mannschaft zu integrieren. Stattdessen setzt der Verein ihm nächstes Jahr mit Alphonso Davies und Arp gleich zwei externe Talente vor die Nase.

Denn wie Rummenigge gesagt hat, es ist wichtig den Kampf um die jungen Talente in der Bundesliga zu gewinnen. Anscheinend selbst dann, wenn die eigene Jugend darunter leidet. Der FC Bayern sollten sich sicher sein, dass Arp bei ihnen eine echte Chance bekommt - denn obwohl die 2,5-Millionen-Ablöse kein großes Risiko ist, so spielt der Verein doch mit einem ziemlich hohen Einsatz: Der Zukunft junger Menschen.