Warum Handball nicht der bessere Fußball ist

Schlandball

Ein Land im Handball-Wahn blickt heute nach Hamburg, wo Deutschland um den Einzug ins WM-Finale kämpft. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Der Quatsch ist bald vorbei.

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Eurosport hat aber auch wirklich Pech. Da hatte sich der sympathische Nischensender, auf dem immer Snooker läuft, so viel versprochen von seinen Bundesligaübertragungen am Freitagabend – und dann gab's an diesem Termin meistens Nürnberg gegen Wolfsburg oder Düsseldorf gegen Mainz. Verirrte sich mal ein attraktives Spiel auf den Freitag, so zog gleich ein öffentlich-rechtlicher Sender seine Option und zeigte die Partie ebenfalls und für alle empfangbar.

Heute hätte sich das ändern können. Um 20:30 Uhr kämpfen nämlich Hertha und Schalke unter Flutlicht um Punkte. Es ist vielleicht nicht El Clásico und vermutlich werden die Teams auch nicht gerade für eine Sternstunde der Fußballgeschichte sorgen. Doch immerhin ist es eine wichtige Partie zweier Traditionsvereine mit vielen Fans.

Nebensächlicher Spielstand

Und was passiert? Um 20:30 Uhr wird die von einem irrationalen Wahn erfasste Nation nicht etwa nach Berlin schauen, sondern nach Hamburg, wo zwei Mannschaften sich in einem brutalen und hektischen, dafür aber wenigstens strunzlangweiligen Turnhallensport messen.

Stopp, das ist jetzt selbst für eine Hyperbel viel zu überspitzt formuliert. Denn Handball ist natürlich nicht komplett strunzlangweilig. Sondern nur 57 Minuten lang. 

Schließlich besteht der bei weitem größte Teil des Spielverlaufes aus einer selbst den willigsten Zuschauer in den Stumpfsinn treibenden stereotypen Wiederholung stets gleicher Abläufe und Aktionen, wobei es gänzlich nebensächlich ist, ob es nun gerade 9:9 oder 15:15 oder 23:23 steht. Denn entscheidend ist allein die Schlussphase – in der 180 Sekunden mehr als zehn Minuten dauern können, weil ständig die Uhr angehalten wird.

Krise des Fußballs?   

Der Kolumnist George Will hat mal sinngemäß gesagt, dass American Football typisch amerikanisch ist, weil es aus einer Abfolge von Gewalttaten besteht, die regelmäßig durch Sitzungen von Komitees unterbrochen werden. Da fragt man sich doch, was der klassische deutsche Provinzsport Handball über unser Land aussagt, denn zumindest in dieser Hinsicht ist er dem American Football nicht unähnlich.  

Am seltsamsten an der ganzen Handballhysterie ist aber, dass sie eine Krise des Fußballs dokumentieren soll. So meldete sich am Donnerstag ein Radiosender in der Redaktion, weil ein Gesprächspartner zum Thema »Was der Fußball vom Handball lernen kann« gesucht wurde.