Kasper Dol­berg, 19 Jahre

Marco van Basten, Dennis Berg­kamp, Zlatan Ibra­hi­movic, Luis Suarez und Arka­diusz Milik. Alle haben eines gemein: Sie waren (und sind) her­vor­ra­gende Stürmer aus der Ajax-Schmiede. Ab sofort kann die Liste durch einen wei­teren Namen ergänzt werden: Kasper Dol­berg. Der in Sil­ke­borg gebo­rene Däne ist einer der Senk­recht­starter der lau­fenden Saison. Nachdem er bei seinem Hei­mat­club 2015 sein Pro­fi­debüt gegen Brøndby gab, wech­selte er im Sommer des glei­chen Jahres nach Ams­terdam. Hier kam er zunächst in der U19 zum Ein­satz, vor­nehm­lich auf dem Flügel. Seine guten Leis­tungen brachten ihm in der Saison 2016/17 den ersten Ein­satz in der Ere­di­visie gegen Sparta Rot­terdam. 

Im Spiel darauf folgte bereits der erste Startel­f­ein­satz. Ein Grund, warum Trainer Peter Bosz auf ihn ver­traut, ist Dol­bergs starker Abschluss. Neben Distanz­schüssen behält er auch in direkten Duellen mit dem Keeper die Ruhe. Seine Schus­sprä­zi­sion beträgt in dieser Saison knapp über 50 Pro­zent. Eine wei­tere Stärke des Dänen ist seine tak­ti­sche und stra­te­gi­sche Fle­xi­bi­lität, mit der er sich immer wieder an die Situa­tion anpassen oder aus dem Nichts gefähr­liche Situa­tionen ent­stehen lassen kann. Sein Tempo und seine ordent­liche Statur erlauben es ihm, sich sowohl als klas­si­scher Wand­spieler als auch aus­wei­chend auf den Flügel oder zurück­fal­lend ein­zu­binden. 



Atta­ckiert er die Schnitt­stellen zwi­schen den Ver­tei­di­gern, kann er die Gegner ebenso vor große Pro­bleme stellen, wie bei seinen schnellen Dre­hungen mit dem Rücken zum Tor. Dol­berg besitzt einen her­vor­ra­genden ersten Kon­takt. Gerade wenn er sich mit dem Rücken zum geg­ne­ri­schen Tor befindet, kann er dadurch immer wieder schnell seine Kör­per­po­si­tion ändern und sofort das Spiel nach vorn fort­setzen. Schwä­chen hat der Ajax-Stürmer aktuell noch im Pass­spiel (73 Pro­zent Erfolgs­quote). Kör­per­lich dürfte er auch bei einem Wechsel keine grö­ßeren Pro­bleme haben. 

Er wirkt zwar recht schmächtig, ist aber im Rumpf sehr stabil und lässt sich auch in Lauf­du­ellen nicht aus der Balance bringen. Bei ihm hat man nicht das Gefühl, dass er in irgend­einer Weise von Grob­schläch­tern wie Robert Huth von den Beinen geholt werden könnte und dann keinen Mut mehr hat, in direkte Duelle zu gehen. Er hat schlichtweg die tech­ni­schen und phy­si­schen Vor­aus­set­zungen, um immer wieder Druck aus­zu­üben. Kasper Dol­berg steht eine große Zukunft bevor.

Kel­echi Ihe­a­nacho, 20 Jahre

Der Nige­rianer erreichte erst­mals Auf­merk­sam­keit, als er 2013 für sein Land die U17-Afri­ka­meis­ter­schaft und im selben Jahr noch die U17-WM bestritt. Bei der Welt­meis­ter­schaft erhielt er dank seiner sechs Treffer in sieben Spielen den Sil­bernen Schuh. Logisch, dass da die Ver­eine für ihn Schlange standen. Unter anderem sollen Porto, Ben­fica und Arsenal an ihm inter­es­siert gewesen sein. Dass er am Ende den­noch zu den Citi­zens und nicht nach Porto wech­selte, die bekannt sind für ihre Talent­för­de­rung, konnte er sich laut eigenen Aus­sagen zunächst selbst nicht erträumen. City war und ist für ihn ein Club voller Stars, bei dem er sich nach eigenem Selbst­ver­ständnis erst noch beweisen muss. 

Dabei ist Ihe­a­nacho ein unge­mein wert­voller Spieler für die Sky­blues: Ihn kannst du als Trainer auf jede Offen­siv­po­si­tion stellen, ohne signi­fi­kante Schwä­chen erwarten zu müssen. Er kann sowohl als allei­niger Stürmer, als hän­gende Spitze, als Zehner oder auf dem Flügel auf­laufen. Ihe­a­nacho wird gemeinhin als klas­si­scher Stürmer gesehen, was nur bedingt zutrifft. Im Grunde ist er aber ein enorm krea­tiver Angreifer, der sich im Spiel­aufbau zurück­fallen lässt und anschlie­ßend spiel­ge­stal­tend seine Kol­legen in Szene setzen kann. Des­halb ist er gerade im Ver­bund mit einem abschluss­ori­en­tierten Sturm­partner gut zu gebrau­chen. 



