Seite 4: Dardai, der Realist

TSG HOF­FEN­HEIM
21. SPIELTAG
Das Spiel in Stutt­gart steht sinn­bild­lich für die Rück­runde der TSG. Noch immer spielt die Mann­schaft zeit­weise groß­ar­tigen Fuß­ball, doch der Lauf, das Selbst­ver­ständ­liche der Hin­serie ist weg. Die Partie im Neckar­sta­dion schafft es in alle Jah­res­rück­blicke, weil Sejad Sali­hovic im Stutt­garter Fünf­me­ter­raum seinen Schuh ver­liert, den VfB-Keeper Jens Leh­mann gemei­ner­weise aufs Tor­netz schleu­dert. Um die Demü­ti­gung kom­plett zu machen, ver­schießt Sali­hovic in der Nach­spiel­zeit gegen Leh­mann einen Elf­meter. Die Gründe dafür, dass Hof­fen­heim die Tabel­len­spitze aus den Augen ver­liert, sind aller­dings viel­fältig. Der bewusst kleine Kader wird nach der inten­siven Vor­runde von Ver­let­zungen geplagt, neben Ibi­sevic fallen auch Chinedu Obasi, Carlos Edu­ardo und Mat­thias Jaissle länger aus. Über­dies birgt der Erfolg Risiken und Neben­wir­kungen, denn die Spieler der TSG werden von der Kon­kur­renz gejagt. Demba Ba und Obasi erhalten Ange­bote aus der Pre­mier League, Sali­hovic vom FC Bayern. Regel­mä­ßigen Beob­ach­tern fällt auf, dass der Fuhr­park der Profis im Laufe der Saison immer größer und teurer wird. Der­weil for­dert Erfolgs­trainer Rang­nick öffent­lich Ver­stär­kungen zur neuen Saison, was Dietmar Hopp nach­haltig ver­stimmt. Manager Schin­del­meiser kommt sich ange­sichts der unter­schied­li­chen Inter­essen manchmal vor wie ein Sand­wich.

HERTHA BSC
23. SPIELTAG
Dop­pelter Grund zur Freude für den Haupt­stadt­verein, der nicht nur mit 3:1 beim Angst­gegner Energie Cottbus gewinnt, son­dern seinen Vor­sprung an der Tabel­len­spitze auf vier Punkte aus­baut. Nach dem Abpfiff pro­biert Her­thas Manager ein paar unge­lenke Tanz­schritte am Mit­tel­kreis, die als Dieter-Hoeneß-Shuffle“ in die Bun­des­li­ga­ge­schichte ein­gehen. Am Abend macht Pres­se­spre­cher Felder für die Mann­schaft einen Tisch im Dis­coclub Felix“ am Bran­den­burger Tor klar. Pan­telic, Woronin, Fried­rich und Kol­legen werden durch den Hin­ter­ein­gang rein­ge­lassen, dann geht es mit dem Fahr­stuhl direkt ins Séparée. Dort fließ der Wodka in Strömen. Als der drei­fache Tor­schütze Woronin am nächsten Morgen nach dem Aus­laufen der Presse Rede und Ant­wort stehen soll, ist er noch kaum ver­hand­lungs­fähig. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen, und tat­säch­lich ist für Hertha BSC mit diesem Spiel der Höhe­punkt der Spiel­zeit erreicht. Kurz darauf bedeuten drei Nie­der­lagen in Folge das Ende aller Meis­terträume, was den heu­tigen Hertha-Trainer und dama­ligen Mit­tel­feld­motor Pal Dardai aber nicht über­rascht. Zum Schluss war unser Glück auf­ge­braucht“, sagt er mit dem Abstand von zehn Jahren. Wir haben in diesem Jahr viele Spiele nur mit einem Tor Abstand gewonnen. Und wenn du zu viele knappe Ergeb­nisse hast, zeigt dies, dass du nicht die Klasse hast.“

WOLFS­BURG VS. BAYERN
26. SPIELTAG
Dieser Samstag wird den Wen­de­punkt in der Spiel­zeit mar­kieren. Der VfL Wolfs­burg und der FC Bayern liegen mit einem Punkt Rück­stand auf Hertha BSC auf Platz zwei und drei. Das Sta­dion in Wolfs­burg ist an und für sich keine Kulisse, die dem FC Bayern beson­deren Respekt abnö­tigt. Doch die Elf ist genervt von Klins­manns tak­ti­scher Plan­lo­sig­keit. Allein mit Parolen wie Pushen, pushen!“ und Wir müssen Gas geben!“ ist der Ver­bund hoch­de­ko­rierter Profis nicht zur Ein­heit zu ver­schweißen. Ganz anders die VfL-Akteure, die auf der Ziel­ge­raden der Saison spüren, wie ihnen das Trai­ning am Mount Magath“ wich­tige Sub­stanz gibt. Sie erteilen den Münch­nern eine Lehr­stunde. In der 89. Minute steht Ersatz­keeper Lenz bereit. Beim Stand von 5:1 wech­selt Magath Diego Benaglio aus. Natür­lich wusste ich“, sagt der Trainer, dass mir die Medien diese Aus­wechs­lung als späte Rache an den Bayern aus­legen würden.“ Doch er schwört, dass er mit dem Berater von Lenz ver­ab­redet habe, dem Keeper auf­grund seines nied­rigen Grund­ge­halts bei Spielen mit hoher Füh­rung Ein­satz­zeiten zu geben. Nach dem Spiel geht Jürgen Klins­mann, der zuvor stets das Kol­lektiv her­vor­ge­hoben hat, auf Distanz: Mir geht es darum, dass es eine reine Wil­lens­the­matik ist, sich auf­zu­op­fern für den FC Bayern. Das wurde nicht gemacht.“