Das gesamte Inter­view mit Stefan Bein­lich gibt es in der heute erschie­nenen 11FREUNDE-Aus­gabe. Darin geht es unter anderem um seine Jugend in Ost-Berlin, das Lever­ku­sener Desaster in Unter­ha­ching und die legen­däre Ros­to­cker Mann­schaft der Neun­ziger Jahre. Außerdem und unter anderem im Heft: Der Zer­fall des 1. FC Köln, die Finanz­pro­bleme der Dritt­li­gisten, der Ärger um Babels­berg 03 und ein Inter­view mit Stefan Kieß­ling. »> Zum Heft!


Stefan Bein­lich, als Sie 19 Jahre alt waren, wech­selten Sie gemeinsam mit Ihrem Kumpel Mat­thias Breit­kreutz vom Ber­liner Dritt­li­gisten Berg­mann-Borsig zu Aston Villa in die First Divi­sion. Wie kam es zu diesem Wechsel?

Wir waren einem Scout von Aston Villa im Trai­nings­lager in Hol­land auf­ge­fallen. In den Wochen danach hauten wir Frei­burg mit Volker Finke im DFB-Pokal raus und ich traf dop­pelt. In der nächsten Runde machte ich wieder zwei Tore. Weil auch Matze gut spielte, luden sie uns zum Pro­be­trai­ning nach Bir­mingham ein. Ein paar Tage später waren die Wechsel fix.

Die Zei­tungen schrieben von einem Som­mer­mär­chen. Sport­lich lief es in Eng­land aller­dings weder für Sie noch für Mat­thias Breit­kreutz so richtig rund.
Dabei war Matze gleich nach einer Woche in die Startelf der ersten Mann­schaft gerutscht und machte die ersten acht oder neun Spiele am Stück. Und er hatte sogar geniale Momente: Einmal, ich saß höchs­tens auf der Bank, wahr­schein­lich eher auf der Tri­büne, da lief sich rechts einer frei, aber Matze spielte den Ball, wäh­rend er auf den freien Mann rechts guckte, mit dem Außen­rist dia­gonal zu unserem linken Mit­tel­feld­spieler. Da stand das ganze Sta­dion. Ihm fehlte nur manchmal der letzte Biss. Trainer Ron Atkinson holte uns irgend­wann zu sich ins Büro und sagte: Der eine hat den Kopf, der andere den genialen Fuß – gemixt würdet ihr einen per­fekten Spieler ergeben.“

Jetzt sind wir etwas ver­wirrt. Sie hatten doch auch einen genialen Fuß?
Ich konnte auch kicken, das stimmt. Aber ich war damals kör­per­lich viel zu schwach. Die Eng­länder haben immer zu mir gesagt: Stef! You have to be stronger!“ Ich habe in Bir­mingham 70 Kilo­gramm gewogen. Als ich später mit Lever­kusen oder Hertha inter­na­tional spielte, waren es locker 77.

Immerhin machten Sie in drei Jahren für die erste Mann­schaft trotzdem 17 Spiele. Wer war der beste Gegen­spieler, auf den Sie dabei getroffen sind?
Ohne Zweifel: Eric Can­tona. Ein unfass­barer Fuß­baller. Als wir gegen Man­chester United spielten, stellte Ron Atkinson unseren Ver­tei­diger Earl Barrot gegen Can­tona, der sollte ihn 90 Minuten lang in Mann­de­ckung nehmen. Also ließ sich Can­tona ein­fach in die Vie­rer­kette fallen und spielte eine Art Innen­ver­tei­diger. Earl wusste über­haupt nicht, wie ihm geschah. Can­tona diri­gierte von hinten heraus die Partie, machte sein Tor und wir ver­loren. Bei ihm hat man gesehen, dass er es nicht nur in den Beinen hatte, son­dern auch im Kopf. Allein ihm zuzu­schauen, war eine Freude.

Der Fuß­ball in Eng­land galt damals als äußerst brutal. Haben Sie davon etwas mit­be­kommen?
Eine der ersten Sachen, die mir von meinen Team­kol­legen gesagt wurde, war: Wenn es gegen Vinnie Jones geht: Vor­sicht! Du musst immer genau den Über­blick behalten, von wo er kommt.“

Haben Sie immer den Über­blick behalten?
So weit ich mich erin­nere, hat mich zumin­dest nie übel erwischt (Lacht).

In der Pre­mier League gelang Ihnen genau ein Tor. War das wenigs­tens schön?
Das war sogar richtig schön! Gegen New­castle United – die 1:0‑Führung. Eine rich­tige Fackel, Volley aus 20 Metern. Ich bekam den Ball abge­legt, der tippte noch einmal auf und dann häm­merte ich ihn ins Eck. Nach 17 Minuten führten wir mit 1:0. Wollen Sie das Ergebnis wissen?

Gerne.
Wir haben 5:1 ver­loren. Das war das Jahr, in dem bei New­castle im Sturm Andy Cole und Alan Shearer wir­belten. Wir hatten das Team einmal kurz angepikt und dann wurden sie wohl etwas sauer.