Warum Katar so viel Geld in den Fußball investiert

Wenn die Scheichs mit Geldscheinen winken

Die Leichtathletik-WM in Katar zeigt, dass sportliche Großveranstaltungen im Emirat anders ablaufen als im Rest der Welt. Das kleine, aber reiche Land versucht, auf diese Weise politisch Einfluss zu nehmen – auch mithilfe des Fußballs.

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Nach neun Wettkampftagen endete am Sonntag die Leichtathletik-WM in Katar. Eine zentrale Erkenntnis nach diesen Tagen: Katar ist keine Sportnation. Die Bevölkerung des Landes interessiert es einfach nicht, wenn Athleten der Spitzenklasse in ihrem Land um Medaillen kämpfen.

Schlechte Stimmung, leere Ränge und hohe Temperaturen ließen viele Menschen die Stirn darüber runzeln, was das Emirat Katar überhaupt dazu berechtigt, die Weltmeisterschaft auszutragen. Kritik gab es nicht nur von der Öffentlichkeit, sondern auch von den Athletinnen und Athleten, die unter schwierigen Bedingungen Höchstleistungen abrufen sollen. Um den Vergabeprozess ranken sich Korruptions-Gerüchte. Nächstes Jahr wird Lamine Diack, dem ehemaligen Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbandes, der Prozess gemacht. Dem 85-Jährigen werden Bestechung und Geldwäsche vorgeworfen. »Braune Umschläge voller Bargeld« sollen Vertreter aus Katar damals verteilt haben, um die Ausrichtung im Jahr 2019 zu erkaufen, hieß es. 

Der Reiz des Geldes

Die Leichtathletik-WM war aber nicht das erste Mal, dass Katar die Blicke der Sportwelt auf sich zog. Bereits im Jahr 2015 richtete das Emirat ein sportliches Großereignis aus. Von der Handball-Weltmeisterschaft vor vier Jahren blieben vor allem zwei Dinge in Erinnerung. Die katarische Firma beIN Sports zahlte viel Geld für die Übertragungsrechte, weswegen die Spiele in Deutschland gar nicht im Fernsehen empfangbar waren und die Fans auf den Internet-Stream einer Bank ausweichen mussten. Und: mit einer zusammengekauften Weltauswahl – nur vier der 16 Spieler kamen tatsächlich aus Katar  – erreichte das kleine Land das Finale. Der Reiz des Geldes hatte anscheinend vielen Handballspielern die Entscheidung, ob sie sich im Wüstenstaat einbürgern lassen wollen, leichter gemacht. 

Und im Fußball? Da gewann die katarische Nationalmannschaft im Februar die Asien-Meisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im Vorfeld waren auch hier Vorwürfe laut geworden, Katar kaufe sich ähnlich wie beim Handball eine Nationalmannschaft zusammen. Der Vergleich hinkt jedoch. Denn laut FIFA-Regularien darf ein Spieler nur für einen Nationalverband ein Pflichtspiel absolvieren. Beim Turnier umfasste Der 23-Mann-Kader des Emirats zehn Spieler, die neben der katarischen noch eine zweite Staatsbürgerschaft besitzen. Stürmer Almoez Abdulla, der während des Turniers neun Tore erzielte, ist im Sudan geboren, läuft aber bereits seit seiner Jugend für Katar auf. Nach dem verlorenen Halbfinale hatten die VAE Protest eingelegt, weil sie glaubten, Abdulla sei nicht spielberechtigt gewesen. Der katarische Verband und der Spieler beteuerten jedoch, die Mutter von Abdulla sei in Katar geboren – dem Protest wurde nicht stattgegeben.