Warum wurde Beiersdorfer beim HSV entlassen?

Nicht mal drittligareif

Eigentlich sollte diese Saison alles so schön werden. Beiersdorfer hatte nach drei Spielzeiten mit zwei Beinahe-Abstiegen Besserung versprochen und neue Spieler für viel Geld verpflichtet. Douglas Santos etwa, den Olympiasieger aus Brasilien. Alen Halilovic, das Juwel aus Barcelona. Filip Kostic, den 15-Millionen-Einkauf vom VfB Stuttgart. Ein einstelliger Tabellenplatz sollte her. Und vielleicht würde auch was in Richtung Europa gehen. Dachte sich jedenfalls HSV-Geldesel Kühne und sagte das auch gleich mal der »Bild«-Zeitung. Allein von der Meisterschaft sprach noch niemand am Volkspark. Man ist ja nicht übermütig.
 
Es kam alles ganz anders. Die erschreckende Bilanz nach zwölf Spielen lautete: acht Niederlagen, null Siege, 27 Gegentore, Platz 18. Der HSV, so hörte man auf den Rängen, sei nicht mal drittligareif, und vermutlich sei es eh besser, wenn man endlich den Spielbetrieb einstellen würde.

»Didi-Deals machen Kühne glücklich«
 
Die Wut richtete sich gegen die Mannschaft, aber vor allem gegen denjenigen, der sie zusammengestellt hatte: Dietmar Beiersdorfer. Zumal bekannt wurde, dass bei einigen Transfers die Meinung des Trainer kaum Gewicht hatte. So soll Bruno Labbadia das vermeintliche Supertalent Halilovic gar nicht gewollt haben. Dafür waren Beiersdorfer und Kühne ganz heiß auf den Jungen. Ende Juli, kurz nachdem der Transfer in trockenen Tüchern war, titelte die »Bild«: »Die Didi-Deals machen Kühne glücklich«. Und es klang so, als sei es mittlerweile das Wichtigste, den 79-jährigen Logistik-Milliardär zufriedenzustellen.
 
Beiersdorfer indes verstand den Wirbel um den Klub nie so recht und die Kritik an seiner Person noch weniger. Nach dem zwölften Spieltag, nach acht Spielen ohne Sieg, sagte er in einem Interview mit der dpa: »Bei uns herrscht kein Chaos, auch wenn das einige Personen behaupten.« Dann ergänzte er: »Ich lasse meine Arbeit nicht auf vier Punkte im bisherigen Bundesliga-Verlauf reduzieren.« Später erklärte er noch, dass der HSV keinen Sportchef suche. Selbst als langjähriger Betrachter und Experte der Volkspark-Soap-Opera wusste man nun nicht mehr, ob man lachen oder weinen sollte.
 
Man konnte Beiersdorfers Interview als Flucht nach vorne verstehen. Als Kampfansage. Das Problem war nur: Sie ging nach hinten los. Denn auch wenn man ihn nicht auf diese Saison reduziert, sondern einen Blick auf seine Gesamtbilanz wirft, fällt das Fazit ebenso negativ aus. Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2014 verschliss Beiersdorfer drei Trainer und zwei Sportdirektoren. Das Transferminus liegt bei über 50 Millionen Euro.

Erste Amtszeit: 20 Millionen Euro Transferminus
 
Dabei war die Hoffnung sehr groß, als Beiersdorfer im Sommer 2014 zum HSV zurückkehrte. Er sollte den darbenden Riesen in eine neue goldene Ära führen. Oder zumindest wieder erfolgreich machen. So wie damals, zwischen 2002 und 2009, als er hier bereits als Sportdirektor fungiert hatte.
 
Aber stimmt das überhaupt?
 
Fakt ist: In den sieben Beiersdorfer-Jahren zwischen 2002 und 2009 belegte der HSV konstant einen einstelligen Platz. Viermal qualifizierte sich die Mannschaft für die Europa League, einmal sogar für die Champions League. In dieser Zeit erlangte Beiersdorfer den Ruf, Topspieler günstig zu kaufen und teuer zu verkaufen. Wegen Transfers von Rafael van der Vaart, Nigel de Jong, Daniel van Buyten oder Ivica Olić nannten sie ihn Dukaten-Didi.

Bloß: Beiersdorfer verpflichtete auch viele Spieler, die ihren Zenit längst überschritten hatten oder schlichtweg außer Form waren wie etwa Emile Mpenza, Benjamin Lauth, Ailton, Boubacar Sanogo oder Danijel Ljuboja. Am Ende stand ein Transferminus von über 20 Millionen Euro.