Kurz bevor es los­ging, rieb Manuel Neuer noch einmal seine behand­schuhten Han­din­nen­flä­chen gegen­ein­ander. So wie man das macht, wenn man von einer gewissen Vor­freude über­mannt wird. Ver­mut­lich war das auch so, als der Tor­hüter der deut­schen Fuß­ball-Natio­nal­mann­schaft nach einem kurzen Plausch mit dem Bun­des­trainer seinen Platz ein­nahm – den Platz zwi­schen den Pfosten.

Es war am Mon­tag­abend um kurz nach sechs, als für Neuer nach seinem Mit­tel­fuß­bruch eine mehr als acht­mo­na­tige War­te­zeit zu Ende ging. Mitte Sep­tember hatte er für seinen Verein, den FC Bayern Mün­chen, zuletzt ein Fuß­ball­spiel bestritten. Am Montag fei­erte er auf dem Haupt­platz der Sport­zone Rungg in Eppan eine Art Come­back.

Er hat einen sehr fitten Ein­druck gemacht“ 

Zur Vor­be­rei­tung auf die Welt­meis­ter­schaft in Russ­land bestritt die A‑Nationalmannschaft einen internen Test gegen die U20 des DFB. Gespielt wurde nicht nach den offi­zi­ellen Regeln des Welt­ver­bands FIFA, son­dern nach den Vor­gaben von Bun­des­trainer Joa­chim Löw. Das Spiel dau­erte 60 Minuten, und nach der Hälfte der Zeit tauschte Löw einmal seine kom­plette Beset­zung aus. Das war der Zeit­punkt, als Manuel Neuer ins Spiel kam. Zurück ins Spiel.

Manuel braucht diese Spiele“, sagt Andreas Köpke, der Bun­des­tor­wart­trainer. Sie helfen ihm, um seine Sicher­heit wie­der­zu­be­kommen.“ Des­halb wird er auch heute, in diesen Minu­tenm, ein wei­teres Mal für eine Halb­zeit gegen die U20 zum Ein­satz kommen. Natür­lich waren die Nach­wuchs­spieler am Montag nur bedingt in der Lage, die A‑Nationalmannschaft und deren Tor­hüter zu for­dern. Das kam jetzt nicht so oft vor“, berich­tete Marco Richter vom FC Augs­burg. Aber ange­laufen sind wir ihn ab und zu. Er hat einen sehr fitten Ein­druck gemacht.“

In diesen Test­spielen geht es weniger darum, dass Neuer richtig fliegt und Bälle hält – das hat er auch nach der langen Pause noch intus. Es geht um das Gefühl für Raum und Zeit, das gerade für seine offen­sive Inter­pre­ta­tion des Tor­wart­spiels wichtig ist.

Ich habe keine Bedenken“

Das Gegentor beim 7:1‑Erfolg gegen die U20 kas­sierte nicht Neuer, son­dern sein Stell­ver­treter Marc- André ter Stegen. Dessen Qua­lität ist unbe­stritten. Trotzdem ist in den ver­gan­genen Wochen durch die Endlos-Dis­kus­sion um Neuer der Ein­druck ent­standen, dass der 26 Jahre alte Tor­hüter vom FC Bar­ce­lona nur als Platz­halter fun­giert. Genau das aber dürfe nicht pas­sieren, sagt Köpke.

Er und der Bun­des­trainer haben des­halb mit ter Stegen noch einmal explizit über die Kon­stel­la­tion gespro­chen. Er weiß auch, dass es eine beson­dere Situa­tion ist. Er kann da ganz gut mit umgehen“, sagt Köpke. Wir hätten absolut über­haupt keine Bedenken, mit Marc als Nummer eins in die WM zu gehen. Er hat sich seit dem Confed-Cup super ent­wi­ckelt und beim FC Bar­ce­lona eine fan­tas­ti­sche Saison gespielt. Das macht die Sache natür­lich nicht ein­fa­cher.“

Aber es ist nun mal so, dass Köpke im Trai­nings­lager in Süd­tirol einen durch und durch posi­tiven Ein­druck von Manuel Neuer gewonnen hat. Ich habe keine Bedenken“, sagt der Bun­des­tor­wart­trainer. Dass es keine ein­fache Situa­tion ist, das war uns von vorn­herein bewusst, aber ich habe im Moment ein sehr gutes Gefühl.“ Weil Neuer schon zuvor bei den Bayern zwei Wochen lang ganz normal und mit voller Belas­tung trai­niert hatte, konnte er in Eppan vom ersten Tag an das nor­male Pro­gramm absol­vieren – ohne jede Ein­schrän­kung. Vor dem Trai­nings­lager ist er in Bozen noch einmal ein­ge­hend unter­sucht worden. Der Fuß ist voll­kommen aus­ge­heilt“, berichtet Köpke.