Lamine Diop, vor einem Monat haben Sie noch auf dem Tisch getanzt, weil Sie in der ersten Runde des DFB-Pokals die Bayern zuge­lost bekommen haben. Wie haben Sie reagiert, als Sie erfahren haben, dass das Spiel auf­grund von Coro­na­fällen in Ihrer Mann­schaft ver­legt werden muss?
Das ging alles sehr schnell. Ver­gan­genen Montag kam die erste Mel­dung, dass es zwei bestä­tigte Fälle gibt. Dar­aufhin haben wir alle einen PCR-Test gemacht, um sicher­zu­gehen, dass der Rest der Mann­schaft nicht infi­ziert ist. Vorher wurde aller­dings schon die Qua­ran­täne sei­tens des Gesund­heits­amtes ver­hängt und es wurde relativ schnell klar, dass das Spiel erst einmal nicht statt­finden kann. Daher sind wir jetzt umso glück­li­cher, dass es trotzdem noch die Mög­lich­keit gibt, im Nach­hol­spiel gegen die Bayern zu spielen, das wäre sonst echt der Supergau gewesen.

Das Spiel findet nun fast drei Wochen später statt, am 25. August. Bis­lang schwä­chen die Bayern in der Vor­be­rei­tung, sie haben noch kein Test­spiel gewonnen. Wäre der ursprüng­liche Termin viel­leicht der per­fekte Zeit­punkt gewesen, um die Bayern zu schlagen?
Ich glaube tat­säch­lich schon. Die Bayern waren am Strau­cheln und wir sind gut ein­ge­spielt. Dar­über hinaus haben wir einen klasse Team­geist. Außerdem schreibt der Pokal, wie man so schön sagt, seine eigenen Geschichten und es ist immer alles mög­lich. Ich glaube, wenn die Bayern schlagbar gewesen wäre, dann an diesem Freitag. Aber glück­li­cher­weise ist das Spiel nicht allzu weit weg, viel­leicht sind sie dann auch in zwei­ein­halb Wochen noch nicht so richtig in Form. Die Ver­le­gung hat aber auch einen Vor­teil für uns: Einige Spieler, die ver­letzt oder noch im Urlaub sind, werden wieder in den Kader zurück­kehren und somit können dann alle dabei sein.

Trotz des Spiel­ter­mins am Mitt­woch­abend? Es gibt doch sicher Spieler bei Ihnen, die neben dem Fuß­ball noch etwas anderes machen. Muss nie­mand arbeiten oder Don­nerstag früh raus?
Ich selbst bin Lehrer. Zum Glück sind gerade Schul­fe­rien, sodass ich auf jeden Fall dabei bin. Aber ein paar müssen bestimmt arbeiten. Die werden sich dann wahr­schein­lich ein oder zwei Tage Urlaub nehmen. Viel­leicht gibt der Chef bei so einem beson­deren Anlass aber auch mal frei. So ein Spiel hat man nicht alle Tage, da kann ich mir schon vor­stellen, dass der Arbeit­geber dann mal ein Auge zudrückt. Wenn ich Chef wäre: Ich würd’s geneh­migen!

Wie läuft die Vor­be­rei­tung auf das Spiel? Können Sie trotz der Qua­ran­täne trai­nieren?
Es gibt Leute, die nicht in Qua­ran­täne sind, zu denen ich selbst glück­li­cher­weise auch zähle. Mit diesen Spie­lern können wir ganz normal trai­nieren. Wir haben uns davor alle testen lassen und uns gene­rell sehr akri­bisch an die Hygie­ne­re­geln des DFB und des Ver­eins gehalten, aber manchmal rei­chen solche Maß­nahmen dann leider doch nicht. Am nächsten Samstag kommen die rest­li­chen Spieler aus der Qua­ran­täne, dann bereiten wir uns erstmal auf den Liga­start die Woche darauf vor. Und dann kommen die Bayern.

Ich bin vor Freude auf den Tisch gesprungen“

Wie bereiten Sie selbst sich aufs Spiel vor?
Ich ver­suche, mich vor allem mental vor­zu­be­reiten, damit ich direkt von Anfang an wach bin. Da hat jeder seinen Rhythmus und seine eigene Vor­ge­hens­weise. Ich werde die Tage vorher gut essen, früh schlafen gehen und mich voll auf das Spiel kon­zen­trieren.

