In seinen Anfangs­tagen bei Mainz 05 arbei­tete Chris­tian Heidel noch als Auto­händler und kam auf ver­rückte Ideen. Er ersann ein Gewinn­spiel für die Fans in der Halb­zeit­pause: Wer den Ball von der Mit­tel­linie ohne Auf­ti­cken ins Tor schießt, bekommt einen 3er BMW im Wert von 30 000 Mark. Heidel erin­nerte sich im 11FREUNDE-Pod­cast: Der Erste konnte über­haupt kein Fuß­ball spielen, aber trifft den Ball so däm­lich, dass der hinten ins Netz rein­fällt. Das ganze Sta­dion hat gelacht.“

Der Manager des selbst ernannten Kar­ne­vals­ver­eins musste kreativ sein, um Zuschauer und Spieler anzu­lo­cken. Nicht selten ver­an­stal­tete er vor den Ver­trags­ge­sprä­chen aus­ge­feilte Sight­seeing-Touren durch Mainz und nutzte auch bei der Abho­lung nur die schönsten Routen der Stadt. Selbst nach dem Bun­des­li­ga­auf­stieg stellte sich Heidel inko­gnito mit tief ins Gesicht gezo­gener Cap ans Trai­nings­ge­lände der Kon­kur­renz, um poten­zi­elle Neu­zu­gänge zu prüfen. Man­chen Spie­lern eilen gewisse Geschichten voraus, da muss man dann schon einmal genauer hin­schauen, wie er sich außer­halb des Sta­dions ver­hält. Bei 500 Zuschauern erkennt einen doch keiner, ich bin ja nicht Uli Hoeneß.“

Mainz hofft. Und Heidel?

Man muss sich diese Geschichten vor Augen führen, um die aktu­ellen Mel­dungen besser zu ver­stehen: Chris­tian Heidel kehrt nun als Mit­glied des Vor­stands zu den Null­fün­fern zurück. Mainz 05 steht in der Bun­des­liga an vor­letzter Stelle, ver­schliss in der noch kurzen Saison bereits zwei Trainer und sorgte durch einen Spie­ler­streik für bun­des­weite Schlag­zeilen. Die Sehn­sucht rund um den Klub ist groß nach Hei­dels Ägide der Kon­ti­nuität, in der der Klub durch Scharf­sinn und gal­li­sche Men­ta­lität etwaige Stand­ort­nach­teile aus­glich.

Doch auch für Heidel selbst kann die Rück­kehr wie eine Rück­be­sin­nung wirken. Zwei­ein­halb Jahre hatte er auf Schalke gear­beitet und dabei über 100 Mil­lionen Euro für Neu­zu­gänge aus­ge­geben. Die gute alte Mainzer Zeit mit kauf­män­ni­scher Finesse wirkt wie ein Kon­trast­pro­gramm zur spät­rö­mi­schen Deka­denz auf Schalke.

Zwei Flügel und Düsen

Die Maß­lo­sig­keiten in Gel­sen­kir­chen bestaunte Heidel bei seinem Amts­an­tritt 2016 noch mit großen Augen. Um den Rekord­transfer von Breel Embolo (um die 26 Mil­lionen Euro) zu fina­li­sieren, stellte Auf­sichts­rats­chef Cle­mens Tön­nies mal eben seinen Pri­vatjet zur Ver­fü­gung. Ein Anruf bei Tön­nies und zwei Stunden später war sein Moped‘, wie er es nennt, da: Es hat zwei Flügel und Düsen“, erzählte Heidel. Bei der Vor­stel­lung von Embolo prä­sen­tierte Schalke seinen Mit­glie­dern stolz, welche anderen Spit­zen­ver­eine der Klub angeb­lich aus­ge­sto­chen habe.