Warum Deutschland Jürgen Klopp liebt

Klopp ist wie wir - nur besser

Klopp ist der Typ, dem man Ausraster verzeiht und Jubel gönnt. Der Typ, dem man selbst dann noch gern zuschaut, wenn er zusammen mit Johannes B. Kerner und Campino und nach einem verlorenen Champions-League-Finale um die Wette jugendlicht. Weil er ein so gutes Gespür für Menschen und Momente hat, dass da immer Verständnis ist. Auch, wenn er sich mal wieder als schlechter Verlierer zeigt, wenn mal wieder der Schiedsrichter Schuld war, oder der Wind, oder beides. Auch, wenn seinem Gesicht in der Entladung aller Anspannung mal wieder alle menschlichen Züge entgleiten. Weil wir alle schlechte Verlierer sind, hin und wieder und übertrieben angespannt, und weil es gut tut, zu sehen, dass das okay ist. 

Echte Distanz

Klopp ist der Typ, dem man in diesem wahr gewordenen Diorama namens Anfield Stadium das »You’ll never walk alone« tatsächlich abnimmt. Dem man die Entscheidung, den FC Liverpool zu übernehmen, nicht als Karriere-Kalkül auslegt, sondern als Herzenssache. Auch, weil er Sätze von sich gibt, die aus den Drehbüchern romantischer Komödien gestrichen würden, wegen: Kitsch. Sätze, zu denen man dann aber doch nur ganz automatisch den Kopf nicken lässt, wegen: Ja, Mann! Weil Klopp der Typ ist, der sagt: »Leider habe auch ich keine Ahnung, wann wir etwas gewinnen werden, aber ich bin sicher, dass wir irgendwann etwas gewinnen. Bis dahin sollten wir es einfach genießen und die beste Zeit unseres Lebens haben. Lasst uns die Welt und vor allem den Fußball genießen.« Was auch deswegen bewegt, weil Klopp eben nicht mehr jede Woche als der »Volle-Pulle«-Typ an Bundesliga-Seitenlinien und in Bundesliga-Berichten zu sehen und zu lesen ist, sondern eben nur noch hin wieder. Und so ein bisschen Distanz tut echter Liebe immer gut.



Klopp ist nicht der letzte Typ des Fußballs, aber derzeit der einzige deutsche Popstar des Fußballs.



Klopp ist der Typ, der man selbst gern wäre. 



Außer man ist stolz auf seine Schallplattensammlung.