Seite 4: „Die kommen sich vor wie die Weiße Rose“

Klingt nicht nach der ganz großen Ham­burger Riva­lität.
Fried­richs: Sagen wir so, meine Freundin ist St.-Pauli-Fan und mein Band­kol­lege Gun­ther ebenso. St. Pauli wird nie mein Lieb­lings­verein werden, und ich fand den Klub auch immer ein biss­chen panne, aber dass ich einen rich­tigen Hass hätte, kann ich nicht sagen.
Uhl­mann: Was genau fin­dest du an St. Pauli panne?
Fried­richs: Dieses Sen­dungs­be­wusst­sein. Manchmal habe ich den Ein­druck, die kommen sich vor wie die Weiße Rose. Und dann dieses Frei­beuter-Getue! Ande­rer­seits haben sie das natür­lich image­mäßig sehr clever gemacht: sich als Rebellen zu insze­nieren, obwohl sie nur die Mei­nung von 70 Pro­zent der Ham­burger Bevöl­ke­rung wie­der­käuen.
Uhl­mann: Aber das alles ist doch aus sich selbst heraus ent­standen! Wenn wir bei den späten Acht­zi­gern anfangen, ist St. Pauli seitdem gewachsen wie die Grünen, mit allen Vor- und Nach­teilen. Aber ich finde auch, dass diese Geschichte langsam zu Ende erzählt ist.

Womit du auf der Linie von Trainer Jos Luhukay liegst, der gefor­dert hat, die Klub­men­ta­lität in den Müll­eimer zu werfen.
Uhl­mann: Das Drum­herum wird bei diesem Verein immer wichtig sein, und das finde ich auch gut.(Pause.) Aber ich hätte echt gerne mal wieder sport­li­chen Erfolg, das muss ich schon sagen.

Das wird den HSV-Fans ähn­lich gehen. Carsten, was lässt dich glauben, dass der HSV diesmal den Auf­stieg packt?
Fried­richs: Ich habe Hoff­nung, aber keinen Glauben. Dafür bin ich schon zu lange Fuß­ballfan. Lange habe ich zum Bei­spiel daran geglaubt, dass neue Spieler beim HSV an ihre vorigen Leis­tungen anknüpfen werden. Wenn ich Bobby Wood bei Union Berlin gesehen habe, hat der immer geknipst. Und dann kommt der zum HSV und hat … naja. Viel­leicht ist die Bürde dieses Tri­kots zu schwer.
Uhl­mann: Das kenne ich genauso vom FC St. Pauli. Am Anfang kriegen die Neu­zu­gänge gleich immer zu hören: Du spielst hier nicht bei einem nor­malen Verein, du spielst für St. Pauli.“ Und schon geht es mit ihnen bergab.

Und so feiert sich Berlin mit seinen zwei Erst­li­gisten als neue Fuß­ball­haupt­stadt, wäh­rend Ham­burg abge­hängt ist.
Fried­richs: Das halte ich eher für Zufall. Wenn wir 70 sind und mit dem Kopf wackeln, wird viel­leicht wieder Ham­burg ganz vorn sein mit dem HSV und St. Pauli. Viel­leicht gibt es dann ja auch Red Bull Ham­burg. Oder irgendein ver­rückter Scheich kauft Vik­toria.