Warum ein 17-Jähriger die HSV-Hoffnung ist

Die Zukunft heißt Arp!

In Hamburg ist man sich sicher: Jann-Fiete Arp ist ein echtes Juwel. Ein Jahrhundert-Talent. Zwar werden vielerorts vielversprechende Youngster mit Vorschusslorbeeren überschüttet. Was bei Arp dafür spricht, dass dem 17-Jährigen tatsächliche eine rosige Zukunft blüht.

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Olympiastadion. Es läuft die 56. Spielminute. Der HSV liegt bei Hertha BSC mit 0:2 hinten. Trainer Markus Gisdol wechselt. Mit Jann-Fiete Arp bringt er einen Minderjährigen. Ein verzweifelter Versuch das Spiel noch zu drehen. Doch tatsächlich verändert sich die Partie. Plötzlich finden die Hanseaten offensiv statt. 17 Minuten später fällt Arp der Ball vor die Füße. Er zieht sofort ab. Innenpfosten. Tor. Mit 17 Jahren, neun Monaten und 26 Tagen wird er zum jüngsten Bundesliga-Torschützen der Vereinsgeschichte.

Endlich alles anders machen

Der Hamburger SV hat sich in den letzten Jahren nicht gerade um den Ruf einer Talentschmiede verdient gemacht. Das liegt allerdings nicht unbedingt daran, dass der Bundesliga-Dino keine hochveranlagten Jugendspieler in seinen Reihen hätte, im Gegenteil. Den endgültigen Durchbruch schafften Ex-Spieler wie Shkodran Mustafi, Eric Maxim Choupo-Moting oder Kerem Demirbay allerdings anderswo. Bei Jann-Fiete Arp soll nun alles ganz anders laufen – mal wieder. 

Viel zu lange war der Klub viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass man sich auch noch um die Heranführung der eigenen Talente hätte kümmern können. Doch in Zukunft wird alles besser beim HSV, da ist man sich sicher. Die Veranlagungen von Arp sind allerdings auch wirklich nicht zu verkennen - selbst mit eingeschränktem Sehvermögen. 

Ein Rohdiamant

Fiete, den sie in Hamburg auch gern mal »Gold-Junge« nennen, bringt eigentlich schon jetzt alles mit, um in der Bundesliga zu bestehen. Fast alles. »Er ist für sein Alter schon sehr komplett«, sagt U17-Trainer Christian Titz. Doch Arp soll nicht verheizt werden. So sagt sein U17-Nationaltrainer Christian Wück: »Wir dürfen nicht den Fehler machen und ihn zum Heilsbringer machen. Der Hamburger SV muss ihn behutsam aufbauen, dann wird Jann-Fiete seinen Weg gehen.«

Doch das mit dem behutsamen Aufbau ist in Hamburg so eine Sache. Zumal der Hype um den Youngster spätestens seit dem siebten Spieltag einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Gegen Werder Bremen wurde Arp eingewechselt, und so zum ersten Spieler in der Bundesligageschichte, der nach der Jahrtausendwende geboren ist. Der erste aus dem Jahrgang der 2000er. Seit seinem Treffer gegen Hertha zählt er nun auch zu den zehn jüngsten Bundesliga-Torschützen aller Zeiten. Wo soll das noch hinführen?

Der steile Weg nach oben

Eigentlich liest sich die Vita des Mittelstürmers schon jetzt wie ein Märchen. Für die Hamburger B-Jugend machte das »German Wunderkind« in der vergangen Spielzeit 26 Buden –  bei nur 21 Einsätzen. Eine Quote, die unweigerlich an »Bomber« Gerd Müller erinnert. Auch bei der U17-EM im Mai überragte Arp mit sieben Toren in fünf Spielen. Erst vor einer Woche kehrte der 1,84 Meter große Angreifer von der U17-WM in Indien zurück – mit fünf Treffern aus fünf Spielen im Gepäck. Er scheint tatsächlich über eine eingebaute Torgarantie zu verfügen. 

Seit 2010 kickt Arp bei den Hanseaten. Den rechten Fuß, seinen starken, hat er dabei immer auf dem Gaspedal - denn er kennt offenbar nur die Überholspur. In sieben Spielen für die A-Jugend gelangen ihm neun Treffer. Sein Vorbild Harry Kane hätte es kaum besser machen können. Nach seinen überragenden Leistungen folgte im November des vergangen Jahres der nächste Superlativ. Die Beförderung nach ganz oben: Das Training mit den Profis.