Es war eines dieser Spiele, die Schnapp­at­mung aus­ge­löst hatte, bei Spie­lern wie bei Jour­na­listen: Mit 0:3 ging River Plate, der große, ruhm­reiche Klub aus Buenos Aires, in der fuß­bal­le­ri­schen Dia­spora unter. Bei Jorge Wils­ter­mann in Cocha­bamba auf 2547 Metern Höhe schien der Traum des Javier Pinola zu platzen. Jetzt am Ende seiner fuß­bal­le­ri­schen Kar­riere viel­leicht doch nochmal eine große inter­na­tio­nale Tro­phäe in die Höhe zu recken, sich unsterb­lich machen und einen Platz im Museum von River Plate zu bekommen. Dort wo sie die Mann­schaften ver­ehren, die die Copa Libertadores in die argen­ti­ni­sche Haupt­stadt holen. Wo sie sich ehr­fürchtig vor den Mann­schafts­bil­dern foto­gra­fieren, die Geschichte geschrieben haben. Doch nun das: Ein Debakel in den boli­via­ni­schen Anden.

Kein Kar­rie­re­aus­klang

Nein, an der Höhe hat es nicht gelegen“, stam­melte Pinola in die Notiz­blöcke der stau­nenden boli­via­ni­schen und argen­ti­ni­schen Jour­na­listen. Sie waren ein­fach effek­tiver.“ Erst seit ein paar Monaten spielt Pinola für den Tra­di­ti­ons­verein, zuvor hatte er in der Indus­trie­stadt Rosario die Fuß­ball­schuhe geschnürt. Doch statt den Kar­rie­reherbst ruhig aus­klingen zu lassen, ging es für Pinola, der von 2005 bis 2015 das Trikot des 1. FC Nürn­berg trug, noch einmal hinauf auf den argen­ti­ni­schen Fuß­ball-Olymp der ent­weder Boca Juniors oder River Plate heißt. Den El Pelado“ hatte sich in Rosario erst­klassig ver­kauft.

Eigent­lich war das Vier­tel­fi­nale der Copa Libertadores, der süd­ame­ri­ka­ni­schen Vari­ante der Cham­pions League damit ent­schieden, pro­phe­zeiten sie in Buenos Aires und in Cocha­bamba. Doch im Spät­herbst seiner Kar­riere sollte Javier Pinola nur ein paar Tage später Teil eines Spieles werden, das alleine für sich schon ein Denkmal bekommen wird. Bis auf den letzten Platz war die Arena Antonio Ves­pucio Liberti gefüllt, zumin­dest die River Fans hatten die Hoff­nung auf ein Wunder noch nicht auf­ge­geben. River-Coach Mar­celo Gall­ardo schickte trotz der schwa­chen Leis­tung im Hin­spiel Pinola wieder auf den Rasen. Schon nach 19 Minuten war das alt­ehr­wür­dige Sta­dion ein Toll­haus, da hatte Ignacio Scocco schon drei Treffer erzielt und für Panik bei den Gästen gesorgt.

Tango der alten Männer

Wie eine Dampf­walze über­rollte River die völlig ver­ängs­tigten Boli­vianer. Am Ende waren es fünf Tore, die der 32jährige Scocco bei­steu­erte. Enzo Perez (31) traf eben­falls zweimal, Ignacio Fernández (27) machte das Ach­ter­pack kom­plett und machte damit den Tango der alten Männer“ per­fekt. Pinola spielte die wohl auf­re­gendsten 90 Minuten seiner Fuß­ball­kar­riere kom­plett durch und das in einem zum Teil atem­be­rau­benden Tempo.

Im Februar ist Pinola 34 Jahre alt geworden. Das hin­derte Argen­ti­niens neuen Natio­nal­trainer Jorge Sam­paoli nicht daran, Pinola ins Blick­feld der Natio­nal­mann­schaft zu nehmen. Eine Teil­nahme an der Asi­en­reise im Sommer musste Pinola krank­heits­be­dingt absagen. Pinola gilt als zuver­lässig, als einer, der sich hinter den großen Namen Messi, Agüero oder Di Maria ein­zu­ordnen weiß. In der nächsten Woche ent­scheidet sich das Schicksal der argen­ti­ni­schen Natio­nal­mann­schaft, die im Heim­spiel am Don­nerstag gegen Peru unbe­dingt gewinnen muss. Anschlie­ßend folgt noch ein Gast­spiel in Ecuador, auch das ist ein sport­li­cher Draht­seilakt für den ins Schlin­gern gera­tenen Welt­meister von 1978 und 1986. Sollten Messi und Co. das WM-Ticket doch noch lösen, wäre Pinola ein Kan­didat für die Posi­tion 20 bis 22 im Kader von Sam­paoli.

Noch vier Spiele

Vorher will er aller­dings noch Geschichte schreiben. Ende Oktober steht das rein argen­ti­ni­sche Halb­fi­nale in der Copa Libertadores an. Gegner ist der Club Atlé­tico Lanús aus der Pro­vinz Buenos Aires, eine schwie­rige, aber mach­bare Auf­gabe. Im Finale, eben­falls in Hin- und Rück­spiel aus­ge­tragen, würde dann ent­weder das ecua­do­ria­ni­sche Team Bar­ce­lona aus Gua­ya­quil oder Bra­si­liens Gremio Porto Alegre warten. Vier Spiele noch bis zur Ewig­keit.