Diese Win­ter­pause. Sie kann einen wahn­sinnig machen. Weil die eigene Mann­schaft einen Lauf hatte und man nicht möchte, dass dieser Höhen­flug von so etwas Schnödem wie einer Zwangs­pause unter­bro­chen wird. Oder weil man plötz­lich nichts mehr anzu­fangen weiß mit seinen Wochen­enden.

Die Fuß­ball-Reset-Taste im Hirn

Sie kann aber auch ein wär­mender Deck­mantel des Ver­ges­sens sein. Darin lullen wir, die wir uns einer Mann­schaft mit kata­stro­phaler Hin­runden-Bilanz ver­schrieben haben, schön gemüt­lich ein, ziehen die Decke über den Kopf und warten ein­fach ab. Wenn er dann da ist, der Rück­run­den­auf­takt, haben wir ver­gessen, wie lausig unsere Defen­sive ist, wie ide­enlos das Mit­tel­feld spielte und über­sehen selbst die Tor­flaute unserer Stürmer. Unser Hirn hat in Sachen Fuß­ball die Reset-Taste gedrückt. Wir igno­rieren den Tabel­len­stand, wir wissen ja, wie schnell das alles gehen kann. Wir lassen die Saison noch einmal neu beginnen. Unsere Mann­schaft ist kein Abstiegs­kan­didat mehr, son­dern hat bis­lang unge­nutztes Poten­tial. Die Neu­zu­gänge kennen wir nicht? Das zeigt doch, wie unglaub­lich raf­fi­niert die Ver­ant­wort­li­chen unseres Klubs arbeiten. Gott­ver­dammt, ja, alles ist wieder mög­lich!

Ein Fuß­ball-Fan kennt kein mie­seres Gefühl, wenn einem dieser Irr­glauben gleich im ersten Spiel laut klat­schend um die Ohren gehauen wird. Wenn das innere Kar­ten­haus der neuen Zuver­sicht von der Rea­lität umge­stoßen wird. Wenn die eigene Mann­schaft immer noch genauso lausig ist wie damals, vor langer Zeit, Ende Dezember. Wie in Han­nover, wo 96 mit 1:2 gegen Darm­stadt verlor und nun Tabel­len­letzter ist. Viel­leicht auch in Hof­fen­heim, wo der 1:1‑Ausgleichstreffer von Gegner Bayer Lever­kusen in der 75. Minute fiel. Win­ter­pause, du Drecksau, hast uns wieder einmal rein­ge­legt.