Jeden Tag betritt Lau­rentiu Petean das beste Hotel der Stadt. Aus seinem Zimmer blickt er auf den Müns­ter­turm, das Wahr­zei­chen Frei­burgs. Manuel Neuer und Carlo Ance­lotti genießen die gleiche Aus­sicht, wenn sie mit dem FC Bayern zu Gast beim Sport­club sind. Doch in Peteans Zimmer haben die Wände keine Kacheln, Elek­tro­kabel ragen aus der Decke.

Es ist ver­dammt komisch, dass ich hier bin“, sagt der 28-jäh­rige Rumäne und legt das Brech­eisen bei­seite. Vor gerade mal sechs Jahren wurde er als Fuß­baller von Otelul Galati Meister seines Landes und qua­li­fi­zierte sich für die Cham­pions League. Jetzt arbeitet Petean auf dem Bau und muss mit dem Schlag­bohrer Hotel­wände auf­spitzen – auch, um Geld für seine krebs­kranke Mutter zu ver­dienen.

Mona­te­lang kein Geld

Mit dem Groben kennt Petean sich aus. Als Mit­tel­feld­ab­räumer hat er mal in fünf Spielen drei Rote Karten gesehen. Doch neben dem Fuß­ball lernte er nie einen Beruf. Im Fünf-Sterne-Hotel hilft er, Räume zu sanieren, in denen auch die Kicker schlafen werden, die Peteans Traum wei­ter­leben. Bau­stelle“ ist eines der wenigen deut­schen Wörter, das er bisher spre­chen kann. Umge­rechnet 800 bis 1000 Euro hätte er bei seinem letzten Verein, dem rumä­ni­schen Zweit­li­gisten Dacia Unirea Braila, ver­dienen sollen.

Ange­sichts eines Min­dest­lohns von 1,40 Euro pro Stunde ist das ein gutes Gehalt in Rumä­nien. Das Geld kam aber mona­te­lang nicht auf mein Konto. Das waren schlimme Zustände“, sagt Petean. Bald wird er Vater. Auf der Bau­stelle in Deutsch­land ver­dient er mehr. Das ist der erste Job meines Lebens“, sagt er.

Ver­tei­diger machten Platz

Petean ist nicht der ein­zige rumä­ni­sche Fuß­baller, der seinem Hei­mat­land den Rücken kehrt. Kor­rup­tion und Miss­wirt­schaft gras­sieren in vielen Ver­einen. Wenn du in Rumä­nien genug bezahlst, kannst du dir einen Elf­meter kaufen“, sagt Petean. Die Wett­mafia mache vielen Angst, weil sie etliche Ver­eine und Spieler in der Mangel habe und Ergeb­nisse mani­pu­liere. Es gab Ver­tei­diger eines Zweit­li­ga­teams, die machten ab einer bestimmten Minute den Weg zu ihrem Tor frei und griffen nicht mehr an“, sagt Petean. Ich will damit nichts mehr zu tun haben.“

Der Verein Otelul war einst der Stolz vieler Men­schen in Peteans Hei­mat­stadt Galati, die an der Donau liegt und von der Schwer­indus­trie lebt. Vor einem Jahr mel­dete der Meister von 2011 Insol­venz an. Auch Rapid Buka­rest, das einst im UEFA-Pokal gegen den 1. FC Nürn­berg spielte, exis­tiert nicht mehr. Unirea Urziceni, früher Gegner des VfB Stutt­gart in der Cham­pions League, wirt­schaf­tete sich eben­falls in die Pleite.