Manuel Fried­rich
An dieser Stelle sollte heute eigent­lich hcirdeirF leunaM stehen, denn nach der Bekannt­gabe der Dort­munder Auf­stel­lung am Samstag gingen wir fest davon aus, dass die ver­sam­melten All-Stars der Bay­ern­of­fen­sive Dort­munds reak­ti­vierten Früh­rentner gna­denlos auf Links ziehen würden. Tat­säch­lich quer­schlä­gerte sich Fried­rich mit Ach und Krach durch die ersten zehn Minuten und wackelte mit­unter bedenk­li­cher als Miley Cyrus bei den MTV Movie Awards; er fing sich aller­dings recht schnell und spielte nach seinen anfäng­li­chen Pro­blemen dann eine wirk­lich solide Partie. Klar, 0:3 ist jetzt nicht unbe­dingt eine Bewer­bung für die WM, es sei aber ange­merkt, dass Fried­rich an den Toren unschuldig war. Und außerdem: Wenn man zuletzt pro­be­halber in Thai­land gekickt und sich dann bei Rot-Weiß Ober­hausen fit gehalten hat, kann man eigent­lich schon froh sein, wenn man sich noch unfall­frei die Schuhe schnüren kann.

Mario Götze
Die Rück­kehr des ver­lo­renen Sohnes nach Dort­mund war das absolut beherr­schende Thema des Spiel­tags. Von bibli­schen Aus­maßen war dabei vor allem das unglaub­liche Pfeif­kon­zert bei Götzes Ein­wechs­lung, das den ein oder anderen bedau­erns­werten Hund im Groß­raum Dort­mund in die Taub­heit und/​oder Wahn­sinn getrieben haben dürfte. Viel­leicht das ein­drucks­vollste Pfeif­kon­zert seit Jethro Tull in den Sieb­zi­gern. Götze selber sorgte aller­dings recht schnell für Ruhe auf den Rängen, als er kurz nach seiner Ein­wechs­lung das 1:0 mar­kierte. Eine wei­tere jener Ausgerechnet“-Geschichten und ein wei­terer Beweis dafür, dass dieser Sport manchmal ein­fach wirk­lich nicht zu fassen ist.

Arjen Robben
Dass Götze ein gelun­genes Come­back in Dort­mund feiern konnte, lag auch an Arjen Robben. Der Hol­länder mit der wind­schnit­tigen Frisur und dem Spray-Paint-Trikot war am Samstag der beste Mann auf dem Platz, spä­tes­tens mit seinem Sah­n­e­lupfer zum 2:0 war der deut­sche Cla­sico ent­schieden. In dem ein oder anderen Dort­munder Alp­traum dürfte Samstag Nacht ein kleiner, wen­diger Außen­stürmer auf­ge­taucht und nach Innen gezogen sein, ein Tor erzielt haben und sich anschlie­ßend mit dem Cham­pions-League-Topf über dem Schädel vor einer Seven Nation Army“ blö­kenden Bay­ern­kurve feiern lassen. Schmerz­haft für alle Dort­munder, aber Robben ist der­zeit viel­leicht in der Form seines Lebens. Als das Geschenk der Bayern an die Bun­des­liga“ bezeich­neten wir ihn im Nach­gang des Spiels. Den Dort­mun­dern sei trös­tend gesagt: Über ein Geschenk muss man sich nicht immer freuen.

Die Span­nung
Aus aktu­ellem Anlass nehmen wir heute die Span­nung in unsere 11 des Spiel­tags auf, schlicht und ein­fach weil es die letzte Mög­lich­keit ist, dies noch zu tun. Nach dem 3:0 der Bayern in Dort­mund ver­ab­schiedet sich die Span­nung näm­lich bereits am 13. Spieltag in die Som­mer­pause, um 2014/15 wieder für einige wenige Wochen die Liga zu berei­chern, bevor der FCB mit seinem Fan­tasie-Team dann erneut das zarte Pflänz­chen Aus­ge­gli­chen­heit gna­denlos abmäht. Da kann Mat­thias Sammer wei­terhin mah­nend den Zei­ge­finger wedeln: Die Meis­ter­schaft, seien wir mal ehr­lich, ist gelaufen. Wir werden sams­tags um 15:30 also ab sofort die Redak­ti­ons­wand angu­cken, end­lich den Malen-nach-Zahlen-Kurs belegen, den wir schon so lange machen wollen, oder die Zeit nutzen, um end­lich mal die Wände des Redak­tions-Kühl­schranks von Alt-Mett zu befreien. Ist alles span­nender und macht mehr Sinn als eine Bun­des­li­ga­saison mit den Super­bayern. 

