Seite 2: Wie RWE vom Virus eingeholt wurde

Warum mag er Essen? Weil die Men­schen hier ein biss­chen asi sind”, sagt Hahn, und ich bin auch ein biss­chen asi.” Dann lacht er und fragt, ob er noch etwas zu trinken holen soll. Er trägt eine dicke Canada-Goose-Jacke, Hugo-Boss-Shirt, Off-White-Sneaker. Dazu Seiten frisch. Läuft bei dir, Brudi.

Ali Hahn deutet auf einen Ober­hau­sener Ver­tei­diger: Zu dem muss der Ball, der weiß nicht, was er damit machen soll.” Doch das Anlaufen funk­tio­niert nicht. Ober­hausen lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und der Ver­tei­diger, der den Ball bekommen soll, bekommt ihn nicht. Immer häu­figer schaut Hahn auf sein Handy – Ergebnis-App: Verl hat früh gegen Schalke II getroffen. Unten auf dem Platz schenken sich die beiden Rivalen nichts. Es ist ein gutes Spiel, viele Zwei­kämpfe, aber im letzten Drittel pas­siert nichts. Wir sind tot”, flüs­tert Hahn und dann brüllt er: Junge, warum schießt du nicht?!” Die Chan­cen­ver­wer­tung ist ein Grund­pro­blem der Essener in dieser Saison. Der Abwehr­chef rutscht ein Stück den Sessel hin­unter, wie ein Fan, der machtlos mit­an­sehen muss, wie sein Klub ver­liert. Und es ist, als hätte ihn unten auf dem Platz jemand gehört. Der Ball kommt zu Oguzhan Kefkir, der schießt ein­fach. 1:0! Hahn streicht über sein Handy: Jetzt sind es weiter fünf Punkte. Und das direkte Duell gegen Verl kommt auch noch.

Das Virus ist da!

Denkste. An einem Don­nerstag im März liegt Ali Hahn auf der Couch, es geht ihm nicht so gut. Dann klin­gelt das Handy: Das Spiel gegen Schalke II fällt aus. Das Virus ist in Deutsch­land.

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Max Slo­bodda

Wie geht’s weiter?

In allen Ligen wird fortan dis­ku­tiert, wie wieder gespielt werden kann. Was Sinn ergibt. Der Regio­nal­ver­band im Westen ent­scheidet, dass der SC Verl als Tabel­len­zweiter die Rele­ga­tion spielen darf. Die Ver­ein­füh­rung von RWE hatte ver­geb­lich darauf gedrängt, den Rele­ga­ti­ons­teil­nehmer zwi­schen den best­plat­zier­testen Mann­schaften aus­zu­spielen. 

Wir hatten die Hoff­nung, in die Rele­ga­tion zu kommen“, sagt Hahn und blickt aufs leere Spiel­feld. Wir waren gut drauf.“ Aus der Frage Wann, wenn nicht jetzt?“ ist ein Was, wenn nicht das?“ geworden. Hahn geht in die Kabine und räumt seine Schub­lade leer, gibt alte Trai­nings­kla­motten beim Zeug­wart ab. Die Team­kol­legen flachsen herum, einige werden in der neuen Saison nicht wie­der­kommen. Aber man muss ja mal lachen. Auch wenn alles Wahn­sinn ist.

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