Bei der WM 1966 soll der Tur­nier-Neu­ling Nord­korea, damals so etwas wie der HSV der WM-Teil­nehmer, seine Spieler vor den Par­tien mit reich­lich Gin­seng gefüt­tert haben. Das Kraft­wurz brachte die Asiaten zum Laufen und die Gegner, unter anderem Ita­lien, zur Ver­zweif­lung. Kraft­wurz, hm. Hört sich schon gut und irgendwie nord­deutsch an. Doch Obacht! Die Spiel­ver­derber von der FIFA ver­boten den Korea­nern damals ihr Gin­seng, von wegen Doping und so Klein­kram. Gegen den nächsten Gegner Por­tugal hielt die nord­ko­rea­ni­sche Kon­di­tion dann nur 20 Minuten an, letzt­lich verlor man das Spiel. Immerhin: Bis dahin hatte Nord­korea schon drei Tore geschossen. So viele Buden hat der HSV in dieser Saison erst in einem Spiel geschossen: Bei der 3:4‑Niederlage am 4. Spieltag gegen den 1. FC Köln…

Emil, wer? Genau, der Tschaka“-Typ aus den neun­ziger Jahren! Den gibt es immer noch und inzwi­schen ist er viel­leicht auch für den HSV bezahlbar geworden. Ratel­bands 3×3 Prinzip“ ist die Moti­va­ti­ons­spritze, die man in Ham­burg seit dem Abschied von Uli Stein ver­misst: Erin­nere dich daran, dass du als Gewinner geboren wur­dest. Von den Aber­mil­lionen Samen­zellen hast du als ein­zige gegen eine über­mäch­tige Kon­kur­renz gewonnen! Gewinnen ist dir also buch­stäb­lich in die Wiege gelegt worden. Somit bringst du schon alles mit, was du für ein erfolg­rei­ches Leben benö­tigst. Also: Wenn nicht jetzt, wann dann?“ TSCHAKA, du schaffst es!

Da hat Trainer Thorsten Fink schon recht, wenn er seine Mann­schaft indi­rekt mit der momentan besten Ver­eins­mann­schaft der Welt ver­gleicht („Barca hat auch keine guten Lauf­wege“): Ver­ste­cken muss sich dieser HSV vor Bar­ce­lona nicht! Wir haben kurz nach­ge­rechnet und siehe da: In Ham­burg wie in Bar­ce­lona dürfen elf Spieler auf dem Platz stehen, dar­unter einer, der den Ball im abge­zäunten Bereich mit der Hand auf­nehmen darf. Selbst die Spiel­re­geln sind in Spa­nien die glei­chen wie in Deutsch­land. Wo also ist das Pro­blem? Auf geht´s, HSV!

Schon am nächsten Spieltag bietet sich die große Gele­gen­heit. Dann näm­lich gibt´s den Mega-Kel­ler­kick in Lau­tern“ (Mopo). HSV-Trainer Thorsten Fink sollte die Woche gut nutzen, um den kom­menden Gegner, immerhin Tabel­len­letzter, bei jeder sich bie­tenden Gele­gen­heit stark zu reden. Hat in der Ver­gan­gen­heit schon häu­figer geklappt. Und wenn nicht? War der Gegner eben viel zu stark, moti­viert, gut ein­ge­stellt, heiß, hungrig, abge­zockt, man hatte ja davor gewarnt. Das hilft dann viel­leicht nicht in der Tabelle, hält jedoch die läs­tige Kritik ein wenig auf Distanz. Das wie­derum könnte sich im Sai­son­end­spurt aus­zahlen. Ver­lieren mit Weit­sicht, wie der Experte sagt.

