Warum diese FIFA-Reform für eine Weltauswahl in Katar sorgen könnte

Gegen jede Auflage

Der Fußballzwerg Kap Verde fordert eine Reform, damit Spieler trotz Länderspielen bei einer Zweitnation auflaufen können. Die FIFA will reagieren. Und könnte in Katar für eine Weltauswahl sorgen.

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Es ging ein Ruck durch Land, als im Winter 2015 die deutschen Handballer bei einer WM überraschend gut aufspielten. Plötzlich war jeder, wenigstens für ein paar Tage, wieder Handballfan. Einige ließen sich Heiner-Brand-Schnäuzer wachsen. Die meisten schalteten nur den Fernseher ein. Bis im Viertelfinale plötzlich Gastgeber Katar gewann. Im Kader der Kataris: gebürtige Ausländer. Ein Kubaner, zwei Montenegriner, zwei Bosnier, ein Franzose und ein Spanier. Immerhin vier Spieler stammten aus Katar. Als hätte das nicht schon einen faden Beigeschmack gehabt, lotsten die Veranstalter auch noch 60 handballaffine Spanier ins Land, die für eine Handvoll Dollar den Gastgeber lautstark unterstützen. So ging es für Katar bis ins Finale. Und auch wenn sie dort Frankreich unterlagen, fanden alle anderen Handballfans den Kniff ziemlich unfair.

Probleme dieser Art kennt die kleine Fußballnation Kap Verde eigentlich nicht. Für eine Weltmeisterschaft hat sich der Inselstaat noch nie qualifiziert. Der größte Erfolg war der Einzug ins Viertelfinale bei der Afrikameisterschaft 2013. Es ist das kleinste Land, das je an der Endrunde teilnahm. In diesem Jahr scheiterte Kap Verde knapp an einer Teilnahme zur Weltmeisterschaft. In vier Jahren soll dann der große Wurf glücken.

Denn Kap Verde könnte, wenn sich wirklich alle Fußballer mit kapverdischem Pass oder Vorfahren entschieden hätte, für das Land zu spielen, eine richtig starke Mannschaft zusammenstellen. Nani, Patrick Viera und Henrik Larsson haben kapverdische Vorfahren. Sogar Ronaldos Großmutter soll aus dem ehemals portugiesischen Kolonialstaat stammen. Aber natürlich suchten sich die Profis ein anderes Land aus, um international erfolgreich zu kicken. Das soll sich jetzt wandeln.

Probleme überall

»Die Welt verändert sich«, sagte Fifa Vize-Präsident Victor Montagliani, »die Immigration verändert sich. Es gibt Probleme mit der Nationalität, überall auf der Welt. In Afrika. Und auch in Asien.«

Die Fifa will deshalb einen Antrag der Kap Verde überprüfen, der Spieler, die bereits vereinzelte Länderspiele für eine Nation absolviert haben, dazu berechtigt, wieder für ihr Zweitland aufzulaufen. Für Kap Verde macht das Sinn: Portugiesische Nationalspieler, sich nicht durchgesetzt haben, kapverdische Wurzeln besitzen und für den Zwergenstaat noch immer eine Bereicherung darstellen, dürften nach einer Pause dort spielen. Superstars wie Cristiano Ronaldo würden deshalb nicht zum Karriereende im Afrikacup spielen. Aber Profis aus der zweiten oder dritten Reihe.

Doch die Überprüfung des Antrags hinterlässt Fragen.

Seltsame Vorgänge auf der Insel

Zum einen ist der Zeitpunkt überraschend. Im kapverdischen Fußballverband herrscht zurzeit ein einziges Chaos. Victor Osório, der als Präsident seit Jahren die Geschicke des Verbands bestimmte, wurde vor wenigen Wochen abgesetzt. Bei der Neuwahl wurden Kandidaten aus teils fadenscheinigen Gründen abgelehnt. Der Journalist José Mário Correia etwa, der die finanzielle Ströme im Verband transparenter machen wollte, wurde schon vor der Wahl abgesägt, weil er einfach nicht herausbekam, wo er seinen Nominierungsantrag fristgerecht einreichen könne.

Zum anderen ist es zweifelhaft, dass Kap Verde, die nicht einen einzigen Vertreter in den Ausschüssen der Fifa sitzen haben, zurzeit besonders viel Druck in Zürich zur Neuregelung einer Doppelstaatlichkeit machen.