Warum N’Golo Kante plötzlich spricht

»Mein Vertrauen wurde missbraucht«

Doch einer der sympathischsten Spieler der letzten Jahre lässt wenige Tage nach seinem Statement erahnen, dass sein direktes Umfeld wohl tatsächlich von Personen unterwandert worden ist, die primär ihre eigenen Interessen vertraten. Der L'equipe gegenüber gibt Kante nun an: »Mein Vertrauen wurde missbraucht«. Im breiten Lächeln des Franzosen, seiner Nettigkeit und dem Drang, sich mit dem »Geschäft Fußball« nicht anfreunden zu wollen, scheinen sich auch Naivität und Leichtgläubigkeit verborgen zu haben. Doch während Kante über die berichteten Morddrohungen schweigt, bringt er nun einen anderen, dritten Berater zur Anklage. Der Vorwurf lautet: Betrug, Betrugsversuch, Vertrauensbruch und illegale Ausübung des Berufs des Sportagenten.

Denn neben Saadna und Douis fungierte offenbar noch ein dritter Berater im Auftrag Kantes - Nouari Khiari. »Er bot mir eine Zusammenarbeit hinsichtlich meiner Bildrechte an und sagte mir, dass ich das Leben meiner Liebsten schon mit einfachen Ratschlägen verbessern könnte.« Doch statt sinnvoller Ratschläge für die Vermarktung Kantes fasste Khiari Verträge ins Auge, die Kante nicht abschließen wollte. »Er machte mir einige Vorschläge, die überhaupt nicht zu mir und meinem Bild in der Öffentlichkeit passten. So schlug er mir vor, Verträge mit Sportwettenunternehmen einzugehen. Er wusste, dass ich diese Idee ablehnen würde, aber er wollte sein Geld für die Gespräche, die er führte«, so Kante gegenüber der L'equipe. In der Folge versuchte er die Zusammenarbeit zu beenden, doch weil er vertraglich an seinen Berater gebunden war, verweigerte sich Khiari einer Lösung. Stattdessen stellte er Kante Dienste in Rechnung, die es laut dem kleinen Franzosen nie gegeben hatte. Um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen, zahlte er 2017 schließlich 150.000 Euro an Khiari. »Aber er wollte mehr und als ich mich weigerte, verbreitete er diffamierende Dinge über mich und fing an, mich und mein Umfeld unter Druck zu setzen.«

»Mangel an Reflexion«

Kante, der Mann, der stets Abstand von den brutalen Mechanismen und Entwicklungen im Profi-Fußball gehalten hatte, der ob seiner Bodenständigkeit stets den Eindruck vermittelt hatte, nicht in die Fänge windiger Berater zu geraten, die ihm Gründungen von Offshore Konten ans Herz legen, ausgerechnet er scheint all diesen Leuten auf den Leim gegangen zu sein. »Mein Problem ist, dass ich mit Leuten konfrontiert werde, die die Menschen in meinem engen Umfeld überzeugt haben. Zwischen dem Mangel an Reflexion und dem Wunsch daran, das Leben meiner Liebsten zu verändern, habe ich vielleicht vergessen, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen«, merkt Kante an. Und ergänzt: »Ich wollte an die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit dieser Personen glauben, während sie nur an finanziellen Aspekten in der Zusammenarbeit mit mir interessiert waren.«

Eine Erkenntnis, die in Anbetracht der Ereignisse der letzten zwei Jahre offensichtlich ist, dem Franzosen vermutlich allerdings nicht leicht gefallen sein dürfte. Um den Defensivspieler hat sich in den letzten Jahren ein ganzes Sammelsurium von zwielichtigen Berater aufgetan, die in der einst geglaubten Stärke Kantes - seiner Gutmutigkeit - nützliche Arglosigkeit erkannten.