Sandro Wagner
Der Vor­teil des Ere­miten ist ja, dass er voller Inbrunst behaupten darf, der geilste Typ zu sein, dem er in letzter Zeit begegnet ist. Der Ein­zige, der da gesichts­ver­lust­frei mit­halten kann: Sandro Wagner. Weil: 14 Tor­be­tei­li­gungen in den ver­gan­genen 14 Spielen! Wenn Jogi Löw nicht zumin­dest dar­über nach­denkt, Darm­stadts Stürmer in das Vor­be­rei­tungs-Trai­nings­lager auf die EM in Frank­reich mit­zu­nehmen, hat er Nivea auf den Augen. Denn wer hat 2009 (U21 hin oder her) mit drei Toren den letzten EM-Titel der DFB-Geschichte sicher­ge­stellt? Eben! Zumal Wagner inzwi­schen sogar Dop­pel­pässe spielt. Dop­pel­pässe! Wagner! Übri­gens: Wenn die Bay­reu­ther Fest­spiele in der kom­menden Saison den Sieg­fried nicht in Sandro umbe­nennen, ist die Oper für uns auch gestorben.

Kevin Kampl
Der Preis für den besten Kurz­ar­beiter des Spiel­tags geht diese Woche an Lever­ku­sens Kevin Kampl. Ein­ge­wech­selt in der 70. Minute, brauchte er exakt eine Ball­be­rüh­rung, um das bis dahin so tap­fere Frank­furter Boll­werk in Adler­a­sche zu legen. Betei­ligte sich anschlie­ßend auch noch am 2:0. Dabei war Kampl noch vor seinem ersten Ball­kon­takt ein Preis unbe­stritten gewiss – der für die besten Spe­cial Effects des Wochen­endes. Er selbst nennt es übri­gens ein­fach nur Frisur.

Robert Lewan­dowski
Seit 300-irgendwas Minuten hatte Robert Lewan­dowski nicht mehr ins Tor getroffen. Gut, andere Stürmer treffen über­haupt nur alle 300-irgendwas Minuten. Aber für Bay­erns Super­Su­per­Über­Über-Stürmer ist der Tor­jubel ver­mut­lich tat­säch­lich so essen­ziell wie einem 11FREUNDE-Redak­teur die Dusche – einmal die Woche muss schon. Und weil Zweifel oft ver­zwei­feln lassen, soll der Pole ja sogar Blech­schäden ver­ur­sacht haben. Ein­fach, um über­haupt mal wieder irgendwas zu treffen. Gut, dass Lewan­dowski am Samstag gleich einen Dop­pel­pack schnürte. Mün­chens Auto­fahrer hupen erleich­tert auf.

Wal­demar Anton
Was dem Ruhr­ge­biet die Trink­halle“, dem Rhein­land das Büd­chen“ und den Ber­liner der Späti“ ist, ist dem Han­no­ve­raner der Kiosk“. Und wie stolz sie auf ihre aus­ge­prägte Kiosk-Land­schaft sind in Nie­der­sach­sens Lan­des­haupt­stadt! Eine eigene App haben sie den Alles­kön­nern des Ein­zel­han­dels gewidmet. Stolz führen sie ihre Gäste von Gral zu Gral. Jeder der Besitzer min­des­tens Legende: Machete“, Lausen“ oder Schotti“. Bezeich­nend, dass sie pünkt­lich zum Ver­eins­ju­bi­läum in Rich­tung Glück geschossen wurden von einem, der ziem­lich genau so heißt, wie Han­nover dann ohne Ver­klä­rung tat­säch­lich aus­sieht: Wal­demar. Und der beim 1:0‑Führungstreffer alles zeigte, was einen guten Kiosk aus­zeichnet: Da sein, wenn es drauf ankommt. Wei­ter­ma­chen.

Daniel Stendel
Was denn der größte Unter­schied zwi­schen der U19 und der Bun­des­liga sei, wurde Han­no­vers Inte­rims­trainer Daniel Stendel ver­gan­gene Woche gefragt. Die Laut­stärke“, ant­wor­tete der. Und kurz war man geneigt zu rät­seln, ob der gute Mann denn nun ein­fach nur meint, dass die schiere Mehr­zahl an Zuschauern ihm das Ver­stehen erschwere (und wie so etwas in Kin­de­stan sein kann?). Oder ob er damit nicht auch ein sub­tiles Fanal gegen die Über­hö­hung des Bun­des­liga-Zirkus‘ ver­ar­gu­men­tierte. Doch dann betrach­tete man diesen durch und durch sym­pa­thisch anmu­tenden Men­schen, der ob der Größe der neuen Bühne nicht einmal recht den Augen­kon­takt zu seiner Gesprächs­part­nerin halten konnte, und meinte zu wissen: Es ist ein­fach alles noch ein biss­chen viel und neu für ihn.

Ehe er nach seinem Debüt-Punkt beim Tabel­len­dritten aus Berlin nun auch noch den ersten Han­no­ve­raner Heim­sieg seit Doris Köpf gegen Hillu Schröder holte. Mithin mit einer Leis­tung, die Han­nover vor noch zwei Wochen nur zutraute, wer auch sonst keine Freunde hat. Und die Gründe genug lie­ferte, bei Daniel Stendel in Zukunft etwas genauer zuzu­hören.