Halil Alt­intop
Erin­nert sich noch jemand an die Saison 2005/06? Eine magi­sche aber auch selt­same Zeit war das, in der die Trainer noch Augen­thaler, von Heesen und Köppel hießen, eine blon­dierter Mar­cel­inho die Hertha in den UI-Cup bombte, Nor­bert Meier eine leckere Kopf­nuss vom Baum des Bei­nahe-Kar­rie­re­endes pflückte und ein junger, auf­stre­bender Stürmer namens Halil Alt­intop in Kai­sers­lau­tern 20 Hütten machte. Wie bitte? Klingt wie ein Mär­chen, ist aber die abso­lute Wahr­heit. Am Samstag nun zeigte uns Halil Alt­intop den for­mi­da­blen Stürmer, der er ist und den er seit 2005 viel zu selten her­vor­holt. Beim 2:0 seiner Augs­burger gegen blasse Hof­fen­heimer holzte Alt­intop in feinster, räu­diger Straf­raum­stür­mer­ma­nier zwei Bälle über die Linie und machte so mit den Hof­fen­hei­mern kurzen Pro­zess. Auch abseits seiner beiden Tore war Alt­intop Man of the Match, ackerte wie ein Blöder und ver­kör­perte all das, was den FCA der­zeit so stark macht. Ob Sascha Möl­ders vor Stolz ein wenig geweint hat, ist leider nicht über­lie­fert.

Johannes Flum
Johannes Flum ist ein spie­lender Sechser und ein heller Kopf. Einer, der das Spiel ver­steht, feine Pässe spielt und den Außen­rist nicht für einen bun­des­po­li­ti­schen Posten hält. Seit Samstag wissen wir nun, dass auch seine Eigen­tore wun­der­schön anzu­schauen sind. Gegen Schalke hielt Flum nach 14 Minuten seinen Schädel in eine Gel­sen­kir­chener Flanke, der Ball senkte sich in einer unmög­li­chen Flug­kurve über Keeper Trapp hinweg in den eigenen Winkel, wo er zärt­lich die Unter­kante der Latte küsste und zum 0:1 ein­schlug. Bis dato das schönste Eigentor der Saison, auch wenn das für Flum kein Trost sein wird. Was aller­dings ein Trost sein könnte: Flum zog sich anschlie­ßend am eigenen Kragen aus der Kacke, machte ein starkes Spiel und erzielte den wich­tigen Anschluss­treffer. Mit dem Kopf. In den Winkel. Klar.

Joselu
Flums Kol­legen Joselu hatte in Frank­furt eigent­lich keiner mehr so richtig auf der Rech­nung. Der Spa­nier arbei­tete, wie bereits in der letzten Saison in Hof­fen­heim, eifrig an der Kai­mi­ch­al­ke­haf­tig­keit seiner Kar­riere, was auch unge­fähr das ein­zige war, woran er arbei­tete, denn auf dem Platz ist Joselu zwar tech­nisch beschlagen, meist aber auch so schreiend faul in Sachen Defen­siv­ar­beit, dass es Sascha Möl­ders die Wut­tränen in die Augen treiben müsste, wenn er seinen Frank­furter Kol­legen spielen sieht. Noch vor einer Woche sagte Trainer Veh: Wenn er nicht nach hinten arbeitet, dann geht es halt nicht“. Ein tak­ti­sches Manöver? Psy­cho­logie? Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall stand Joselu gegen Schalke in der Startelf, rannte, grätschte Gegner an der Sei­ten­linie ab und arbei­tete härter als einst der Plas­ti­sche Chirurg von Michael Jackson. Die Krö­nung seiner Leis­tung waren schließ­lich seine beiden wun­der­schönen Treffer. Zunächst ein Kalle-Riedle-Gedächt­nis­kopf­ball, anschlie­ßend ein Thorsten-Legat-Gedächt­nis­ge­walt­schuss mit vor­he­riger Chris­tiano-Ronaldo-Gedächt­nis­ball­a­nahme. Dass es nach Joselus 3:2 den­noch nicht zum Sieg reichte, lag einzig und allein an der…

