Warum Spaniens Ligaverband den CF Reus rausschmiss

Politischer Auftragsmord?

Der CF Reus wurde aus Spaniens Profi-Fußball ausgeschlossen, weil er Spielern monatelang Gehälter schuldig blieb – oder doch, weil er aus Katalonien stammt?

Laia Solanellas

Zuletzt ging alles ganz schnell: Wenige Stunden, nachdem ein Schiedsgericht den Ausschluss des katalanischen Zweitligisten CF Reus Deportiu vom nationalen Profi-Fußball bestätigt hatte, war der Klub von der Website der 2. spanischen Liga (»Segunda División«) verschwunden. Der Spielerkader, die Statistik aus der laufenden Saison, die Infos zur Vereinshistorie, Angaben zum Stadion – alles gelöscht. Ausradiert! Als wäre der CF Reus nie dagewesen. Und vor allem: Als wolle man ihn niemals wiedersehen. Die »Schwarz-Roten« stehen vorzeitig als Absteiger in die Drittklassigkeit (»Segunda División B«) fest. Und nicht nur das: In den kommenden drei Jahren dürfen sie nicht mehr in der 1. oder 2. Liga antreten. Obendrein muss der klamme Klub auch noch eine Geldstrafe in Höhe von 250.000 Euro leisten.

Gewiss: Der CF Reus hatte mehrmonatige Rückstände bei den Gehaltszahlungen an seine Spieler angehäuft. Dies sei nun mal ein Verstoß gegen die Liga-Statuten, der im Falle Reus zudem »besonders schwerwiegend« ausgefallen sei, so das Schiedsgericht in seiner Urteilsbegründung. Außerdem hätten sich derartige Versäumnisse beim Traditionsverein aus der 100.000-Einwohner-Stadt »wiederholt« ereignet. Und eigentlich sei ein entschlossenes Vorgehen gegen finanzielle Misswirtschaft im Fußball ja auch durchaus zu begrüßen, betonte nicht nur die nationale Spielergewerkschaft AFE.

Ein sportpolitischer Auftragsmord?

Nur: Der CF Reus ist bei weitem nicht der einzige Klub im maroden spanischen Profi-Business, der in jüngerer Vergangenheit mit Zahlungsschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Allein Mitte 2015 mussten 210 Berufs-Fußballer aus 25 Vereinen der ersten beiden Ligen die Gewerkschaft zur Hilfe rufen, um ausstehende Gehälter aus der Vor-Saison einzufordern. Die gesammelten Zahlungsrückstände beliefen sich damals auf knapp 20 Millionen Euro.

Auch Real Murcia (2014) und der FC Elche (2015) wurden in jüngerer Vergangenheit zu Zwangsabstiegen verknackt, allerdings nicht mitten in der Saison. Dieses extrem harte Schicksal wurde bislang erst drei Zweitligisten zuteil. Zwei davon, der CF Reus und der Catalunya FC (1931/32), stammten aus Katalonien; der dritte, CD Logrono (1934/35), aus der autonomen Region La Rioja, unweit des Baskenlandes. Was nicht nur in Reus automatisch Fragen aufwirft. Zum Beispiel jene, die ein Fan bei Twitter äußerte: »Hätte man auch so hart durchgegriffen, wenn ein Klub aus Madrid betroffen wäre?«

Die Antwort lieferte er gleich mit: »Niemals! Sie wollen Katalonien bestrafen.« In der Tat gibt es Indizien, die den Verdacht einer regionalen Benachteiligung nähren: So hatte der spanische Ligaverband den CF Reus in jüngerer Zeit wiederholt zur Mäßigung in politischen Angelegenheiten aufgerufen. Schließlich unterstützt die Klubführung die aktuellen Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens von Beginn an offen und laut. Die Reus-Fans hüllten regelmäßig ihre komplette Haupttribüne in eine riesige katalanische Fahne und skandierten während der Spiele immer wieder »Independencia, Independencia!« Ist das harte Vorgehen gegen den CF Reus am Ende also ein (sport-)politischer Auftragsmord?