Warum der FC Basel im indischen Fußball einsteigt

Hat der FC Basel ganz andere Absichten?

Schon das kürzlich gestartete E-Sports-Engagement der Rot-Blauen hatte für massiven Unmut innerhalb der Fanszene gesorgt. Der FCB will ab diesem Jahr sogar in der neu geschaffenen Champions League der »FIFA 19«-Zocker mitmischen. Daraufhin zeigte die Muttenzerkurve, wo die Heimfans stehen, ein Transparent, auf dem mehr oder weniger unmissverständlich stand: »E-Sports de Steggr zieh!« Einige Anhänger schmissen sogar ihre alten Playstation-Controller auf den Rasen. Als Burgener dann auch noch Influencer anheuerte, damit die im Internet neue Fans für den FC Basel akquirieren, konnten es viele kaum noch fassen und proklamierten: »Euer Marketing isch zum Kotze!«

Worum geht es eigentlich?

Burgener aber trat den Traditionalisten via »Tageswoche« massiv entgegen: »Wir machen das nicht aus Trotz«, beteuerte er. »Die ganze Welt verändert sich, wir stehen vor einer digitalen Revolution. Andere Klubs machen das auch (…) Für die Zukunft ist E-Sport wichtig, und deshalb müssen wir dabei sein. Auch wenn nicht alle damit einverstanden sind. Das war schon immer so, bei der Videokassette oder aktuell bei den Smartphones.«

Aber Indien? Die Schweizer Boulevardzeitung »Blick« befand, man müsse Burgener »für seine Vision ein Kränzchen winden«. Was offenbar anerkennend gemeint ist: »Man stelle sich nur mal vor, dass eine Million Inder einen Franken zahlen, um ein FCB-Spiel zu sehen – die Einnahme-Möglichkeiten wären nach oben offen.« Wer die Vita des FCB-Präsidenten kenne, so das Blatt, der müsse überzeugt sein, dass »er auch mit dem Indien-Deal Geld verdient«. Der »Blick« spekuliert gar über die Rückkehr einstiger FC-Basel-Stars wie Xherdan Shaqiri (27, FC Liverpool), Granit Xhaka (26, FC Arsenal) oder Ivan Rakitic (30, FC Barcelona) »als Zugpferde«. Für Basel – und neu für den indischen Markt.«

Basel und ein interessanter Markt

In der Realität aber könnte das schwierig werden – ebenso wie das Aufspüren indischer Toptalente. Derzeit gibt es auf dem ganzen Subkontinent keinen einzigen überragenden Nachwuchskicker. Überhaupt fristet Fußball in der Cricket-verrückten Riesennation ein eher zwergenhaftes Dasein. In der FIFA-Weltrangliste liegt Indien nur auf Platz 97, eingerahmt von Estland und den Färöer Inseln. Und der Chennaiyin FC begrüßt in der »I-League« nicht einmal 8.000 zahlende Zuschauer pro Partie. Ob der Einstieg des, nun ja, europäischen Giganten FC Basel nun eine nie dagewesene Euphorie entfachen wird? Wohl kaum.

Tatsächlich könnte das eidgenössische Engagement beim Chennaiyin FC einen ganz anderen strategischen Hintergrund haben, wie nicht nur die Schweizer Zeitung »20 Minuten« spekuliert: Die asiatische Dépendence könnte für den FC Basel zum Brückenkopf für den E-Sports-Bereich werden, denn in Indien ist das Gedaddel ein wachsender Volkssport. »E-Sports ist eine globale Geschichte, wobei Asien der interessanteste Markt ist«, bekennt auch FCB-Geschäftsführer Roland Heri in der »Aargauer Zeitung«: »Es wäre nicht ehrlich, wenn ich sagen würde, dass wir keinen Gedanken daran verloren hätten.« Dennoch gehe es in Chennai um die Ausbildung von Fußballern »und in keinster Weise um E-Sports«. Ja, wie – was denn jetzt?