Das ist kein plötz­li­cher Ein­bruch, nicht die Summe unglück­li­cher Fak­toren, die eine Mann­schaft auch mal aus der Bahn werfen können und das ist nicht die Schwäch­pe­riode, die jede Mann­schaft im Laufe einer Saison mal durch­lebt. Was die Mann­schaft in den letzten sieben Tagen in der Bun­des­liga geboten hat macht (nicht nur mir) Angst und treibt dem Umfeld die Sor­gen­falten auf die Stirn.

Die Auf­tritte der Mann­schaft daheim gegen Duis­burg und in Gel­sen­kir­chen lassen tie­fere Ursa­chen ver­muten. So prä­sen­tiert sich keine halb­wegs gefes­tigte Ein­heit. Sieben Gegen­treffer in zwei Spielen spre­chen da eine mehr als deut­liche Sprache. Viel­leicht ist es bereits jetzt an der Zeit, einige Sachen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Um das Feld der Ursa­chen­for­schung zu Beginn etwas ein­zu­grenzen, sollte man sich viel­leicht erst einmal auf 3 ganz wich­tige Punkte beschränken. In chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­folge wären das einige Ran­d­as­pekte der letzten Spiel­zeit, die hoff­nungs­vollen Neu­zu­gänge in der Som­mer­pause und die mit viel Vor­schuss­lor­beeren bedachte Arbeit von Thomas Doll. Die Spu­ren­suche führt uns erst einmal zurück in die Saison 2006 / 2007.
Nimmt man den 12.05.2007 mal aus – der Der­by­sieg hat offenbar vieles unter den Tep­pich gekehrt – ist die Bilanz von Thomas Doll eher durch­wachsen. Gestartet mit einem leis­tungs­ge­rechten Remis gegen harm­lose Nürn­berger, folgte die erste Ernüch­te­rung bereits 14 Tage später auf der Bie­le­felder Alm. Es schien, als hätte die Mann­schaft die Reiß­leine bereits aus der Hand gegeben. Der Auf­tritt in Ost­west­falen war erschüt­ternd, gemeinsam mit dem Spiel in Mainz der sport­liche Tiefst­punkt der letzten Jahre.

Der Rest bis zum Ende dieser Hor­ror­spiel­zeit ist schnell erzählt. Über­be­wer­tete Siege gegen sport­liche Zwerge, geschmückt mit Stan­dard­si­tua­tionen und Geis­tes­blitzen von Alex­ander Frei. Dazu ein Der­by­sieg gegen kol­lektiv trau­ma­ti­sierte End­spurtver­sager. Anschlie­ßend durfte ganz West­falen in der Som­mer­pause wieder von der Cham­pions-League träumen. Eine Tat­sache hat man dabei wäh­rend der spiel­freien Zeit völlig aus den Augen ver­loren: Den wahren Leis­tungs­stand der Mann­schaft.

Die Saison ist noch keine zwei Wochen alt, da reiben sich viele ver­wun­dert die Augen. Die Nach-Derby-Polo­naise rund ums West­fa­len­sta­dion hat ihren durch die Som­mer­pause geret­teten Schwung schlag­artig ver­loren. Die Mann­schaft prä­sen­tiert sich bei den ersten Auf­tritten der neuen Saison von allen guten Geis­tern ver­lassen und wer Pro­bleme im Defen­siv­ver­halten sucht, der findet sie bereits auf der eigenen Linie. Wurden der Mann­schaft in Gel­sen­kir­chen, unter dem Dau­er­druck einer ein­ge­spielten Mann­schaft aus dem Favo­ri­ten­kreis, die Grenzen auf­ge­zeigt, benö­tigten intel­li­gent spie­lende, raum­grei­fende Duis­burger ledig­lich 2 – 3 Stan­dard­si­tua­tionen und eine ver­in­ner­lichte Hand­schrift des Trai­ners. Auf­fällig ist, dass die Elf für die kräf­te­zeh­rende, robus­tere Spiel­weise der Bun­des­liga wieder einmal über­haupt nicht gerüstet scheint. Daran ist auch schon ein Steven Pienaar bei Borussia Dort­mund geschei­tert.

Wie stark ist die Mann­schaft wirk­lich ein­zu­schätzen? Die Frage, allein im Raum, wird der Sache nicht ganz gerecht. So fun­da­men­tale Erkennt­nisse kann man nach dem 2.Spieltag nicht erwarten. Wenn man fair ist, muss man jungen Neu­zu­gängen auch etwas Zeit mit auf dem Weg geben. Wenn es sein muss auch bis zur Win­ter­pause. Aller­dings ist es in der Som­mer­pause offenbar auch zu mas­siven Fehl­ein­schät­zungen gekommen. Für die Per­so­nalie Petric fehlt bis zum jet­zigen Zeit­punkt eine erklär­bare, ernst­haft belast­bare Anbin­dung ans Spiel­system, in der Innen­ver­tei­di­gung lässt Kovac jeg­liche Prä­senz und Bun­des­li­ga­taug­lich­keit ver­missen. Nicht nur dort wirkt er wie ein Fremd­körper in der Mann­schaft. Bei ruhenden Bällen des Geg­ners fehlt häufig eine klar erkenn­bare Zuord­nung in der Hin­ter­mann­schaft. In der Bun­des­liga eigent­lich täg­lich Brot. Solche Mecha­nismen muss eine intakte Mann­schaft nachts um 3:00 Uhr abrufen können. Degen, gestartet als einer der Gewinner der Vor­be­rei­tung, viel­leicht sogar einer der neuen Hoff­nungs­träger, musste seinen Platz auf der rechten Abwehr­seite bereits nach einem Spiel wieder räumen. Der Spiel­aufbau gerät gerade zen­tral immer wieder ins Sto­cken. Die Mann­schaft ist immer noch nicht in der Lage mit varia­blen Spiel­ge­schwin­dig­keiten und krea­tiven Spiel­eröff­nungen dem Gegner das Heft des Han­delns aus der Hand zu nehmen. Seit Jahren schon das Sor­gen­kind der spie­le­risch limi­tierten Borussia, scheint dort immer noch keine Lösung gefunden.

Auf die plötz­lich auf­tau­chenden (nicht völlig unbe­kannten) Fragen wird Thomas Doll sehr schnell Ant­worten finden müssen. Der Tem­pe­ra­tur­sturz vom Wochen­ende dürfte auch dem Trainer & seinem Stab nicht ver­borgen bleiben. Nach dieser Vor­füh­rung im Derby dürfte die am 12.05.2007 ein­ge­räumte Kre­dit­linie nahezu erschöpft sein. Die Schon­zeit für Übungs­leiter endet spä­tes­tens im Sep­tember. Zum Sai­son­start bereits Knie­tief im Dispo – und der eisige Winter steht schon vor der Tür.