Klingt unmög­lich, könnte aber auch in dieser Saison als letztes Mittel zum Zweck ein­ge­setzt werden. Ist quasi die Pri­vat­in­sol­venz im Profi-Fuß­ball: Fällt ver­dammt schwer, kann aber man tat­säch­lich helfen. Und so geht es: Mehr Tore als der Gegner schießen (dafür das Spiel­gerät, den Ball, kräftig mit den Füßen treten und zwi­schen die beiden Stangen, die Pfosten, ins Netz schießen), dafür sorgen, dass dieser Zustand auch nach dem Schluss­pfiff gegeben ist (dafür wahl­weise die Gegen­spieler recht­zeitig umnieten, das Spiel­gerät, den Ball, kräftig und regel­mäßig mit den Füßen treten und über die Spiel­feld­mar­kie­rungen, die Linien, schießen, oder ein­fach den Schieds­richter bestechen) und anschlie­ßend mal wieder anständig feiern (siehe: jubeln) gehen. Macht Spaß, bringt drei Punkte (not­wendig, um in der Tabelle anständig da zu stehen) und sorgt für ein befrei­endes Gefühl, auch Opti­mismus“ genannt. Laut wiki­pedia der Glauben an ein gutes Ende“.

Nicht ganz so effektiv wie Punkt 5, auf Dauer aller­dings auch nicht zu ver­achten. Für Risiken und Neben­wir­kungen teilen sie die Erklä­rung von Punkt 5 ganz ein­fach durch zwei.

Hat im Fuß­ball schon immer geholfen. So auch in der Saison 2010/11, da durfte Thomas Hitzl­sperger, sei­ner­zeit ange­stellt beim Pre­mier-League-Verein West Ham United, erleben, wie Trainer Avram Grant mit seiner Truppe in höchster Abstiegsnot gleich dreimal von London nach Por­tugal jet­tete, um dort ein paar Tage voller Sonne, Strand und San­gria zu ge‑, bzw. begießen. Super Sache. Grants Schütz­linge ver­gaßen all ihre Sorgen, tankten neue Energie und gingen, voll­ge­pumpt mit fri­schem Opti­mismus, in die letzten Spiele. Der klit­ze­kleine Haken an der Sache: West Ham stieg am Ende der Saison ab.

Von Chris­tian Gross, der ehe­ma­ligen Fleisch­mütze aus Stutt­gart, gibt es eine prima Anek­dote aus guten alten Cham­pions-League-Quali-Zeiten mit den Gras­shopper Zürich: Um seine Jungs auf den Punkt zu moti­vieren, ließ Gross ganz ein­fach Mini-Cham­pions-League-Pokale aus Scho­ko­lade anfer­tigen. Aus­sage: So süß schmeckt die Cham­pions League. Ein Traum. Der damals aller­dings bald schon schmolz, Zürich flog schneller raus, als Gross Scho­ko­lade“ sagen konnte. Den­noch: Auch Fink könnte den Schoko-Trick benutzen. Bleibt nur noch die Frage, was er seinen Spie­lern bas­teln soll. Für den Klas­sen­er­halt gibt es noch immer keinen Pokal. Bitter, bzw. halb­bitter.

Gaaanz alter Trick aus den Tiefen der Bun­des­liga-Trainer-Schub­lade: Ordent­lich Knete in einen Umschlag packen, vor den Spielen an die Kabi­nentür nageln und die geld­geilen Kicker so richtig scharf machen. Haben schon Chris­toph Daum und Udo Lattek ange­wandt und wenn man Trai­nern Glauben schenken darf, dann doch diesen beiden Spe­zia­listen! Pro­blem nur: Das war vor circa 100 Jahren. Heute bekommt jeder HSV-Spieler so viel Monats­ge­halt, wie Uns Udo damals im Jahr. Fink braucht also drin­gend reiß­feste Umschläge.

Wenn die Punkte 1 bis 9 nicht fruchten wollen, gibt es eine aller­letzte Lösung. Sie lautet: Günter Koch! Der Alles­könner hat 11FREUNDE ver­raten, wie er einer abstiegs­be­drohten Mann­schaft mal so richtig in den Hin­tern treten würde. Natür­lich frei von irgend­wel­chen Stamm­tisch-Phrasen. Aber hört selbst: