Seite 2: Dortmund variiert - und verliert

3. Trotz Füh­rung: BVB ohne Mut

So furios der BVB begann, so schnell ließ er auch wieder nach. Nach nicht einmal fünf­zehn Minuten ver­än­derte der BVB seine Stra­tegie kom­plett: Die gesamte Mann­schaft zog sich im 5−2−3 in die eigene Hälfte zurück. Bay­erns Innen­ver­tei­diger bekamen keinen Druck mehr.

Die Bayern konnten nun ihr typi­sches Ball­be­sitz-Spiel auf­ziehen. Die Innen­ver­tei­diger suchten Joshua Kim­mich, der Natio­nal­spieler ver­teilte die Kugel auf die Außen. Hier suchten die Bayern Eins-gegen-Eins-Duelle. Nach Ball­ver­lusten zogen sich die Bayern sofort zusammen, und sie eroberten die Kugel direkt wieder zurück.

Das lag nicht zuletzt an den Dort­mun­dern. Die Gäste stellten jeg­liche Kon­ter­be­mü­hungen ein; wie ein Kanin­chen lau­erten sie vor der Schlange. Das 1:2 steht sym­pto­ma­tisch für die feh­lende Vor­wärts­be­we­gung: Der BVB erobert den Ball in der eigenen Hälfte. Kein Spieler startet nach vorne. Mohammed Dahoud spielt einen ambi­ti­ons­losen langen Ball. Die Abwehr rückt nicht heraus. Sofort sind die Bayern wieder am geg­ne­ri­schen Straf­raum. Kein BVB-Ver­tei­diger stellt den ball­füh­renden Spieler. Am Ende ver­liert Nico Schulz das Eins-gegen-Eins-Duell – und die Bayern glei­chen aus, ohne vorher groß­ar­tigen Fuß­ball zele­briert zu haben. Die tiefe Ver­tei­di­gung wog den BVB in fal­sche Sicher­heit.

4. Ter­zics Ideen gehen nicht auf

BVB-Inte­rims­coach Edin Terzic ver­suchte, von außen auf seine Mann­schaft ein­zu­wirken. Kurz vor Ende der ersten Halb­zeit beor­derte er Emre Can aus der Innen­ver­tei­di­gung ins Mit­tel­feld. Doch auch im 4−5−1 übten die Dort­munder wenig Druck auf den Gegner aus.

Nach der Pause nahm Terzic seinen Dop­pel­tor­schützen Erling Haa­land nach einem Foul durch Jerome Boateng aus dem Spiel. Ein kleiner Schlag, aber das war nicht das Pro­blem“, viel­mehr wäre Belas­tungs­steue­rung der Grund der Aus­wechs­lung gewesen. Der Ver­such, Haa­lands Ersatz­mann Steffen Tigges mit langen Bällen zu füt­tern, ging indes schief.

So zog sich der BVB in der letzten halben Stunde kom­plett an den eigenen Straf­raum zurück. Es wie­der­holte sich das Muster der ersten Halb­zeit. Bayern legte sich den Gegner zurecht und erzielte die ent­schei­denden Tore.

5. Der BVB ist nicht die Nummer zwei

Es ist nicht die Spiel­zeit des Ball­spiel­ver­eins aus Dort­mund. Ange­sichts einer lang­an­hal­tenden Krise und einiger Ver­letz­ten­sorgen dürfte kaum ein Dort­munder ent­täuscht sein über die 2:4‑Niederlage. Der Sieg des Triple-Sieger schien bereits vor Anpfiff beschlossen.

Das Pro­blem: Der BVB spielte exakt so, als sei nichts anderes gegen die Bayern ein­ge­plant als eine Nie­der­lage. Nach der 2:0‑Führung hatte er alle Trümpfe in der Hand. Die Bayern wackelten, wirkten ins­be­son­dere auf der rechten Seite instabil. Doch statt weiter vorne drauf­zu­gehen, zog Dort­mund sich an den eigenen Straf­raum zurück.

Am Ende gab der BVB vier Tor­schüsse ab, so wenige Schüsse ver­zeich­nete gegen die Bayern nur Schalke in dieser Bun­des­liga-Saison. Die Bayern wie­derum erar­bei­teten sich Chancen, die nach Expected Goals zu 2,9 Toren hätten führen dürfen. Das war ihr höchster Wert seit dem 14. Spieltag gegen Mainz, und der fünft­höchste Wert über­haupt in dieser Saison.

Dass der BVB gegen Bayern nicht gewinnt – geschenkt. Dass er sich bei der Nie­der­lage schlechter anstellt und weniger offensiv auf­tritt als viele andere Bun­des­li­gisten, unter­streicht aber: Der BVB ist diese Saison weit davon ent­fernt, die zweite Kraft in Deutsch­land sein.