Warum der DFB für Gianni Infantino stimmte

Das Geheule ist groß

Der DFB wird kritisiert, weil sein Präsidium die Wiederwahl von Fifa-Präsident Gianni Infantino einstimmig begrüßte. Dabei gibt es dafür gute Gründe.

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Wann genau zog sich der Oberschurke, der sich Fifa nennt, eigentlich die Maske vom Gesicht und sagte: »Ich bin das Böse. Und das Böse hat endlich gewonnen, muss sich nie mehr verstecken!« Oder so etwas in der Art, nur um sich anschließend einzuordnen in die Liste der größten Schurken der Geschichte, irgendwo zwischen Jack Torrance und Sauron? - Wahrscheinlich war es der 2. Dezember 2010, als der damalige Fifa-Präsident Sepp Blatter zwei Briefumschläge öffnete und anschließend Russland und Katar zu den Ausrichtern der kommenden Weltmeisterschaften erklärte. Als letzten Beweis, dass wirklich alles egal ist - solange die Kasse stimmt.

Dieser Tage erschien eine Liste jener 22 Männer, die damals dem Fifa-Exekutivkomitee angehörten und deshalb für diese zwei ungeheuerlichen Wahlen stimmberechtigt waren. 16 von ihnen sind mittlerweile der Korruption überführt, der Korruption angeklagt oder sie werden beschuldigt gegen ethische Grundsätze verstoßen zu haben. Zu ihnen gehören Blatter, Jack Warner, Chuck Blazer, Franz Beckenbauer, Michel Platini und Vitaly Mutko. Über die übrigen sechs Männer ließen sich auch noch schmutzige Geschichten erzählen, sie sind aber entweder nicht verfolgungswürdig oder aber die Beweise nicht ausreichend belastbar. Was sich aber sagen lässt: Diese Fifa war vor neun Jahren ein skrupelloser Sauhaufen.

Stilisierter Saubermann

Als die Schweizer Bundestaatsanwaltschaft am 27. Mai 2015 die Büroräume der Fifa in Zürich stürmte und allerhand Beweismaterial mitnahm, kurz darauf ein Kahlschlag in den obersten Etagen der Führungsriege einsetzte - Blatter, Platini, Beckenbauer und auch Generalsekretär Jerome Valcke von ihren Aufgaben entbunden wurden - da war es für Gianni Infantino, einen Mann der Uefa, fast ein leichtes, das Amt des Fifa-Präsidenten zu ergreifen und sich während des Wahlkampfs als neuen Saubermann des Weltfußballs zu stilisieren. Mit ihm, so schien es, würde im Kungelklub mächtig aufgeräumt werden.

Es kam, das ist bekannt, alles ganz anders. Nach vier Jahren Amtszeit ist längst klar, dass Gianni Infantino selbst zu den größten Schurken aller Zeiten zählt. Böser als Sauron, durchtriebener als der Joker, skrupelloser als es die Fifa vor ihm je war. Und trotzdem wurde Infantino unter dem Applaus seiner Mitglieder wiedergewählt. Auch vom Deutschen Fußball-Verband, der sich einstimmig für die Wiederwahl ausgesprochen hatte. Ein Offenbarungseid, sagen manche, die von den Granden des deutschen Fußballs ein Zeichen des Widerstands erwartet hätten.

Kein Widerstand

Dabei wäre dieses Symbol zu teuer für den DFB geworden. Er konnte es sich aktuell überhaupt nicht leisten. »Wir sind hier nicht angetreten, um den DFB noch weiter ins Abseits zu stellen, als er ohnehin schon ist«, hatte Interimspräsident Reinhard Rauball gesagt.

Es gäbe selbstverständlich genügend Gründe, die gegen eine Wiederwahl Infantinos sprächen, diesem scheinbaren Alleinherrscher. In seiner ersten Amtszeit setzte er sich für eine aufgeblähte Klub-WM und eine globale Nations League ein. Posierte selbstgefällig mit allerhand Despoten. Die kritische FIFA-Ethikkommission mit den Juristen Cornel Borberly und Hans-Joachim Eckert, die Infantino schon nach kurzer Zeit gefährlich wurden, ließ er kurzerhand ersetzen. Hinzu kommen: Geheime Absprachen mit Paris Saint-Germain und Manchester City, private Treffen mit dem gegen ihn ermittelnden Bundestaatsanwalt der Schweiz und dubiose Fernsehdeals aus seiner Zeit bei der Uefa.

Wahrlich, es gäbe genug. Warum hat der DFB dann trotzdem artig applaudiert?

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