Diego Demme, in einer Video­doku über Joshua Kim­mich besucht er seine alte Leip­ziger WG und findet im Keller ein Fahrrad von Ihnen. Was war da los?
Ich hatte mir damals so ein altes DDR-Fahrrad, ein Klapprad, zuge­legt und es nicht mehr wie­der­ge­funden. Nach drei Jahren kam raus, dass ich es bei Jo im Keller abge­stellt hatte. Er wohnte zusammen mit Yussi (Yussuf Poulsen) in einer WG, in der ich auch sehr oft war. Ich war quasi der dritte Mit­be­wohner.

Wie sah es in dieser WG aus? Gab es die typi­schen WG-Partys?
Das nicht. Eigent­lich war es ganz ordent­lich, was vor allem an Jo lag. Yussi hat gern mal seine Teller stehen lassen, aber Jo hat alles gema­nagt. So rich­tige Partys haben wir nicht geschmissen, wir sind eher viel draußen unter­wegs gewesen. Unsere Lieb­lings­an­lauf­stelle war die Kicker-Bar in Leipzig. Dort waren echte Cracks unter­wegs, Spieler mit spe­zi­ellen Hand­schuhen oder beson­derem Tapes an den Griffen. Bei man­chen hatte man das Gefühl, dass sie in ihrem Leben viel­leicht die ein oder andere Stunde zu viel in der Kicker-Bar ver­bracht haben.

Warum sind Sie beide immer wieder dorthin gegangen?
Wir waren tech­nisch natür­lich klar unter­legen, aber Jo hat diese Profi-Spieler mit seinen Mind games“ aus der Fas­sung gebracht. Er hat Sprüche gerissen und Witze wäh­rend des Spiels erzählt. So haben wir tat­säch­lich mal das eine oder andere Spiel gewonnen. Wir sind da beide auch sehr ehr­geizig. Kürz­lich waren wir mit unseren Freun­dinnen im Escape“-Room in Leipzig, in dem man Rätsel lösen muss, um die Räume ver­lassen zu können. Wir haben eine Rekord­zeit auf­ge­stellt. Ich weiß aber nicht, ob der Rekord inzwi­schen nicht schon wieder gebro­chen wurde.

Wie würden Sie Ihren Freund Joshua Kim­mich sport­lich ein­schätzen?
Er strahlt in jeder Situa­tion eine unglaub­liche Ruhe aus und findet Lösungen in Licht­ge­schwin­dig­keit. Auch unter Druck und in engen Zwei­kämpfen bringt er seine Pässe an den Mann. Ich finde das wirk­lich beein­dru­ckend. Hinzu kommt seine wirk­lich aus­ge­prägte Sie­ger­men­ta­lität. Er kann nicht ver­lieren.

Hat sich sein Spiel im Ver­gleich zu Ihrer gemein­samen Zeit in Leipzig ver­än­dert?
Jo ist tor­ge­fähr­li­cher geworden und hat auch jetzt viel mehr Tor­be­tei­li­gungen durch Vor­lagen. In Bedrängnis dreht er mit dem Ball auf, wech­selt die Seiten und ver­la­gert so das Spiel. Da hat er auf jeden Fall zuge­legt.

Sie spielen selbst im defen­siven Mit­tel­feld. Sehen Sie Kim­mich auch auf dieser Posi­tion?
Bis auf die Tor­hü­ter­po­si­tion kannst du ihn eigent­lich überall hin­stellen. Im Mit­tel­feld find ich ihn gut, weil er von dort das Spiel lenken kann. Wir beide haben auch schon immer für Mit­tel­feld­spieler geschwärmt. Früher haben wir uns vor den Spielen noch mal You­tube-Zusam­men­schnitte ange­schaut, ich von Andrea Pirlo, er von Xavi.

Wo sehen Sie noch Schwä­chen bei ihm?
Puh, da muss ich lange über­legen. Schreiben Sie mal: Er muss noch an seinem Bizeps arbeiten (lacht).

Gibt es etwas, womit er Sie außer­halb des Platzes nervt?
Wir fahren regel­mäßig gemeinsam mit unseren Freun­dinnen in den Urlaub. Wenn ich da mal lieber eine Stunde Well­ness machen will, scheucht er uns schon wieder hoch auf irgend­einen Berg – er hat ein­fach Hum­meln im Hin­tern. Aber es ist immer lustig mit ihm.

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Das kom­plette Por­trät über Joshua Kim­mich lest ihr in der aktu­ellen 11FREUNDE #214. Das Heft gibt es ab Don­nerstag überall im Handel und direkt bei uns im Shop. Ihr könnt die Aus­gabe auch im App-Store (iPhone, iPad) oder im Google-Play-Store (Android-Geräte) kaufen.