Peter Stöger ist nicht mehr Trainer des 1. FC Köln. Ein acht­bares Unent­schieden auf Schalke konnte seinen Job nicht mehr retten. Wie auch? Der Abschied des Öster­rei­chers stand schon vor der Bun­des­liga-Partie fest. Einzig das Ergebnis sorgte für ein kurzes Zögern bei den den FC-Bossen. Wie kann man den Fans das bloß bei­bringen? Auf einer außer­or­dent­li­chen Pres­se­kon­fe­renz am Sonn­tag­mittag been­deten FC-Prä­si­dent Werner Spinner und Geschäfts­führer Alex­ander Wehrle end­lich die pein­liche Posse. Doch die Tren­nung offen­barte vor allem eines: In Köln droht der Rück­fall in alte Zeiten. Viel­leicht sind sie auch schon da.

Sport­lich gibt der Effzeh in dieser Saison frei­lich ein desas­tröses Bild ab. Nach 14 Bun­des­li­ga­spielen stehen die Rhein­länder noch ohne Sieg da. Drei Unent­schieden, elf Nie­der­lagen. Dazu ein unter­ir­di­sches Tor­ver­hältnis von 6:27. Der Klub hat einen his­to­risch schlechten Sai­son­start hin­ge­legt, der Abstieg scheint Wochen vor Weih­nachten kaum noch auf­zu­halten. So weit, so schlecht.


Von Liga zwei in die Europa League
Trotz alledem genoss Peter Stöger bis zuletzt großen Rück­halt bei den Fans. Und zwar zu Recht: Seitdem der Wiener vor vier ein halb Jahren den 1. FC Köln als Zweit­li­gisten über­nommen hatte – und dafür die Cham­pions League mit Aus­tria Wien sausen ließ – ging es sport­lich steil nach oben. Zum ersten Mal seit 25 Jahren führte der Öster­rei­cher die Dom­städter wieder ins inter­na­tio­nale Geschäft und machte sich bei den Fans damit unsterb­lich. Auch in Zeiten der Krise war sein Kredit bei den Anhän­gern längst noch nicht ver­braucht. Im Vor­stand aller­dings schon.


Dass der Trainer eines abge­schla­genen Tabel­len­letzten zur Dis­po­si­tion steht? Keine Frage. Dass Peter Stöger durchaus auch schon deut­lich früher hätte beur­laubt werden können, viel­leicht sogar müssen? Selbst­re­dend. Den­noch muss man sich über den Zeit­punkt der Ent­las­sung doch sehr wun­dern. Nach einem 2:2 auf Schalke den Trainer zu schassen, wenn der Klub zuvor nur zwei mick­rige Pünkt­chen auf dem Konto hatte, auf die Idee muss man erst Mal kommen. Doch mit genau diesem Ergebnis hat man im Vor­stand eben nicht gerechnet. Und so zog sich die Ent­las­sung unwürdig lange.


Fal­sches Timing
Schon am Freitag stand intern fest: Es wird Stö­gers letztes Spiel als Chef­trainer sein. Mitt­ler­weile ist durch­ge­si­ckert: Auch der Trainer wusste davon. Der Vor­stand um Werner Spinner, Toni Schu­ma­cher und Markus Rit­ter­bach war offenbar end­gültig mit der Geduld am Ende. Dumm nur, dass die Ent­schei­dung schon zuvor im Kölner Bou­le­vard-Blatt Express“ zu lesen war. Wie Werner Spinner später schil­derte, soll sich zuvor auch Stefan Ruthen­beck ver­plap­pert haben und hatte sich schon früh­zeitig von seiner Mann­schaft, der Kölner U19, ver­ab­schiedet. 


Doch mal abge­sehen vom mehr als ungüns­tigen Zeit­punkt bei Stö­gers Raus­wurf – am Don­nerstag hat der FC in Bel­grad die ein­ma­lige Chance, sich in der Europa League zu den besten 32 Teams zu gesellen – ist die Ent­schei­dung als solche zumin­dest umstritten. Der Klub hat sich damit jeden­falls gegen das Frei­burger-Modell“ ent­schieden. Ähn­lich wie im Fall von Chris­tian Streich, hätte man mit Stöger wei­ter­ma­chen können, not­falls auch in der zweiten Liga. Denn Stöger gehörte schon fast so sehr zum Kölner Inventar, wie der Dom selbst. Einen bes­seren Trainer wird man so schnell nicht finden. Egal ob er Markus Anfang, Armin Veh oder Sebas­tian Kehl heißen wird. Oder ganz anders.