Lassen Sie uns noch einmal auf die Aus­lo­sung zurück­bli­cken: Wie haben Sie den Moment erlebt, als Thomas Broich die Bayern als Ihren Gegner gezogen hat?
Es war sur­real. Im Vor­feld haben wir inner­halb der Mann­schaft dar­über gescherzt, wie krass das wäre, die Bayern zu ziehen. Aber so richtig daran geglaubt haben wir alle nicht. Als Thomas Broich dann die Kugel mit unserem Gegner geöffnet hat, hat er schon ein biss­chen gelacht. Da dachten wir alle, dass es eigent­lich nur noch Bayern oder Dort­mund sein kann. Als Peter Fry­muth (DFB-Vize­prä­si­dent, d. Red.) dann tat­säch­lich das Los mit dem Namen Bayern in die Kamera hielt, sind wir alle kom­plett aus­ge­rastet. Ich bin vor Freude erstmal auf den Tisch gesprungen. Ein Video davon ist dann durch die sozialen Medien gegangen. Es ist ein­fach geil, die Mög­lich­keit zu bekommen, gegen eine der besten Mann­schaften der Welt zu spielen und das nicht nur in einem Test- oder Bene­fiz­spiel, son­dern in einem rich­tigen Pflicht­spiel.

Waren die Bayern Ihr Wunschlos?
Bayern und Dort­mund waren bei einem Groß­teil der Mann­schaft der Favorit, da dort ein­fach die Top­spieler der Bun­des­liga spielen. Eigent­lich wären wir mit jedem Los zufrieden gewesen. Aber Bayern ist natür­lich das Non­plus­ultra.

Unmit­telbar nach der Aus­lo­sung wurde auf den Social-Media-Kanälen sei­tens des Bremer SV der Wunsch nach einem Auf­tritt der Mün­chener Frei­heit laut. Was hat es damit auf sich?
Unser Verein hat in den sozialen Medien unseres Ver­eins ein Video gepostet, dass die Mün­chener Frei­heit doch in der Halb­zeit­pause des Pokals ein kleines Kon­zert­spielen könnte. Wir als Team hatten damit aller­dings wenig zu tun. Eigent­lich war es eher als Gag gedacht, doch die Mün­chener Frei­heit hat den Vor­schlag tat­säch­lich ernst genommen und einen Besuch in Bremen geplant. Das wäre natür­lich echt geil gewesen, aber auf­ge­schoben ist ja nicht auf­ge­hoben. So wie ich das ver­standen habe, können wir uns dahin­ge­hend noch Hoff­nungen machen.

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Lamine Diop mit dem Lotto-Pokal.

Privat

Wie war die Stim­mung in den Tagen nach der Aus­lo­sung? Haben Sie sofort mit der Vor­be­rei­tung auf die Bayern begonnen?
Die Stim­mung war super, wir waren alle noch total geflasht. Den Mitt­woch vor der Aus­lo­sung haben wir das Pokal­fi­nale im Lotto-Pokal (Län­der­pokal Bremen, d. Red.) gewonnen und hatten bis dahin durch­trai­niert, sodass nach dem End­spiel erstmal eine Woche Pause war. Die brauchten wir auch nach der anstren­genden Pokal­runde, in der wir inner­halb von drei­zehn Tagen fünf Spiele hatten. Dann ging es ganz normal los mit der Vor­be­rei­tung, wo der Fokus aber erstmal nicht auf dem Bay­ern­spiel lag.

Sie selbst sind Stürmer. Gegen wel­chen Innen­ver­tei­diger würden Sie am liebsten spielen? Lieber Upa­me­cano oder Süle nass machen?
Am besten zwi­schen beiden durch und dann an Neuer vor­bei­schieben, das wär das Optimum. Aber viel­leicht habe ich gegen Upa­me­cano noch ein biss­chen bes­sere Chancen, da er neu zu Bayern gewech­selt ist. Außerdem ist er Fran­zose und ich spreche selbst Fran­zö­sisch, viel­leicht schaffe ich es ja, mich ein wenig mit ihm zu unter­halten, ihn abzu­lenken und dann wollen wir mal sehen, ob er wirk­lich so schnell ist.

Das Spiel wird im Weser­sta­dion aus­ge­tragen. Freuen Sie sich oder hätten Sie lieber auf dem eigenen Platz gespielt?
Ich freue mich drauf und der Groß­teil der Mann­schaft auch. Es ist nicht nur ein High­light, gegen Bayern zu spielen, son­dern auch in einem rich­tigen Bun­des­li­ga­sta­dion. Das hat man auch nicht alle Tage! Hinzu kommt, dass viele Zuschauer da sein können. Stand jetzt sind 14.000 zuge­lassen und ich hoffe, dass es auch dabei bleibt. Das wird dann bestimmt eine echt gute Atmo­sphäre!

Haben Sie schon einen Tri­kot­tausch geplant?
Tat­säch­lich schon, ich hätte eigent­lich sehr Bock auf Lewan­dowski. Da hat aller­dings schon ein anderer Spieler das Vor­recht drauf, der selbst Pole ist. Da lasse ich ihm gerne den Vor­tritt. Ansonsten finde ich Alp­honso Davies cool, den will ich fragen.