Keine Hand­schuhe“, erklärte Essam El-Hadary an seinem zweiten Arbeitstag beim ägyp­ti­schen Zweit­li­gisten Dami­etta. Dort hatte der Schrei­ner­sohn tags zuvor sein erstes Paar Tor­wart­hand­schuhe erhalten und frem­delte noch mit dem Werk­zeug, das ihn Jahr­zehnte lang begleiten sollte. Mit blanken Händen stellte sich der damals 17-Jäh­rige zwi­schen die Pfosten, so wie er es gewohnt war.

El-Hadary hat früh gelernt, sich die Hände schmutzig zu machen. Als Jugend­li­cher wusch er seine dre­ckigen Sport­kla­motten in einem Fluss, um vor seinen Eltern zu ver­heim­li­chen, dass er Fuß­ball spielte. Sein Vater hatte ihm schließ­lich zwei Optionen gegeben: Ent­weder du wirst gut in der Schule oder du wirst gut im Möbel­ma­chen.“

Der ägyp­ti­sche Buffon

Statt­dessen wurde der mitt­ler­weile 45-Jäh­rige, der bei der Welt­meis­ter­schaft in Russ­land zum ältesten Spieler der WM-His­torie werden könnte, die prä­gendste Tor­wart­figur des Landes: Der ägyp­ti­sche Buffon“. Die beiden Schluss­männer ver­bindet nicht nur die lange Lauf­bahn und das schwarze Haupt­haar, son­dern auch die ver­ein­nah­mende Per­sön­lich­keit.

Weder Freund noch Feind können sich der Prä­senz des bul­ligen Ägyp­ters auf dem Feld ent­ziehen. Zwi­schen­zeit­lich blieb er im Natio­nal­trikot zehn Stunden und 53 Minuten ohne Gegentor. Dass El-Hadary bei der Welt­meis­ter­schaft spielen wird, ist sehr wahr­schein­lich. Immerhin ist der Kapitän der Pha­raonen“ neben Mohamed Salah Ägyp­tens größte Erfolgs­ga­rantie.

Drogbas Nemesis

Viermal hat der 1,88 m große Keeper die Afri­ka­meis­ter­schaft gewonnen: 1998, 2006, 2008 und 2010. Im Finale von 2006 – aus­ge­tragen in Kairo – ent­zau­berte El-Hadary die gol­dene Genera­tion der Elfen­bein­küste quasi im Allein­gang. Dabei ver­steckte er seine mus­kel­be­packten Beine, die ihm in Anleh­nung an den ägyp­ti­schen Assuan-Stau­damm den Spitz­namen hoher Damm“ ein­brachten, unter einer langen, dun­kel­blauen Tor­wart­hose.

Die Ärmel seines Tri­kots bis über die Ell­bogen hoch­ge­krem­pelt, fischte El-Hadary im Elf­me­ter­schießen die Straf­stöße von Bakari Koné und Didier Drogba weg. Zuvor hatte er die Ivorer schon in der regu­lären Spiel­zeit zur Ver­zweif­lung getrieben. Das ist der beste Tor­wart, gegen den ich je gespielt habe“, kon­sta­tierte ein ent­nervter Drogba später.