Ein wenig erin­nert seine Spiel­weise an Karim Ben­zema, auch wenn Ihe­a­nacho ein wenig bra­chialer wirkt und auch sonst nicht die tak­ti­sche Aus­ge­reift­heit des Fran­zosen besitzt. Wei­terhin hat er noch Pro­bleme darin, als Ziel­spieler für lange Bälle zu fun­gieren und für seine Mit­spieler in Druck­si­tua­tionen bei langen Bällen prä­sent zu sein. Den­noch ist der Nige­rianer gerade im Pass­spiel schon sehr weit, im Schnitt bringt er 77 Pro­zent an den Mann. Er beschränkt sich aber wie bereits erwähnt nicht nur auf simple Ablagen. Er kann je nach Spiel­si­tua­tion und ‑rhythmus fle­xibel zwi­schen kurzen und mit­tel­langen Pässen wech­seln. Damit passt er sehr gut in den Ball­be­sitz­fuß­ball Guar­diolas. 

Gerade durch die Ver­let­zung Gabriel Jesus‘ könnte Ihe­a­nacho fortan mehr Spiel­zeit bekommen und sich im Sturm­zen­trum zeigen. An Agüero dürfte er vor­erst nicht vor­bei­kommen. Aber im Sommer werden die Karten wieder neu gewür­felt, wie Oli Kahn sagen würde. Agüero wurde in den letzten Wochen immer wieder mit einem Wechsel in Ver­bin­dung gebracht und auch Guar­diola scheint dem Argen­ti­nier auf­grund seiner Spiel­weise nicht hun­dert­pro­zentig zu ver­trauen. Gut mög­lich, dass Ihe­a­nacho sich diesen Umstand zunutze macht.

Jean-Kévin Augustin, 19 Jahre

In der berühmten Schule von PSG lernte Jean-Kévin Augustin das Fuß­ball­spielen und erhielt 2014 im Alter von 17 Jahren seinen ersten Pro­fi­ver­trag. Im Jahr 2016 wurde er nicht nur U19-Euro­pa­meister mit Frank­reich son­dern auch Tor­schüt­zen­könig. Dazu kam die Aus­zei­chung zum besten Spieler des Tur­niers als Nach­folger von Fer­nando Torres, den Bender-Brü­dern, Davie Selke und Marco Asensio. Damit sollte eigent­lich schon genug zu Augustin gesagt sein, um zu recht­fer­tigen, wes­halb der PSG-Stürmer auf unserer Liste steht. 

Doch was macht den Fran­zosen so stark? Augustin ist zwar nur 1,77 Meter groß, doch mit seinen langen Beinen läuft der schnelle Spieler seinen Gegner davon und zieht mit enormen Tempo zum Tor. Er ver­fügt über eine über­ra­gende Technik, führt den Ball stets eng am Fuß und ist nur schwer von ihm zu trennen. Er weiß seinen Körper gegen den Gegner ein­zu­setzen und lässt sie oft mit Kör­per­täu­schungen stehen. Am gefähr­lichsten ist aber wahr­schein­lich sein First-Touch und sein Stel­lungs­spiel. Sobald der Ball zu Augustin kommt, startet der schnelle Stürmer in den freien Raum und läuft seinen Kon­tra­henten davon. 



Selbst wenn ein Ver­tei­diger es schaffen sollte, dem Pariser nach­zu­kommen, so setzt sich der 19-Jäh­rige mit seinem starken Körper gegen den Ver­tei­diger durch. Von da folgt meist ein per­fekter Abschluss – egal aus wel­chem Winkel, Augustin weiß den Ball im Tor unter­zu­bringen. Naja, fast immer. Es man­gelt ihm vor allem an Ent­schei­dungs­ver­mögen. Oft agiert der Stürmer zu ego­is­tisch oder er ver­drib­belt sich, bis er an einem Spieler nicht mehr vor­bei­kommt, er von meh­reren Ver­tei­di­gern umzin­gelt wird und alleine ver­sucht die Gegner aus­zu­spielen. 

Wenn er selbst nicht am Ball ist, ist Augustin aller­dings der per­fekte Stürmer. Bekommt er den Ball im Straf­raum, gibt es nur wenige in seinem Alter, die mehr Tor­ge­fahr aus­strahlen als er. So stark Augustin im Straf­raum auch ist, so schwach sind seine Leis­tungen, wenn er sich am Flügel befindet. Etwas, das er womög­lich mit mehr Spiel­praxis lernen könnte, doch der­zeit bekommt er bei PSG wenig Spiel­zeit, wes­halb einige Ver­eine (zum Bei­spiel der BVB, Stade Rennes, Bastia, Lorient, Betis Sevilla) an Augustin inter­es­siert sind.

Die Serie Top­ta­lente unter 20“ ent­steht in Zusam­men­ar­beit mit dem wun­der­baren Blog Cavanis Fri­seur. Dort gibt’s noch wei­tere Talente für den Sturm.