Der Erst­kon­takt mit der deut­schen Fuß­ball-Natio­nal­mann­schaft ist für Marc-André ter Stegen nicht beson­ders erfreu­lich abge­laufen. Bei seinem Län­der­spiel­debüt im Mai kas­sierte der Tor­hüter von Borussia Mön­chen­glad­bach fünf Tore gegen die Schweiz, und schien die uner­quick­liche Bezie­hung eine Fort­set­zung zu finden. Eine halbe Stunde war im Test­spiel der Deut­schen gegen Argen­ti­nien vor­über, als ter Stegen etwas unver­hofft zu seinem zweiten Ein­satz für die Natio­nal­mann­schaft kam. Weil Ron-Robert Zieler für ein Foul an Jose Sosa im Straf­raum vom Platz geflogen war, sah sich der 20 Jahre alte Tor­hüter gleich nach seiner Ein­wechs­lung dem Duell mit Welt­fuß­baller Lionel Messi aus­ge­setzt.

Nicht unbe­dingt die erfolg­ver­spre­chendste Kon­stel­la­tion, um sich zu reha­bi­li­tieren – doch der junge Tor­hüter hielt den schwach geschos­senen Elf­meter. Seine Ret­tungstat hatte jedoch nur auf­schie­bende Wir­kung. Weil die Deut­schen den Argen­ti­niern in Unter­zahl trotz großen Eifers zu wenig ent­ge­gen­zu­setzen hatten, hieß es am Ende 3:1 (1:0) für die Argen­ti­nier.

In Unter­zahl war es schwer für uns, das Spiel noch zu drehen“, sagte Bun­des­trainer Joa­chim Löw und fügte hinzu: Der Wille war heute schon vor­handen. Aber im Moment brau­chen wir zu viele Chancen, um ein Tor zu erzielen.“

Die Frage, ob das ernüch­ternde Halb­final-Aus der Deut­schen bei der EM zu einer nach­hal­tigen Ver­stim­mung beim Publikum geführt haben könnte, wurde schon mit dem Anpfiff beant­wortet. Der Anstoß wurde von großem Jubel begleitet, und nach einer knappen halben Stunde schickten die 48.808 Zuschauer in der aus­ver­kauften Arena die Welle durchs Sta­dion, dabei kam das Niveau der Begeg­nung bis dahin nicht über gesundes Mit­telmaß hinaus. Etwas anderes war ange­sichts der Umstände und des ungüns­tigen Ter­mins auch kaum zu erwarten.

Löw hatte seine Mann­schaft im Ver­gleich zum EM-Halb­fi­nale gegen Ita­lien auf sechs Posi­tionen ver­än­dert. Gene­relle Schlüsse auf seine künf­tige Per­so­nal­po­litik ließ die Auf­stel­lung aller­dings noch nicht zu. Die Wechsel waren vor allem durch mehr oder weniger pro­mi­nente Absenzen bedingt, unter anderem fehlten Tor­hüter Manuel Neuer, Kapitän Philipp Lahm, Bas­tian Schwein­s­teiger und Mario Gomez; der Dort­munder Mats Hum­mels musste schon Mitte der ersten Halb­zeit nach einem Zusam­men­prall mit Gon­zalo Higuain aus­ge­wech­selt werden.

Inter­es­sant an Löws Auf­stel­lung war immerhin, dass Lars Bender anstelle von Toni Kroos in die Startelf rutschte und – anders als beim EM-Spiel gegen Däne­mark – auf seiner Lieb­lings­po­si­tion im defen­siven Mit­tel­feld spielen durfte. Man mun­kelt, dass der Bun­des­trainer von Kroos’ finalem EM-Auf­tritt gegen die Ita­liener nicht beson­ders erbaut gewesen sein soll. Der Lever­ku­sener Bender, der sich vor allem gegen Lionel Messi durch großen Eifer her­vortat, gilt als einer der Spieler, die im neuen Tur­nier­zy­klus eine wich­ti­gere Rolle in der Natio­nal­mann­schaft ein­nehmen könnte.

Noch mehr trifft das auf Marco Reus zu, der vor dem Anpfiff als Fuß­baller des Jahres geehrt wurde. Der Neu-Dort­munder nahm die Posi­tion von Lukas Podolski auf der linken Seite ein. Reus war weit auf­fäl­liger, als es Podolski wäh­rend der EM je gewesen ist. Mit einem Pass auf Miroslav Klose lei­tete er nach einer Vier­tel­stunde die erste Chance für die Deut­schen ein, als Mesut Özil an Argen­ti­niens Tor­hüter Sergio Romero schei­terte. Auch in Unter­zahl, als die Deut­schen sich mit Eifer vor allem der Siche­rung ihres Tores wid­meten, initi­ierte Reus zumin­dest gele­gent­lich ent­las­tende Gegen­an­griffe.

Die Deut­schen waren nach dem Platz­ver­weis gegen Zieler zwangs­läufig immer stärker unter Druck geraten. Ter Stegen hatte in den ersten Minuten nach seiner Ein­wechs­lung für Thomas Müller mehr Ball­kon­takte als Miroslav Klose – doch die Defen­sive hielt. Umso ärger­li­cher war es, wie die Deut­schen kurz vor der Pause in Rück­stand gerieten. Nach einer Ecke seines Ver­eins­kol­legen Angel di Maria trat Sami Khe­dira am ersten Pfosten zunächst über den Ball, schoss sich dann selbst an und lenkte den Ball auf diese Weise zum 0:1 ins eigene Tor.

Die Deut­schen wurden auch nach der Pause nicht unbe­dingt vom Glück ver­folgt. Kurz nachdem Reus mit einem Weit­schuss nur den Pfosten getroffen hatte, gelang Messi nach Vor­ar­beit von Gon­zalo Higuain auf der anderen Seite das 2:0. Bender kam einen Schritt zu spät. Die Argen­ti­nier ließen auch in der Folge nicht nach: sie atta­ckierten die deut­sche Defen­sive früh und spielten nun ihre fuß­bal­le­ri­sche und nume­ri­sche Über­le­gen­heit gna­denlos aus. Angel di Maria erzielte mit einem Schuss aus 30 Metern das 3:0, kurz darauf traf Messi den Pfosten. Bene­dikt Höwedes gelang mit einem Flug­kopf­ball zwar noch der Ehren­treffer, doch abge­sehen davon ließen die Süd­ame­ri­kaner keine Nach­sicht mit ihrem geplagten Gegner walten. Von einer Mann­schaft, die bei den beiden jüngsten WM-Tur­nieren jeweils im Vier­tel­fi­nale an den Deut­schen geschei­tert war, durfte man das aber auch nicht unbe­dingt erwarten.