Warum Nürnberg wirklich 0:7 verlor

Kein gewöhnlicher Aufsteiger

Der 1. FC Nürnberg spielt ungewöhnlichen Fußball für einen Aufsteiger. Gegen Borussia Dortmund ging Michael Köllners Plan richtig schief.

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Wenn Michael Köllners Zweifler noch einen Beweis gebraucht hatten, erlebten sie ihn am Mittwochabend im Dortmunder Westfalenstadion. 0:7 gegen Borussia Dortmund - ein Ergebnis, das auch in dieser Höhe verdient war.

Köllner hatte schon vor dieser Schlappe bei nicht allen Fans einen leichten Stand. Seine Personalpolitik, seine ständigen Systemwechsel, ja das System an sich: Köllner bietet Angriffsfläche. Sein Spielstil könnte kaum weiter entfernt sein vom typischen Kampffußball, den man von einem Aufsteiger erwarten würde. Wie funktioniert Köllners System? Und wieso ging es gegen Borussia Dortmund so gnadenlos schief? Fünf Erläuterungen.

1. Nürnberg möchte es spielerisch lösen
Vor einigen Wochen adelte Werder-Trainer Florian Kohfeldt den 1. FC Nürnberg. Die Nürnberger seien kein gewöhnlicher Aufsteiger. »Sie kommen über den spielerischen Aspekt und versuchen, Kombinationsfußball zu spielen.« 

Tatsächlich sind die Nürnberger keine Mannschaft, die beim ersten Anzeichen eines gegnerischen Pressings den Ball nach vorne bolzt. Der Club ist im Herzen kein Konterteam. Im Zweifel brechen sie vielversprechende Angriffe ab, um aus der Abwehr neu aufzubauen. In drei ihrer fünf Saisonspiele hatten sie mehr Ballbesitz als der Gegner. 

2. Die Innenverteidiger sind die heimlichen Spielmacher
Wer sich für die Liste der Bundesliga-Spieler mit den meisten Pässen interessiert, würde dort in erster Linie Bayern- und Dortmund-Spieler vermuten. Sicher rechnen die wenigsten damit, Spieler eines Aufsteigers zu finden. Doch Nürnbergs Innenverteidiger Georg Margreitter (Platz 8) und Lukas Mühl (Platz 12) haben es auf die Liste geschafft.

In der Tat sind sie Fixpunkt des Nürnberger Aufbauspiels. Die Verteidiger sollen das Spiel möglichst mit flachen Pässen ins Mittelfeld eröffnen. Von dort soll der Weg über die Flügel nach vorne gesucht werden. Auch mangels Zielspieler im vorderen Drittel setzen die Nürnberger auf die flache Eröffnung – nicht allzu typisch für einen Aufsteiger.

3. Wenig Druck im Spiel gegen den Ball
Ein Aufsteiger muss kämpfen und sich in jeden Zweikampf werfen? Nicht so Nürnberg. Kaum ein Team verteidigt innerhalb der Bundesliga passiver als die Franken. Passiv bedeutet hierbei nicht, dass sich die Nürnberger in der eigenen Hälfte verbarrikadieren. Nürnbergs Abwehr rückt situativ weit vor. Sie fokussieren dabei aber eher das Schließen der Passwege, nur selten üben die Mittelfeldspieler oder Angreifer aktiv Druck auf den Ballführenden aus. Der Gegner soll gestellt, nicht attackiert werden. Sichern statt Jagen.

Diese Spielweise kann in der Bundesliga Erfolg versprechen. Viele Teams tun sich schwer damit, einen gut verschiebenden Gegner zu knacken. Die Dortmunder allerdings gehören kaum dazu. Sie blühen auf, wenn ihre Spieler aufdrehen und ins Eins-gegen-Eins gehen können. So vor allem Christian Pulisic, der den frühen Führungstreffer vorbereitete. Vor dem 2:0 spielte Dortmund fünfzehn Pässe, ehe Nürnberg tief in der eigenen Hälfte zum ersten Mal den ballführenden Spieler anging. Die Dortmunder konnten sich ohne Druck den Gegner zurechtlegen.