Spitz­namen sind die Orden der Fuß­baller. Jeder große Spieler hat einen. Lew Jaschin war der Pan­ther“, Franz Becken­bauer war der Kaiser“, Michael Schulz war Schulz­dusau“. Die Besten aber haben nicht nur einen Spitz­namen, son­dern eine ganze Alias-Parade. Diego Mara­dona hieß El Pibe de Oro“, D10S“, El Pelusa“, El Cebol­lita“ und so weiter. Und auch der Gha­naer Ben­jamin Shamo Quaye konnte stolz drei Namen an seinen Tri­kot­kragen heften. Die Fans nannten ihn Shamo Wonder“, weil er unfass­bare Dinge auf dem Platz voll­brachte. Sie nannten ihn Bebeto“, weil sie eine Ähn­lich­keit mit dem bra­si­lia­ni­schen Stürmer erkannten. Und sie nannten ihn Shamo Lea­ther“, weil seine Füße eins wurden mit dem Ball, als seien sie auch aus Leder.

Shamo Quaye, da sind sich die meisten Gha­naer einig, war einer der besten Fuß­baller in der Geschichte des afri­ka­ni­schen Fuß­balls. Obwohl er nie in einer euro­päi­schen Top­liga spielte, nennen ihn einige in einem Atemzug mit anderen gha­nai­schen Legenden seiner Genera­tion: Anthony Yeboah, Sammy Kuf­four, Charles Akonnor, Anthony Baffoe. Da passt er nicht ganz rein“, findet Otto Addo zwar, aber es stimmt: In Ghana war er groß, jedes Kind kannte ihn. Er war schnell und tor­ge­fähr­lich, spielte trick­reich, das mochten die Leute.“ Viel­leicht hätte er auch inter­na­tional eine grö­ßere Kar­riere haben können, aber er starb mit 26 Jahren. Sein Tod gilt bis heute als großes Rätsel, es gibt unzäh­lige Ver­sionen zu seinem Ableben, Mär­chen, Ver­schwö­rungen. He was a mys­tery man!“, schrieb der Jour­na­list Akwasi Akyereko von Ghana Sports“ in einem Nachruf.

Quaye schwebte und tanzte über den Platz. Er war ein offen­siver Mit­tel­feld­spieler, ein Magier, er zau­berte hinter den Spitzen. Manchmal, wenn er wieder einen Tor­hüter oder einen Ver­tei­diger düpiert hatte, spot­teten die geg­ne­ri­schen Fans über seine angeb­lich feh­lende Intel­li­genz. Ich träume von einem großen ita­lie­ni­schen Klub wie Bar­ce­lona“, soll er einst gesagt haben.

Quaye stammte aus Tema, der wich­tigsten Hafen­stadt Ghanas. Bekannte und Freunde erzählten, dass er neben dem Fuß­ball das Meer liebte. Sein Vater war Fischer, er fuhr so oft mit dem mit dem Boot raus, dass er die Schule vergaß“, sagte sein ehe­ma­liger Jugend­trainer Emma­nuel Tetteh. In einem Sommer, als die Fisch­saison beson­ders gut war, ver­ließ er die Schule für immer. 

Er schaute immer, als würde er in Zukunft bli­cken oder nach etwas aus der Ver­gan­gen­heit suchen.“

Bald darauf wurden Fuß­ball­ver­eine auf ihn auf­merksam, erst kleine lokale Teams, dann grö­ßere, einer hieß Soccer Angels und spielte in der Dritten Liga. Immer wenn er auf­lief, wurde er Man of the Match“, sagte Jugend­trainer Tetteh. Es war allen klar, dass er bald in der Ersten Liga spielen würde.“

Damals, Ende der Acht­ziger, war Asante Kotoko aus der Stadt Kumasi das Maß aller Dinge im gha­nai­schen Fuß­ball. Dreimal in Folge hatte der Klub die Meis­ter­schaft gewonnen. Der Rivale aus Accra, Hearts of Oak, steckten in einer sport­li­chen Krise. Bis der dama­lige Sport­chef Nyaho Tamakloe einen radi­kalen Schnitt wagte: 1986 ersetzte er den über­al­terten Kader fast kom­plett durch Nach­wuchs­spieler. Es war die Hearts-Genera­tion, die als Musical Youth“ Geschichte schreiben sollte. Einer der Jungen war der 15-jäh­rige Shamo Quaye, der das Team ein paar Jahre später, in der Saison 1989/90, mit 13 Toren zur Meis­ter­schaft schoss.

Es gibt nur wenige Videos von damals, auf einigen sieht man Quayes Leich­tig­keit auf dem Platz, ele­gante Kör­per­täu­schungen, alles scheint mühelos. Auf den wenigen Fotos sieht er oft nach­denk­lich aus. Er war immer anders als die anderen“, schrieb Akyereko, der Jour­na­list von Ghana Sports. Als würde er in die Zukunft bli­cken oder nach etwas aus der Ver­gan­gen­heit suchen.“

„Ich bin nicht wegen des Biers in Köln!“ Steffen Baumgart im Interview

Mit rus­ti­kalem Charme und einer atem­be­rau­benden Offen­siv­taktik befreit Steffen Baum­gart den 1. FC Köln aus seiner ewigen Lethargie. Und auch für den Trainer endet in der Dom­stadt eine lang­jäh­rige Durst­strecke.

Die meisten Weg­ge­fährten sagten, abseits des Platzes sei er still und bescheiden gewesen, sie lobten seine sozialen Fähig­keiten. Ali Adjetey, Spitz­name Ozi-Oz“, war in den Neun­zi­gern Mas­seur der Hearts. Er sagte: Shamo war berühmt, aber er hob nie ab. Er küm­merte sich um uns alle.“ Sein ehe­ma­liger Mit­spieler Muheeb Saeed sagte: Die besten Spieler schießen Tore, aber Shamo schoss Tore, die nie­mand ver­stehen konnte. Wunder.“

Gegen Asante machte er ein Tor per Fall­rück­zieher, der geschla­gene Tor­hüter Mohammed Odoom sagte: Shamo ist ein Zau­berer!” Gegen den Great Olym­pics FC traf er mal vom Mit­tel­kreis, das ganze Sta­dion applau­dierte, auch die geg­ne­ri­schen Fans. Ein paar Wochen später traf er gegen ein anderes Team erneut vom Mit­tel­kreis. Da war den meisten klar: Ja, es ist wirk­lich ein Wunder.