Warum Bayern zu Hause nicht mal gegen einen Aufsteiger gewinnen konnte

Einfacher als erwartet

Ein Auswärtsspiel in München galt lange als ähnlich unangenehm wie ein Termin beim Zahnarzt. Doch spätestens, seit Aufsteiger Düsseldorf am Samstag einen 1:3-Rückstand aufholen konnte, ist klar: Vor diesem FC Bayern fürchtet sich die Liga nicht mehr. 

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»Respect is everything!«, lautet ein Slogan aus dem Videospiel »GTA 2«. Zu deutsch: Respekt ist alles. Vom Respekt der Gegner hat auch der FC Bayern in den vergangenen Jahren gelebt. Wie sagte Sebastian Prödl so schön: »München ist wie ein Zahnarztbesuch. Muss jeder mal hin.« 

Diesen Respekt haben die Gegner in dieser Saison verloren. Selbst eine 3:1-Führung genügte den Münchenern am Wochenende nicht, um nach drei sieglosen Heimspielen in Folge endlich wieder zu gewinnen. Und das auch noch gegen einen Aufsteiger! Fortuna Düsseldorf gab sich auch nach dem Rückstand nicht auf. Vier Gründe, warum die Fortuna in München die 3:3-Sensation schaffte.

1. Fortunas Defensive funktionierte nicht gut – aber gut genug
Zu Beginn des Spiels sprach zunächst wenig für eine Überraschung. Wie bei jedem Münchener Gegner sah auch Düsseldorfs Plan vor, zunächst defensiv stabil zu stehen. Dazu ließ sich Trainer Friedhelm Funkel einen besonderen Kniff einfallen: Die Fortuna verteidigte in einer Mischung aus Vierer- und Fünferkette. Auffällig war, wie eng am Mann die Fortuna verteidigte. Wenn Bayerns Mittelfeldspieler vorrückten, verfolgten Düsseldorfs Mittelfeldspieler sie auf Schritt und Tritt. Und wenn sich Robert Lewandowski etwas fallen ließ, stand ihm ein Verteidiger auf den Füßen.

Nicht immer ging diese Defensivtaktik auf. Teils öffnete die Fortuna durch diese mannorientierte Spielweise Lücken in der Abwehr, welche die Bayern-Spieler ausnutzen konnten – so wie Thomas Müller mit seinem Lauf vor dem Treffer zum 2:0. Auch nach der Pause konnten sich die Bayern-Angreifer zahlreiche Chancen herausspielen.

Doch der Fortuna gelang es zumindest über weite Strecken des Spiels, die Bayern vom eigenen Tor wegzuhalten. Nur selten gelangten die Bayern in die Räume im zentralen Mittelfeld. Diese versperrte Düsseldorf mit der mannorientierten Spielweise. Just dort eroberten sie kurz vor Schluss die entscheidenden Bälle, die zu den Kontern zum 2:3 und 3:3 führten.

2. Lukebakio war zu schnell für die Bayern-Defensive
Funkels Offensivplan war wesentlich simpler als sein Defensivplan. Es war eine Adaption des berühmten Frankfurter Stils aus dem Pokal-Finale: »Bruda, schlag den Ball lang!« Nur dass bei der Fortuna nicht Ante Rebic, sondern Dodi Lukebakio diese langen Bälle erlaufen sollte.

Lukebakio, ansonsten meist als Außenstürmer eingesetzt, war von Defensivaufgaben weitestgehend befreit. Er verblieb in der gegnerischen Hälfte. Nach Ballgewinnen suchte er sofort den Weg hinter die gegnerische Abwehr. So simpel dieser Plan war, so effektiv funktionierte er auch: Bei allen drei Treffern sprintete er seinem Gegenspieler davon. Lukebakios Dreierpack war historisch: Noch nie zuvor war dies einem Bundesligappieler in der Allianz Arena gelungen.