Warum Marc-Andre ter Stegen im Tor der Nationalmannschaft stehen sollte

Riesenschritte

Bundestrainer Joachim Löw erklärte schon vor zwei Monaten Manuel Neuer zum Torwart bei der EM 2020. Dabei zeigt gerade ein anderer, warum er dann im Tor stehen sollte.

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Ein weitverbreiteter Irrglaube im Fußball ist die Annahme, dass der Torwart im Fünfmeterraum besonderen Schutz genieße. Diese Regel, die tatsächlich nur im deutschen Fußball als Ausnahme existierte, wurde vom DFB schon zur Saison 2012/13 an die internationalen Gewohnheiten angepasst. Seitdem ist kein Torwart unantastbar.

Barcelonas Nummer 1

Zweifelhaft, dass Marc-André ter Stegen genau daran dachte, als er im Frühjahr 2015 seinen Wechsel zum FC Barcelona erklärte: »Es ging darum, die eigene Komfortzone zu verlassen.« Dort, im Camp Nou, ist er die unangefochtene Nummer Eins. Und bewies gestern Abend gegen Real Madrid, warum die spanischen Medien nun von »einem Giganten« sprechen.

Dabei war die Situation, die er anfangs in Barcelona vorfand, alles andere als komfortabel. Weil der Klub, der laut eigenem Motto mehr als das ist, kurz nach der Verpflichtung von Marc-André ter Stegen einen zweiten Torwart holte. Und weshalb Claudio Bravo vorerst in der Liga spielte, während der 22-jährige Deutsche nur im Pokal und der Champions League im Tor stand. Am Ende ging der Plan auf: Barcelona gewann im ersten Jahr das Triple. Ter Stegen stand zwischen den Pfosten, als Barcelona im Champions-League-Finale Juventus Turin mit 3:1 im Berliner Olympiastadion wegfidelte. Nicht schlecht für einen Torwart, der exakt ein Jahr zuvor vom Bundestrainer nicht für die WM nominiert worden war. Und den WM-Triumph vor dem Fernseher mitansehen musste.

Keine Entwicklung beim DFB

Während Marc-André ter Stegen in Spanien zu einem Torwart von Weltklasse heranreifte, stockte seine Entwicklung in der DFB-Elf. »Er hat viele gute Anlagen, viele gute Qualitäten. Er wird seinen Weg machen«, sagte Joachim Löw. Das war 2011, nach ter Stegens Nationalelf-Debüt, bei dem er sich fünf Gegentore in der Schweiz gefangen hatte. »Marc-André ter Stegen ist der kommende Mann. Er hat in den letzten Jahren einen Riesenschritt gemacht«, sagte Löw. Allein, die gleichklingelnde Aussage machte der Bundestrainer erst kürzlich, acht Jahre nach ter Stegens erstem Einsatz im DFB-Dress.

Seitdem sich Manuel Neuer erst in letzter Sekunde für die WM in Russland fit gemeldet hatte, ist ter Stegen wieder in die Rolle des Edelreservisten gerückt. Obwohl die Nationalmannschaft mit ihm im Tor den Confed-Cup gewann und punktverlustfrei durch die WM-Qualifikation marschiert war.