Warum viele Plätze beim Europa-League-Finale leerbleiben werden

Warum niemand nach Baku will

Schon im Vorfeld hatte es rege Kritik am Austragungsort gegeben. Nicht nur, dass das Spiel am äußersten östlichen Rand Eurasiens stattfindet. Auch der Anstoß um 23 Uhr Ortszeit ist grenzwertig. Schon vorab soll der Uefa bewusst gewesen sein, dass Flughafen und Infrastruktur in Baku nicht auf das Massenevent mit tausenden westeuropäischen Fußballtouristen vorbereitet gewesen sei. Die Folge: Flüge von London nach Baku, die entweder bis zu 27 Stunden dauern, oder etwa 1.000 Euro kosten.

Leere Ränge in Baku?

Probleme, die der Uefa nun teuer zu stehen kommen könnten. Zwar hatte der Verband nur jeweils 6.000 Tickets an die beiden Londoner Vereine vergeben - der Rest verteilt sich auf übrige Zuschauer und vor allem Sponsoren -, doch beide Klubs geben nun je zwischen 2.000 und 3.000 Tickets zurück. Es finden sich laut Informationen der »The Times« schlichtweg keine Abnehmer.

Und auch erste Firmen, die für ihre Mitarbeiter mit Eintrittskarten bedacht wurden, geben ihre Karten nun freiwillig zurück. Bei der weiten Anreise bzw. den hohen Kosten sei niemand an dem Trip nach Aserbaidschan interessiert. Weitere 2.000 Karten dürften in der Verbandszentrale in Nyon zurücktrudeln. Bliebe es dabei, wären etwa 15 Prozent aller Sitzplätze am Mittwochabend frei.

Kritik nicht erlaubt

Für die Uefa vielleicht gar kein Problem. Schließlich warnten die Organisatoren vorab, dass verbandskritische Banner am Einlass beschlagnahmt werden und auch keine kritischen Gesänge akzeptiert würden. Eine Gefahr, die von aserbaidschanischen Kindern nicht ausgehen dürfte. Und schließlich gibt es in Gandscha, der zweitgrößten Stadt des Landes, ein weiteres SOS-Kinderdorf. Abnehmer für die ungenutzten Tickets gibt es also. Und gesammelt wurde schon.