Das Urteil der Kri­tiker vor zwei Jahren war klar: Die erste Amts­hand­lung des neuen Bayern-Trai­ners Pep Guar­diola würde es sein, Raf­inha auf die Trans­fer­liste zu setzen. Wel­cher Spieler passe schon weniger zu seinem Tiki-Taka? Ein Ersatz-Rechts­ver­tei­diger, der brav die Linie rauf und runter flitzt – so sahen – viele den Bra­si­lianer. Zwei Jahre später ist Raf­inha eine der wenigen Kon­stanten in Guar­diolas Bayern-Uni­versum, und das nicht nur wegen der zahl­rei­chen Weh­weh­chen in der letzten Saison. Denn der Trainer legte Facetten von Raf­inhas Spiel­weise frei, die vorher allen­falls zu erahnen waren.

Umschu­lung durch Guar­diola

Unter Guar­diola wurde der Bra­si­lianer vom Dau­er­läufer zum Kom­bi­na­ti­ons­spieler umge­schult. Mitt­ler­weile unter­drückt Raf­inha seinen Hang zum Sturm und Drang und posi­tio­niert sich auf dem Spiel­feld wesent­lich tiefer als in der Ver­gan­gen­heit. Der Grund dafür ist ein­fach: Er hat Guar­diolas Stil besser ver­in­ner­licht als manch anderer Spieler. So ist Raf­inha zu einer zen­tralen Figur in der für Guar­diola so wich­tigen Ball­zir­ku­la­tion in der eigenen Hälfte geworden. Unter Vor­gänger Jupp Heynckes spielte Raf­inha durch­schnitt­lich 37 Pässe pro Spiel – unter Guar­diola sind es mit 71 fast dop­pelt so viele.

Passen, sich frei­laufen, wieder zurück­passen, und das geduldig, bis sich eine Lücke auftut – Raf­inha hält das Spiel flach und schnell. Er hat zudem die nötige Ruhe am Ball, um die Kugel so lange in den eigenen Reihen zir­ku­lieren zu lassen, bis sich eine Lücke auftut. Eine Fähig­keit, die einem Xabi Alonso oder Bas­tian Schwein­s­teiger manchmal abgeht, was man dann an Guar­diolas wilden Fuch­tel­at­ta­cken am Spiel­feld­rand erkennt.

Eine neue Dimen­sion

An Raf­inha schätzt sein Trainer vor allem dessen Zuver­läs­sig­keit. Wäh­rend er sich im Trai­ning oft mit Thomas Müller zankt, weil der sich nicht immer ans Posi­ti­ons­spiel hält, gilt der Bra­si­lianer als Mus­ter­schüler. Er steht, wo er stehen soll, er läuft dorthin, wo er hin­laufen soll. Kurzum: Er tut das, was der Coach ihm auf­trägt. Das sieht selten spek­ta­kulär aus, aber genau diese ver­meint­lich lang­wei­lige Ver­läss­lich­keit sorgt dafür, dass andere Spieler den Wow-Effekt ein­streuen können.

Den Rit­ter­schlag bekam Raf­inha in der Rück­runde der ver­gan­genen Saison. Jah­re­lang abon­niert auf die Rechts­ver­tei­di­ger­po­si­tion, stellte er nun seine tak­ti­sche Fle­xi­bi­lität unter Beweis. Raf­inha lief sowohl als rechter als auch als linker Innen­ver­tei­diger in einer Drei­er­kette auf. Damit signa­li­sierte er auch dem letzten Kri­tiker, dass er nicht nur ein Außen­li­nien-Lang­läufer ist, son­dern ein ent­schei­dendes Ele­ment in Guar­diolas System.


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