Warum Fußball-Stars Essiggurken-Wasser saufen

Saure-Gurken-Zeit

Viel getrunken wurde in Englands Premier League schon immer – aber Essig-Gurken-Wasser?! Was hat es auf sich mit diesem neuen Schauder-Trend?

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Man musste schon ziemlich genau hinschauen, um Arsenals Mittelfeld-Ass Lucas Torreira (22) auf die Schliche zu kommen. Während des 2:0-Sieges im Londoner Derby gegen den FC Chelsea hatten die Kameras ganz beiläufig eingefangen, wie der Uruguayer ein kleines, von Hand beschriftetes weißes Fläschchen zum Mund führte und hastig daraus trank. Darauf geschrieben stand: »Pickle Juice«, zu deutsch: Essiggurken-Wasser. War das etwa nur eine Tarnbezeichnung? Befand sich in Wahrheit eine geheime illegale Dopingsubstanz in der Plastikpulle? Nein, wo »Pickle Juice« drauf steht, ist in der Regel auch Pickle Juice drin.

Bäh – echt jetzt?

Okay, Essiggurken-Wasser wurde im englischen Top-Fußball auch in früheren Jahrzehnten schon verkostet – allerdings nur, wenn Spaßvögel wie Paul Gascoigne ihren Mitspielern im Mannschaftshotel einen Streich spielen wollten und den Apple Juice in der Karaffe gegen Pickle Juice ausgetauscht hatten. Aber – freiwillig? Come on!

Seit ein, zwei Jahren ist in der englischen Premier League – und nicht nur dort – tatsächlich die Saure-Gurken-Zeit angebrochen. Immer mehr Fußballstars von Arsenal, Tottenham, Liverpool, oder Chelsea schwören auf die legale leistungssteigernde Wirkung von Pickle Juice. Weil das Zeug aus sport- und ernährungswissenschaftlicher Sicht eben genau das enthält, was müde Sportler und überstrapazierte Muskeln brauchen, um kurzfristig wieder auf Trab zu kommen: muskelauflockerndes und -entkrampfendes Essig, schnelle Energie in Form von Zucker und eine gehörige Prise Salz, welches den Mineralhaushalt des Körpers reguliert. Frei nach dem Motto: Schmeckt nicht? Gibt’s nicht!

Die Säure macht's

Als Vater der Pickle-Juice-Bewegung gilt der britische Sportwissenschaftler Dr. Mayur Ranchordas, seines Zeichens Ernährungsberater bei den Wolverhampton Wanderers. Ob der derzeitige Höhenflug der »Wolves« (Platz 8 nach 23 Spieltagen) dem Essiggurken-Wasser zu verdanken ist, bleibt natürlich Spekulationssache. Einiges spricht jedoch dafür.

So verriet Dr. Ranchordas dem Boulevardblatt »The Sun«: »Das Geheimnis der Wirkung von Essiggurken-Wasser ist die Zutat Essig und die darin enthaltene Säure. Wenn unser Mund Essig schmeckt, werden Signale an das Hirn ausgesendet, die dafür sorgen, dass wir unsere Muskeln kurzzeitig entspannen.«

So beuge das Gebräu Krämpfen vor oder trage dazu bei, diese umgehend zu lösen, so Ranchordas: »Es ist erwiesen, dass es Krämpfe um 37 Prozent schneller löst als Wasser.« Zudem fülle das Essiggurken-Wasser den Salzspeicher des Körpers in Windeseile wieder auf.