86. Minute
Wie jeder ver­nünf­tige und klar den­kende Fuß­ballfan sind natür­lich auch wir bis aufs Blut aber­gläu­bisch. Das Küssen der unge­wa­schenen match-worn Schien­bein­schoner von Trifon Ivanov ist vor der mor­gend­li­chen Redak­ti­ons­sit­zung für alle Ange­stellten Pflicht, auch wenn ein dadurch gras­sie­render Herpes-Virus unsere Pro­duk­ti­vität schmä­lert. Geschenkt. Außerdem gilt die Regel: Wenn wir am Tag des Redak­ti­ons­schlusses nicht mit dem linken Bein zuerst in die Jog­ging­hose steigen, wird es kein gutes Heft. Alles völlig logisch. Hot­spot des Aber­glau­bens ist der­zeit Frank­furt, denn dort kas­siert man in gespens­ti­scher Regel­mä­ßig­keit spiel­ent­schei­dende Gegen­tore in der 86. Minute, und wenn wir es mal nüch­tern und sach­lich betrachten, kann es sich hierbei eigent­lich nur um einen Fluch han­deln. Unser Vor­schlag wäre eine Opfer­gabe an den Fuß­ball­gott, um ihn milde zu stimmen. Uwe Beins Schnauz­bart zum Bei­spiel oder Alfons Bergs Keramik-Spatz aus dem Ein­tracht-Museum. Besser, als wei­terhin jede Woche Punkte zu opfern. 

Milan Badelj
Ham­burgs Mit­tel­feld-Acker­pferd Milan Badelj ist kein Spieler für die Glanz­punkte. Fuß­bal­le­risch steht er eher in der Tra­di­tion von so ker­nigen Malo­chern wie Stig Töf­ting oder Bernd Hol­ler­bach. Umso schöner, dass Ham­burgs Kroate all seine Fuß­ball­ar­bei­ter­haf­tig­keit ab und an bün­delt und ein Wahn­sinnstor raus­huft. Wie etwa am Sonntag, als Badelj eine zunächst abge­wehrte Ecke circa mit Schall­ge­schwin­dig­keit volley ins Han­no­ve­raner Tor wemmste. Da unter­bra­chen wir kurz unser Ober­schen­kel­mus­ku­latur-Workout und nickten aner­ken­nend unsere Stier­na­cken. Ein wun­der­volles Tor.

Nicolai Müller
Herz­lich will­kommen zurück in der 11 des Spiel­tags, Nicolai Müller. Nach der jüngsten Mini-Krise des FSV, die auch vor Nicolai Müller nicht halt machte, hatten wir schon Bedenken, es habe sich in Mainz vor­erst aus­ge­mül­lert. Da täuschten wir uns aller­dings gewaltig, wie am Sonntag zu sehen war. Einen Vierzig-Meter-Pass mül­lerte Müller per Lupfer über Bre­mens Keeper Mie­litz hinweg ins Netz. Ein Treffer, so sahnig-zart, dass Milka das Tor dem­nächst in einem Wer­be­spot ver­wenden will.

Walter Frosch
Einen beson­deren Ehren­platz, ach was, den Titel als Ehren­spiel­führer unserer 11 des Spiel­tags ver­leihen wir heute Walter Frosch. Und wir weinen dabei ein wenig, denn Frosch ver­starb am Samstag nach langer Krank­heit im Alter von 62 Jahren. Der deut­sche Fuß­ball ver­dankt dem ehe­mals knall­harten Ver­tei­diger neben zahl­losen Anek­doten auch die Gelb­sperre, die er mit 18 Gelben Karten in der Zweit­li­ga­saison 1976/77 ganz im Allein­gang in die Regel­bü­cher grätschte. Nun kloppt Frosch im Himmel die Engel von den Beinen, zündet sich genüss­lich eine Kippe an und haut ver­mut­lich einen furz­tro­ckenen Spruch raus. Wir werden ihn ver­missen und ver­neigen uns.