Warum der Fall Kingsley Sarfo in Schweden hohe Wellen schlägt

Wie Fans und Gesellschaft reagierten

Sarfo blieb suspendiert, auch zu seinem eigenen Schutz. Bis zum vergangenen Donnerstag. »Die Informationen, auf deren Basis wir seine Suspendierung beschlossen hatten, besagte, dass die Voruntersuchung spätestens bis Weihnachten abgeschlossen sein würde«, rechtfertigt Klubchef Carlnén. »Es gibt in diesem Fall kein Schwarz und kein Weiß. Solange man nicht abgeurteilt ist, bleibt man juristisch unschuldig. Und laut schwedischem Arbeitsrecht kann man eben nicht auf unbefristete Zeit von seiner Arbeit suspendiert werden.«

Kein Verständnis bei Malmös Fans

Die Empörung der Fans wächst derweil täglich. Die einschlägigen Foren im Internet quellen über vor Protestbekundungen – und teilweise auch vor Hass. Der Fall Sarfo fällt in eine Zeit, in der auch in Schweden hitzig diskutiert wird, über vermeintlich kriminelle Migranten, sexuelle Übergriffe durch Asylbewerber auf der einen und über das menschliche Miteinander auf der anderen Seite. Klar, dass auch der rechte Rand das Thema zusehends für sich entdeckt hat – und es für seine kruden Zwecke missbraucht.

Doch den meisten Protestierenden geht es um den konkreten Fall, um die schweren Vorwürfe und um die drückende Beweislast gegen Kingsley Sarfo. »Er ist einfach kein würdiger Vertreter unseres Vereins«, sagt Thelma Ernst, die Vorsitzende des einflussreichen Fanclubs »MFF Support«. Ernst hat keinerlei Verständnis für die Entscheidung des Klubs, Sarfos Suspendierung aufzuheben – so wie die meisten Fans in Malmö und in Schweden. Die konnten schon kaum fassen, was sie Ende Oktober erfuhren. Da war Kingsley Sarfo zur ghanaischen Nationalmannschaft gereist. Viele fürchteten eine Fluchtgefahr. Doch der Beschuldigte kehrte zurück nach Schweden, wo er weiter auf sein Verfahren wartet.

Legal oder illegal?

Sarfos Strafverteidiger Mikael Sundman erklärt: »Die Frage ist, ob er Sex mit jemandem hatte, von der er dachte, es sei legal, Sex mit ihr zu haben.« Und das habe Sarfo gedacht. Angeblich. »Wir haben darauf gedrängt, dass die Anklage die Voruntersuchung endlich abschließt und sind der Auffassung, dass die Version meines Mandanten durch neuere Beweise gestärkt worden ist«, erklärt der Advokat. »Seine Sichtweise ist nach wie vor, dass er eine Straftat bestreitet.« Dazu Malmö FFs Sportchef Daniel Andersson: »Was soll ich sagen? Kein Kommentar.«

Und so ist es letztlich an der schwedischen Rechtsprechung, diesen komplizierten Fall zu lösen. Das kann noch dauern. Dass Kingsley Sarfo noch einmal für Malmö FF spielt, scheint jedoch selbst im Falle eines Freispruchs ausgeschlossen. Dazu ist viel zu viel passiert.