Seite 3: „1860 ist wie Rauschgift“

Die Posi­tionen der beiden Fan­or­ga­ni­sa­tionen ent­fernten sich zuletzt immer weiter von­ein­ander: In der West­kurve im Grün­walder Sta­dion, dort, wo die Ultras stehen, singen sie seit ein paar Jahren das soge­nannte Scheich-Lied: Scheiß auf den Scheich, scheiß auf sein Geld.“ Im Rest des Sta­dions betei­ligen sich dann einige an den Gesängen – und andere pfeifen die eigenen Fans aus.

Ismaik tat dar­aufhin in diesem Sommer in der Münchner Abend­zei­tung“ kund, die Bosse bei 1860 seien Ras­sisten. Als Beleg führte er an, Prä­si­dent Robert Rei­singer hätte sich nie von dem Text des Scheich-Lieds distan­ziert. Das ist das Schlimmste, was ich in meiner Lauf­bahn erlebt habe“, sagt Wett­berg. Die Leute stehen gegen­ein­ander, obwohl sie Anhänger des­selben Ver­eins sind.“

Mit Bier­ofka ging die letzte Iden­ti­fi­ka­ti­ons­figur

Da ist es für den Verein gerade beson­ders schmerz­lich, dass Bier­ofka den Klub ver­lassen hat. Er war die letzte Iden­ti­fi­ka­ti­ons­figur, einer, den alle mochten. Die Fans, die Mann­schaft, der Investor. Er selbst war der größte Fan des Klubs. Viel­leicht war es ihm zu viel, dass er gerade in den ver­gan­genen Monaten mehr und mehr instru­men­ta­li­siert wurde im klub­po­li­ti­schen Streit. Nach seinem letzten Spiel als Trainer beschwerte sich Bier­ofka dar­über, dass Interna aus­ge­plau­dert würden. Lange schau ich mir das nicht mehr an. Das weiß ich“, sagte er. Wett­berg spricht gar von Mob­bing.

In einer ellen­langen Pres­se­mit­tei­lung des TSV 1860 zu seinem Abschied stand dann, Bier­ofka sei der Anker für das tau­melnde Schiff“ gewesen (Michael Scha­rold, Geschäfts­führer Finanzen), ein unglaub­li­cher Fach­mann an der Linie“ (Gün­ther Gorenzel, Sport­chef) und das Gesicht des Ver­eins“ (Robert Rei­singer, Prä­si­dent). Und Ismaik schrieb auf Face­book: Das Aus­scheiden von Bier­ofka müssen die Men­schen ver­ant­worten, die ihn (…) ohne Rück­sicht auf Ver­luste hin­ter­hältig bekämpft haben.“

Vor ein paar Wochen hatte das Prä­si­dium noch ver­lauten lassen, Sechzig werde auch ohne Bier­ofka exis­tieren. Damals ging es noch um macht­po­li­ti­sche Spiele, jetzt ist es Rea­lität. Michael Köllner hat nun die schwere Auf­gabe, zu ver­mit­teln. Zwi­schen Investor und Prä­si­dium und den Fans. Wett­berg wünschte dem neuen Trainer viel Glück und alles Gute“. Das könne er brau­chen, denn: schwierig würde es für ihn ohnehin. Am Sonntag steht dann das erste Spiel unter der Lei­tung Köll­ners an: das Derby gegen die kleinen Bayern. Karsten Wett­berg wird dann auch wieder im Sta­dion sein. Er sagt: 1860 ist wie Rausch­gift.“