Seite 2: Ein gespaltener Verein

Wild­moser holte Werner Lorant, stieg mit ihm in die Bun­des­liga auf, wollte aus den Löwen eine inter­na­tio­nale Marke formen und baute gemeinsam mit dem Rivalen FC Bayern die pom­pöse Allianz Arena. Das Sta­dion war zu groß und zu teuer für den TSV 1860, der Klub stieg ab, ver­kaufte seine Anteile an der Arena, zum Ende hin wurden die oberen Ränge abge­hängt, weil die Zuschauer aus­blieben, damit auch das Geld.

2011 stand der Verein vor der Insol­venz, Ismaik kaufte erste Anteile, sprach davon, ein neues Sta­dion mit­samt Zoo zu errichten und aus den Löwen einen Cham­pions-League-Klub zu machen. 2017 stieg der Verein sport­lich in die dritte und aus Lizenz­gründen in die vierte Liga ab. Fuß­ball“, sagt Karsten Wett­berg, ist das Leben im Zeit­raffer.“

Fuß­ball­fach­leute uner­wünscht?

Wett­berg, 78, saß beim TSV 1860 Mün­chen wäh­rend seiner langen Kar­riere schon auf vielen Stühlen: In den Neun­zi­gern war er Trainer, 2007 und 2008 Vize-Prä­si­dent, er war Mit­glied im Auf­sichtsrat, dann Talents­cout. Die Krux bei Sechzig ist“, sagt Wett­berg, dass sich Leute ins Tages­ge­schäft ein­mi­schen, die keine Ahnung vom Fuß­ball haben.“ Fuß­ball­fach­leute seien bei Sechzig nicht erwünscht.

Kon­ti­nuität scheinbar auch nicht: Seit dem Ein­stieg Ismaiks im Mai 2011 wech­selte der Verein 17 Mal den Trainer. In diesen acht Jahren gab es drei Geschäfts­führer Sport, einen sport­li­chen Leiter, fünf Sport­di­rek­toren, die Auf­gaben über­schnitten sich. Die Zahl der Geschäfts­führer konnte der Verein auf Anfrage nicht beant­worten. Einer der Geschäfts­führer war Noor Basha, Cousin von Ismaik. Bevor er ging, sagte er: Am Ende des Tages macht er (Ismaik, d. Red.), was er will.“ Ein anderer war der ehe­ma­lige Liver­pooler Geschäfts­führer Ian Ayre. Der floh nach 96 Tagen.

Dazu kommt, dass die Fan­szene seit dem Ein­stieg Ismaiks gespalten ist. Da ist die eine Seite, die Fan­or­ga­ni­sa­tion Arge, der Dach­ver­band der über 450 Fan­clubs. Der Arge unter­stützt offen Investor Ismaik. Dem gegen­über steht die Gruppe Pro1860, früher Kri­tiker von Wild­mo­sers Träu­me­reien, heute von Ismaiks Wirken in Mün­chen. Pro1860 wird eine Nähe zu den Ultras nach­ge­sagt.