Warum Nils Petersen im Pokal über seinen Vater stolpern könnte

Nils interessierte nicht das Spiel, sondern die Stadionwurst

Gut war Nils auch auf dem Platz - nur etwas dick war er. Er erinnert sich im BZ-Interview so: »Einmal, ich war vier Jahre alt, nahm Papa mich mit zu einem Spiel nach Nordhausen. Plötzlich war ich verschwunden, ausgebüxt. Man fand mich am Grillstand wieder. Das Spiel interessierte mich null, die Stadionbratwurst umso mehr«.

Doch er nahm ab - und wurde besser am Ball. Schon damals lief er als Stürmer auf, sein Vater nannte ihn einen Fummler. Er spielte für den FC Einheit Wernigerode, in der C-Jugend wechselte er zu Germania Halberstadt. Wenn es nicht lief, rief er seinen Vater an und sagte ihm, er wolle wieder für Wernigerode spielen. Der Vater munterte ihn auf. Mit Erfolg.

Petersen legte eine Musterkarriere hin. Er wechselte zu Carl-Zeiss-Jena, später zu Cottbus, wurde Torschützenkönig der zweiten Liga, ging zu Bayern München, dort spielte aber schon Mario Gomez. Vor der Saison kam Gomez einmal zu Petersen und sagte: »Nils, du bist ein geiler Fußballer und ein toller Mensch. Aber eins ist klar: Ich will 90 Minuten lang auf dem Platz stehen. An mir kommt keiner vorbei.«

Die Anekdote erzählt der Vater. Er will damit sagen: »Nils ist der Traum jeden Trainers. Er motzt nie. Aber er hat keine Ellbogen - das ist seine Schwäche.« Statt sich bei den Bayern durchzusetzen, wechselt Nils nach Bremen und schießt 11 Saisontore. Als er in Bremen nicht mehr gesetzt ist, wechselt er halt nach Freiburg - und bleibt dort, auch als Freiburg absteigt. Die Fans lieben ihn dafür.

Geheimwaffe Papa

Sein Vater sieht jedes Spiel von seinem Sohn. Muss er selbst zur gleich Zeit coachen, nimmt er es auf und schaut es später. Danach ruft er seinen Sohn an. Er sei immer »offen und kritisch«, sagt Andreas. Hat Nils gut gespielt, ein Tor gemacht, dann freut er sich auf diese Anrufe. »Hast du das gesehen, Papa?«, fragt er dann. Wenn er schlecht war, wartet er mit dem Rückruf auch mal bis spät abends. Er sagt dann: »Ich weiß schon, das war nichts.«

Über all die Jahre hat er so seinen Sohn fußballerisch analysiert, kennt jede Bewegung, ahnt jeden Schritt voraus. Vor einem Zweitligaspiel rief er seinen Sohn einst an und prophezeite ihm einen Hattrick. Nils gehorchte.

Spielen sie jetzt gegeneinander, ist sein Vater der wahrscheinlich bestvorbereitetste Scout aller Zeiten. Und er weiß: Nach den Abgängen von Grifo und Philipp ist Petersen Freiburgs wichtigster Spieler. Seine Tore entscheiden über Wohl und Wehe des Vereins. Will er mit Halberstadt die Sensation bewerkstelligen, muss er seinen Sohn ausschalten. Telefonieren sie vor dem Spiel?

»Ja. Aber Wir sind beide so professionell, dass keiner Dinge von seiner Mannschaft ausplaudert, zum Beispiel über das System«, sagt Nils.

Nach dem Spiel aber, da werden sie reden.