Warum Zidane zu Real Madrid zurückkehrt

Warum kommt Zidane zurück?

Doch Ronaldo war nur das herausstechendste Symptom dafür, wie Zidane die Mannschaft verändert hatte, jeder Spieler bekam seine eigene Position, jeder hatte eine Aufgabe, mit dem er das Team besser machte: Marcelo und Carvajal übernahmen die Aufgaben der wegfallenden Flügelstürmer, Luka Modric und Toni Kroos sorgten dafür, dass Real ein bisweilen Barcelona-ähnliches Kurzpassspiel im Spielaufbau aufzog und Casemiro hielt den ganzen Laden zusammen. So entwickelte Zidane Real Madrid von einer Kontermaschine zu einer Mannschaft, die für jeden Gegner ein Rezept hatte. So kreierte Zidane das Monster, das drei Jahre lang den europäischen Spitzenfußball terrorisierte.

Die Gründe, warum Real Madrid Zidane zurück haben wollte, sind offensichtlich. Doch warum geht der Trainer diesen Schritt zurück? Eigentlich kann seine zweite Amtszeit nur enttäuschen. Die Spieler, die in den zweieinhalb Jahren auf dem Zenit ihrer Leistung waren sind nun darüber hinaus, wirken satt, die Egos von Stars wie Kroos oder Sergio Ramos sind auf Ronaldo-Größe angewachsen. Dennoch sagt Zidane: »Das erste woran ich gedacht habe, als ich gesehen habe, dass Florentino mich anruft war zurückzukommen.«

Der Rücktritt im vergangenen Mai erweist sich als genialer Schachzug des Franzosen. Die Erwartungen an die Mannschaft waren zu groß, der Präsident sperrte sich gegen den Umbruch. Auch Zidane wäre wohl ohne Titel geblieben und hätte so die magische Aura, die ihn umgibt, verloren. Genauso wie den Rückhalt von Presse, Fans und Kabine, den man nirgendwo schneller verliert als bei Real.

Alles gleich und doch alles anders

Real Madrid 2019 ist ein vollkommen anderes Projekt, als das, was Zidane verlassen hat. Damals galt es, die erfolgreichste Mannschaft in der fußballerischen Neuzeit weiterhin gewinnen zu lassen. Jetzt muss er einen gefallen Riesen wieder aufbauen. Ein Titel in der nächsten Saison, sofern es nicht die Copa del Rey ist, wird als erfolgreiche Saison gelten. Auch sein Status ist nun ein komplett anderer. Er ist nicht mehr der unbekannte Trainer, er ist laut seinem Chef der beste Trainer auf der Welt und dementsprechend hat sich nicht nur sein gehalt verdoppelt, sonder auch das Machtverhältnis hat sich verschoben. Pérez hat selbst erfahren, was sonst nur seine Trainer spüren: Wie schnell man in Madrid vom gefeierten Helden zum Buh-Mann wird. Ein Gefühl, das Pérez nicht kennt, das er nicht erträgt. Deshalb wird Zidane quasi einen Blankoscheck für den nächsten Sommer bekommen. Er darf das Team nach seinen Wünschen umbauen, er ist der neue starke Mann bei Real Madrid. Selbst wenn Zidane scheitern würde, sein Mythos würde dadurch nicht zerstört werden. Zu groß ist das, was er als Trainer und auch als Spieler für den Verein geleistet hat.

Als Zinédine Zidane drei Jahre, zwei Monate und acht Tage später den Rasen des Estadio Alfredo Di Stéfano betritt, glänz seine Glatze in der Sonne, seine Hände stecken tief in der Tasche seiner Jogginghose. So viel sich auch gleicht, alles ist anders. Niemand jubelt, niemand kreischt, kein Winken, kein schüchternes Lächeln. Das erste Training findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auf den Rasen tritt kein Trainerneuling, sondern eine Trainerlegende. Zidane ist gekommen, um Titel zu gewinnen.