Warum Deutschland Jürgen Klopp liebt

Jürgen Klopp ist...

So sehr, dass man spätestens in dieser Saison den Eindruck gewinnen muss, es gäbe nicht wenige Fußballfans in Deutschland, die sich vor allem über eine Meisterschaft des FC Liverpool freuen würden. Eher noch als über eine gelungene Saison ihres eigentlichen Lieblingsvereins. Klopp ist Sehnsuchts-Konsens.

Klopp ist der Dirk Nowitzki des Fußballs, mehr Swag-Diplomat denn Sportler. Und die Liebe, die den beiden in ihrer Wahlheimat entgegen gebracht wird, ist so etwas wie eine Urkunde auf der geschrieben steht, dass es eben auch coole Deutsche gibt, die im Ausland geliebt werden. Und nicht nur Modern Talking oder Heidi Klum. Denn dieser Onkel Jürgen ist der lässige Teil der Großfamilie, der, auf den man gern verweist und über den man im Zweifel sagen kann: »Ja, wir sind die Krauts. Wir haben aus ›Made in Germany‹ ein Qualitätsmerkmal gemacht. Wir sind immer pünktlich, ordentlich und ja, wir legen Handtücher auf Strandliegen. Aber wir können auch anders, so wie Onkel Jürgen.«

Charmanter Lügner



Klopp ist der Typ, der sich als »The normal one« bezeichnet. Was natürlich Quatsch ist, denn es ist nicht normal, erster deutscher Trainer des FC Liverpool und einer der weltbesten überhaupt zu sein. Aber bumssympathisch ist diese Behauptung trotzdem, erst Recht, wenn man so eine dreiste Lüge derart charmant vortragen kann, dass man in wahrnehmungsmüden Momenten geneigt ist, den Vortrag als authentisch zu kaufen. 



Klopp ist der Typ, der selbst dann eine gute Figur macht, wenn er einem kleinen kranken Jungen eine große Freude machen soll und sich herausstellt, dass der kleine kranke Junge ausgerechnet Fan des Stadtrivalen FC Everton ist.