Warum Deutschland Jürgen Klopp liebt

Von wegen »Normal One«

Fast scheint es, dem deutschen Fußballfan ist ziemlich egal, wer welchen Titel holt. Hauptsache der FC Liverpool gewinnt zumindest einen. Was natürlich vor allem an Jürgen Klopp liegt. Und wofür es ganz ausgezeichnete Gründe gibt.

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These: Menschen, die stolz auf ihre Schallplattensammlung sind, können mit Jürgen Klopp nichts anfangen. Außer natürlich sie halten es mit dem Ballspielverein Borussia 09 Dortmund (oder Mainz 05). Weil: dafür sind dann selbst Nerds zu dankbar. Für all das, was dieser »Kloppo«, dieser Charisma-Conditioner mit der »Pöhler«-Kappe, ihrem ersatzreligiösen Verein erbracht hat.

Aber Menschen also, die stolz auf ihre Schallplattensammlung sind und die es nicht mit dem Ballspielverein Borussia 09 Dortmund halten (oder Mainz 05) - krasse Kloppokaster.

Hass wegen Liebe?

Denn wer stolz auf seine Schallplattensammlung ist, hat es nicht gern populär. Niemand, der sich der Plackerei aussetzt, verkratzte Vinylscheiben zu entstauben, der viel Geld investiert hat, diesem antiquierten Medium seine Macken auszutreiben (Kanaltrennung, Klirrfaktor, Gleichlaufschwankung..), betreibt das absurde Geek-Geeiere, um anschließend eine »7 Inch« von Britney Spears aufzulegen. 



Alles Populäre ist ihnen ein Graus. Unbedingt wollen sie sich von der Masse abheben. Sie sind Schuld an einem der schlimmsten Sätze deutscher Sprache: »Früher waren sie besser.« Weil früher meint, dass diese Band, von der dann die Rede ist, da noch niemand kannte. Außer ihnen. Die einzig und allein in der Lage sind, den wahren Wert der Dinge zu erkennen. 



Manchmal trauern sie um völlig zurecht in Vergessenheit geratene (N)One-Hit-Wonder aus den Achtzigern, wenn diese dann auch biologisch das Zeitliche segnen. Dann posten sie auf Instagram eine seltene Maxi-Single vom unbekannten zweiten Album des Nebenprojekts des Verstorbenen, auch wenn die, natürlich, nur was »für Kenner« ist. Und dabei hassen sie dann Jürgen Klopp. Weil den sonst alle lieben.