Fin Bar­tels
Das Leben ist kom­pli­ziert. Zum Glück gibt es einige unum­stöß­liche Wahr­heiten, die uns wie Leit­planken durch das Chaos leiten. Mit Musik ist alles besser. Das nächste Spiel ist immer das schwerste. Und Men­schen die Fin heißen, sind nie­mals Arsch­lö­cher. Gilt natür­lich auch für Wer­ders Fin Bar­tels, den man selbst dann irgendwie mag, wenn man Bremen so sym­pa­thisch findet wie den neuen Freund der Ex-Frau. Der sie neu­lich mit diesem bri­ti­schen Sport­wagen vom Schei­dungs­richter abge­holt hat. Den man sich nicht einmal im Maß­stab 1:Träumchen leisten kann. Ganz zu schweigen davon, dass er aus­sieht, wie man immer aus­sehen wollte, als man mit Foto zum Fri­seur ist, ganz heim­lich, da man ja eigent­lich immer behauptet, nur kürzer“ zu wün­schen.

Aber wir driften ab. Fin Bar­tels also. Traf erst den Pfosten, war dann am Ent­stehen des Elf­me­ters betei­ligt und wemmste schließ­lich selbst ein Tor ins Glück. Wirkte dabei mal wieder wie einer von uns, einer, mit dem man gern ein Bier­chen trinken und über den Freund der Ex-Frau abläs­tern würde. Aber Wolfs­burg besiegen reicht für’s Erste auch.

Zlatko Junu­zovic
Kon­ge­nialer Kom­pa­gnon Bar­tels‘: Zlatko Junu­zovic. Dreht in der Rück­runde trotz aller Werder-Sorgen auf, wie eine Spieluhr, betrieben von einem Hulk mit ADHS. Neun Tor­vor­lagen sind es inzwi­schen. Zum Ver­gleich: In der Hin­runde begnügte sich der öster­rei­chi­sche Fili­gran mit nur zwei Assists. Gegen Wolfs­burg waren es derer drei. Bei drei Werder-Toren. Das nennt man hun­dert­pro­zentig. Oder in Bremen: zlat­ko­siert. Ganz nebenbei ist Junu­zovic ja auch so einer, mit dem wir gern mal ein Bier trinken würden, weil er ein­fach derbe kor­rekt wirkt. Was die Frage auf­wirft: Viel­leicht sind wir ja doch Werder-Fan? Oder wir trinken ein­fach gern Bier.

Alfred Finn­bo­gason
Bal­lerte sich mit seinem 1:0‑Siegtreffer gegen den VfB Stutt­gart zum Sig­t­horsson ehren­halber“: Alfred Finn­bo­gason. Augs­burgs Isländer dadurch mit nun­mehr vier Tref­fern in den ver­gan­genen fünf Spielen. Ein flei­ßiger Jäger und Sammler also, der sich vor­rangig von Tor­jubel zu ernähren scheint. Wie ein Panda von Bambus. Apropos. Auf islän­disch heißt Panda Bam­busbjörn“. Auch ein guter Name für einen Preis also, den man Finn­bo­gason ver­leihen könnte. Nur für den Fall, dass der den Sigh­torsson ehren­halber“ nicht annimmt. Und ehe aus ihm wegen man­gelnder Aner­ken­nung noch ein Weg­gehson“ wird.

Mark Uth
Im Rhein-Neckar-Kreis, das wissen ja die wenigsten, herr­schen ab kom­mender Saison neue Regeln. So bildet sich der Kom­pa­rativ von gut“ dem­nächst wie folgt: gut, besser, uth. Wenden wir das gewon­nene Wissen doch gleich einmal an, hier im Tele­kolleg Deutsch für Babos“: Fünf Tore in zehn Spielen unter dem neuen Trainer Julian Nagels­mann ist zwar im Bun­des­liga-Ver­gleich noch nicht uth, kann sich aber wirk­lich sehen lassen.“ Oder im Gespräch: Gegen Hertha war Fabian Schär für mich uth.“ — Schär war schon gut, aber für mich war Mark Uth uth.“ Eigent­lich ganz ein­fach.

Kar­neval
Die Kar­ne­vals-Saison glich in diesem Jahr der von Han­nover 96. Man hatte sich so darauf gefreut, und dann kam alles anders. Terror, Unwetter und umstrit­tener Humor sorgten für schlechte Laune und aus­ge­fal­lene Rosen­mon­tags­züge. Holen wir nach, dachten sich offenbar Mainz 05 und der 1.FC Köln und stellten ein Spiel in den späten Sonntag, bei dem es mehr Tor­chancen reg­nete denn Kamelle beim Ber­liner Fasching. Und bei dem Alaaf“ über Helau“ gewann und das Kölner Drei­ge­stirn aus Marcel Risse, Milos Jojic und Anthony Modeste schlu­ßend­lich die Ober­hand gegen­über dem Mainzer Prin­zen­paar Jhon Cor­doba und Leon Balougn behielt. Wir können mit Kar­neval zwar unge­fähr so viel anfangen, wie Ivan Drago mit einem Tütü. Gehen nächstes Jahr trotz trotzdem – als dieses Spiel.

Adrian Ramos
So richtig warm geworden schienen Adrian Ramos und Dort­mund bisher nie. Dabei ist der Kolum­bianer sogar besser als Robert Lewan­dowski und Pierre-Eme­rick Aub­ameyang. Zumin­dest was die Quote von Minuten pro Tor anbe­langt: Alle 78 Minuten gelingt Ramos in dieser Saison ein Treffer – Liga­best­wert. Und auch gegen Ham­burg gelangen ihm zwei Treffer, die bewiesen, wie kom­plett er eigent­lich ist. Dem wun­der­schönen Schlenzer zum 2:0, der selbst Hockey-Fans einen Schlag­an­fall der Rüh­rung ans Herz brachte, folgte ein Abstauber in bester Müller-Manier zum 3:0. Was aus Dort­mund und Ramos erst wird, wenn sie richtig warm mit­ein­ander werden. Ver­mut­lich #Ech­te­Liebe.