Seite 2: Ein Ausdruck der Überforderung

Das Spiel am Mitt­woch­abend aber ver­fes­tigte den Trend der ver­gan­genen beiden Jahre end­gültig zur Gewiss­heit: Dass Union Hertha nur tabel­la­risch über­holt hat, ist nicht mehr nur eine Moment­auf­nahme. Der Empor­kömm­ling aus dem Süd­osten der Stadt hat den satten und fast selbst­ge­fäl­ligen Platz­hirsch erst einmal abge­hängt.

Union hatte an diesem Abend all das, was Hertha fehlt und Hertha gerne hätte: einen Plan, eine Struktur, eine funk­tio­nie­rende Mann­schaft und die Über­zeu­gung in die eigene Stärke. Letzt­end­lich haben wir es nicht ver­dient heute“, sagte Trainer Korkut. Dass Hertha am Ende auf 63 Pro­zent Ball­be­sitz kam, war alles andere als ein Qua­li­täts­merkmal. Es war vor allem Aus­druck der Über­for­de­rung.

Die ersten 30 Minuten gegen Union erin­nerten an die ersten 30 Minuten am Wochen­ende in Wolfs­burg, als Hertha offensiv auch so gut wie gar nicht statt­ge­funden hatte. Der Wille, aktiver bei der eigenen Spiel­ge­stal­tung zu werden, ist vor­handen; er stößt mit dem vor­han­denen Kader jedoch schnell an Grenzen. Gegen Union wirkte vieles zufällig. Bei der ersten offen­siven Annä­he­rung nach exakt einer halben Stunde und einer Serie von Tor­schussver­su­chen fehlte eigent­lich nur die in Comics übliche Unter­ma­lung mit Zack! Ding! Boing! Bumm!

Die Fehler bei Hertha wie­der­holen sich

Flan­kiert wird die Harm­lo­sig­keit in der Offen­sive von den peri­odisch auf­tre­tenden Aus­set­zern in der Defen­sive. Die Mann­schaft ist schlichtweg damit über­for­dert, vorne so viele Tore zu schießen, wie sie hinten kas­siert. Wir haben die Momente nicht im Griff“, sagte Korkut. Wenn man sich die Tore anschaut, dann waren die zu ein­fach. Das ist uns nicht zum ersten Mal pas­siert.“

Tat­säch­lich war Unions erstes Tor im Grunde eine natur­ge­treue Kopie des ersten Kölner Tores bei der 1:3‑Niederlage zum Auf­takt der Rück­runde: Auch da war Her­thas Defen­sive mit einem langen Ball die Sei­ten­linie ent­lang auf denkbar simple Weise aus­ge­he­belt worden. Die Unioner wussten, dass es hinter Her­thas letzter Kette viel Platz gab. Viel­leicht aus dem Köln-Spiel.

Das sind Momente, die letzt­lich das Spiel ent­scheiden“, sagte Korkut. Auf die müssen wir achten.“ Vor allem sind es immer noch zu viele Momente.

Vor dem 0:2 verlor erst Boyata ein Kopf­ball­duell gegen Max Kruse, dann rutschte er auf dem Rasen weg. Das 1:3 – pas­sen­der­weise nur Sekunden nach Her­thas Anschluss­treffer – resul­tierte aus einem Frei­stoß der Gäste, nach dem Robin Knoche nahezu unbe­hel­ligt ein­schießen konnte.

Tayfun Korkut sagte: Wir haben einiges zu bespre­chen.“ Das stimmt wohl. Mit wenigen Momenten dürfte es jeden­falls nicht getan sein.

Dieser Artikel erscheint im Rahmen unserer Koope­ra­tion mit dem Tages­spiegel.