Im Sep­tember hatte die Ver­gan­gen­heit des hol­län­di­schen Fuß­balls ein erstes Date mit der Zukunft. Es dau­erte nur eine Vier­tel­stunde, und es wird auch kein zweites mehr geben. Im Län­der­spiel gegen Peru ver­ließ Rekord­na­tio­nal­spieler Wesley Sneijder nach einer guten Stunde das Feld. In seinem 134. und letzten Län­der­spiel für die Elftal hatte er seit Beginn der zweiten Halb­zeit mit Frenkie de Jong auf dem Platz gestanden. Dessen Debüt im Natio­nal­team fiel mit Sneij­ders Abschied zusammen. Es war eine Ehre, noch mit dir spielen zu dürfen“, schrieb der 21 Jahre alte de Jong später bei Insta­gram. Viel­leicht wird er davon später mal seinen Enkeln erzählen. Viel­leicht ist es aber auch umge­kehrt. Viel­leicht wird Wesley Sneijder eines Tages seinen Enkeln erzählen: Stellt euch vor, ich habe noch mit Frenkie de Jong zusam­men­ge­spielt.

Das nächste große Ding

Der Mit­tel­feld­spieler von Ajax Ams­terdam gilt gerade als das nächste große Ding. Nicht nur im hol­län­di­schen, son­dern im Welt­fuß­ball. Alle euro­päi­schen Top­klubs sollen hinter ihm her gewesen sein, auch Bayern und Dort­mund. Der FC Bar­ce­lona hatte im ver­gan­genen Sommer erst 25 Mil­lionen Euro geboten, später 30; Tot­tenham wollte 50 Mil­lionen zahlen, Paris und Man­chester City mischten mit, jetzt zahlt Bar­ce­lona min­des­tens 75 Mil­lionen Euro. Gleich zweimal hat es de Jong inzwi­schen auf den Titel der spa­ni­schen Sport­zei­tung Marca“ geschafft. Mich wun­dert es nicht wirk­lich, dass um ihn so ein Hype ent­standen ist“, sagt der deut­sche Natio­nal­spieler Amin Younes vom SSC Neapel, der mit de Jong bis zum Sommer bei Ajax gespielt hat. Frenkie ist sehr ball­si­cher, kreativ, hat ein sau­beres Pass­spiel. Für einen zen­tralen Spieler bringt er dar­über hinaus ein enormes Tempo mit.“

Wenn man ihn sieht – schmale Schul­tern, stahl­blaue Augen, braver Sei­ten­scheitel, weiche Gesichts­züge -, käme man kaum auf die Idee, de Jong für einen Domi­nator auf dem Feld zu halten. Die Volks­krant“ aber sieht in ihm bereits das Symbol für die neuen Zeiten“ – weil er immer nach vorne denkt und, anders als bisher im hol­län­di­schen Fuß­ball üblich, Tiefe statt Breite sucht. Mit Frenkie de Jong kehrt die Krea­ti­vität ins Mit­tel­feld zurück“, hat die Zei­tung nach seinem Län­der­spiel­debüt geschrieben. De Jong ist anders, er ent­zieht sich den her­kömm­li­chen Kate­go­rien. Ist er nun ein offen­siver Sechser? Oder ein defen­siver Achter? Viel­leicht sogar ein stür­mender Ver­tei­diger? Frenkie kann tat­säch­lich so gut wie überall spielen“, sagt Amin Younes dem Tages­spiegel. Aber ich sehe ihn am ehesten auf der Sech­ser­po­si­tion, weil er über­ra­gend ist, wenn er das Spiel vor sich hat.“

Ris­kantes Spiel

Bei Ajax hat de Jong zeit­weise sogar als Innen­ver­tei­diger gespielt, aber das war nur eine vage Posi­ti­ons­be­schrei­bung. Am Ende lande ich sowieso im Mit­tel­feld“, sagt er. Dort fühlt er sich auch besser auf­ge­hoben und stärker als in der Abwehr. Der typi­sche Frenkie-de-Jong-Move sieht so aus: Ball annehmen, ihn am Gegen­spieler vor­bei­legen, kurzer Sprint – und schon tun sich neue Wege auf. Wenn er ins Dribb­ling geht, trägt de Jong ein Lächeln auf dem Gesicht. Man hat nicht das Gefühl, dass er in sol­chen Momenten in irgend­einer Weise gestresst ist, obwohl ihm sein ris­kantes Spiel durchaus Kritik ein­ge­bracht hat. Mir macht es ein­fach Spaß zu drib­beln“, ent­gegnet er seinen Kri­ti­kern. Fuß­ball muss doch auch Spaß machen und den Leuten Freude bereiten.“