Warum Zidane plötzlich um seinen Job bangen muss

Die Mou-Probe

Erst zwei Siege in der Liga, ein 0:3 gegen Paris, kein Spiel ohne Gegentor. Real Madrid steckt in der Krise und Zinedine Zidane muss um seinen Job bangen. Die Rufe nach einem alten Bekannten werden immer lauter.

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Wieder einmal spukt der Name José Mourinho durch die spanische Hauptstadt. Der Geist des ehemaligen Trainers von Real Madrid wabert seit 2013 immer dann durch die Gassen, wenn ein Trainer der Königlichen den Anschluss zum FC Barcelona in der Liga verliert, aus der Champions League ausscheidet, oder einfach zwei-drei Spiele in Folge nicht gewinnen kann. Carlo Ancelotti wurde von ihm heimgesucht, Rafael Benítez, Julen Lopetegui und Santiago Solari. Es gab nur einen, der diesen Geist vertreiben konnte: Zinédine Zidane. Alles, was er dazu brauchte, waren drei gewonnenen Champions-League-Titel in Folge. Doch bei Real neigt man sehr zum Kurzzeitgedächtnis und deshalb hat es nun auch ihn erwischt. Der ehemals über alles Erhabene ist plötzlich angreifbar geworden.

Vier Spieltage ist die Saison alt und doch steckt Real Madrid schon in einer dicken Krise. Zwar hat der Rekordmeister kein einziges Ligaspiel verloren, steht in der Tabelle vor dem FC Barcelona und liegt lediglich zwei Punkte hinter dem Spitzenreiter aus Sevilla, doch die Stimmung in Madrid könnte schlechter kaum sein. Spätestens nach der - für Madrider Verhältnisse - blamablen 0:3-Niederlage bei Paris Saint-Germain, das ohne Neymar, Edinson Cavani und Kylian Mbappe auflief, kocht es bei Real.

Schlimmer als die Höhe der Niederlage, war die Art, wie sie zustande kam. Die Mannschaft von Thomas Tuchel war übermächtig. Reals Spieler kamen kaum in einen Zweikampf. Wilde Pässe nach vorne, kaum Abstimmung in der Rückwärtsbewegung. Toni Kroos wurde nur durch den Schiedsrichter vor peinlichen Ballverlusten wenige Meter vor dem eigenen Strafraum bewahrt, Star-Einkauf Eden Hazard fand so gut wie gar nicht statt. Am Ende stand für Madrid kein einziger Schuss auf das Tor in der Statistik - zum ersten Mal seit über 500 Spielen. Drakonische Strafen wurden in der Presse für die »Versager« gefordert, Extraschichten, Krisensitzungen. Und was macht Zidane? Gibt allen, die in Paris auf dem Platz standen, den Donnerstag frei. Florentino Pérez soll laut Medienberichten wenig Verständnis für diese Maßnahme gehabt haben. Die Stimmen, die eine Trainerentlassung fordern, werden indes lauter.

Leere Versprechungen

Es ist nicht allzu lange her, dass Zidane wie auf Knien angefleht wurde, zu Real Madrid zurückzukehren. Unter Lopetegui lief es - wie es nach drei Champions League Titeln in Serie und dem Abgang von Cristiano Ronaldo wohl zu erwarten war - nicht allzu rund. Interimstrainer Solari machte einen guten Job, doch ein Achtelfinalaus in der Champions League gegen Ajax Amsterdam überlebt in Madrid kein Coach. Es gab nur einen, der den Verein nach ganzen acht Monaten ohne Titel wieder zu alter Größe führen konnte.

Also bat Real Zidane alles an, was der wollte, machte ihm Versprechungen - von Wunschspielern, hinzu mehr Macht, das wohl größte Zugeständnis, das Pérez, der Sonnenkönig von Real, einem Trainer geben kann. Das war im März. In der Transferperiode zeigte sich dann, wie ernst es Pérez tatsächlich mit seinen Zugeständnissen war. Schon während der vergangenen Saison wurde klar, dass Trainer und Präsident nicht unbedingt die gleichen Vorstellungen wie schnell der anstehende Umbruch von statten zu gehen hatte. Zidane setzt auf Loyalität, auf Spieler, auf die er sich verlassen kann. Doch die werden nicht jünger und Pérez drängt auf ein neues Madrid.